Engpass

Stormarner Bürger sauer: Steuer-Formulare werden knapp

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Filip Schwen
Das Finanzministerium setzt auf digitale Alternativen zu Formularvordrucken. Gerade älteren Menschen bereitet der Umstieg häufig Probleme.

Das Finanzministerium setzt auf digitale Alternativen zu Formularvordrucken. Gerade älteren Menschen bereitet der Umstieg häufig Probleme.

Foto: imago/Niehoff

Engpass in Ahrensburg, Bargteheide, Glinde und Reinbek sorgt für Ärger. Ministerium will elektronische Alternativen fördern.

Ahrensburg/Reinbek. Zahlreiche Formulare, großer Zeitaufwand und meist ein immenser Umfang – die Steuererklärung gehört wohl zu jenen Aufgaben, die kaum jemand gern erledigt. Frust wartet auf Stormarner derzeit schon vor Beginn der Schreibtischarbeit: In zahlreichen Kommunen im Kreis werden die Formular-Vordrucke für die Einkommenssteuererklärung knapp.

„Wir nehmen die Beschwerden ernst“

Das Finanzamt Stormarn in Bad Oldesloe gibt jedes Jahr nur eine begrenzte Anzahl der Papiere heraus. Die Behörde will die Bürger dadurch zum Umstieg auf digitale Alternativen bewegen. „Die Formulare für 2019 sind bei uns schon seit einigen Wochen vergriffen“, sagt Ahrensburgs Rathaussprecher Fabian Dorow. Bislang konnten Bürger die Vordrucke an der Infothek des Rathauses mitnehmen. Leser aus der Schlossstadt hatten sich in den vergangenen Tagen an das Abendblatt gewendet und beklagt, keine jener Vordrucke ausgehändigt zu bekommen. „Wir nehmen die Beschwerden ernst, allerdings sind uns die Hände gebunden, weil wir die Formulare nicht selbst drucken dürfen“, sagt Dorow.

„Die Vordrucke werden von den Finanzämtern erstellt und an die Kommunen ausgeliefert“, sagt der Rathaussprecher. Eine Nachlieferung werde es nicht geben. „Wir haben versucht nachzubestellen und die Rückmeldung erhalten, alle Vordrucke seien bereits ausgeliefert“, so Dorow weiter.

Auch im Bargteheider Rathaus werden Vordrucke knapp

Schon im vergangenen Jahr habe es Engpässe bei den Formularen für 2018 gegeben. Dorow empfiehlt, die Vorlage für das Formular von der Internetseite des Bundesfinanzministeriums herunterzuladen und selbst auszudrucken. „Das Problem dabei ist, dass gerade ältere Menschen oft wenig technikaffin und mit dem Internet überfordert sind“, betont Dorow. Die Ahrensburger Verwaltung hat inzwischen reagiert. „Die Mitarbeiterinnen der Stadtbücherei drucken die Vorlage während der Öffnungszeiten der Bibliothek auf Wunsch für Bürger aus“, sagt der Rathaussprecher und spricht von einer „Bypass-Lösung“.

Auch anderenorts in Stormarn gibt es Probleme. „Bei uns werden die Vordrucke ebenfalls knapp“, sagt Alexander Wagner, Referent im Bargteheider Rathaus. Er sagt: „Die derzeit einzige Möglichkeit für Bürger, die den digitalen Weg nicht nutzen wollen, ist es, sich die Formulare direkt vom Finanzamt per Post zuschicken zu lassen.“

Reinbeks Stadtsprecher hat sich bei Finanzamt beschwert

Glindes Ordnungsamtsleiter Bernd Mahns hat bereits Beschwerden von Bürgern erhalten. „Wir müssen sie dann an das Finanzamt verweisen“, sagt er. Die Ausgabe der Formulare sei ein freiwilliger Service der Kommunen, um den Bürgern die Fahrt zu der Behörde in Bad Oldesloe zu ersparen. „Im vergangenen Jahr haben die Vordrucke immerhin bis zum Juni gereicht“, so Mahns. Er rechnet damit, dass die Bestände für dieses Jahr bald aufgebraucht sein werden.

Auch in Reinbeks Rathaus sorgt die Knappheit der Formularvordrucke für Unmut. „Die Bürger ärgern sich, dass sie bei uns keine Steuerformulare erhalten. Diesen Frust bekommen unsere Mitarbeiterinnen in der Information zu spüren“, sagt Stadtsprecher Lennart Fey. Dabei könnten die an der Situation nichts ändern. „Wir erklären den Bürgern dann, dass sie sich ans Finanzamt wenden oder die Unterlagen online herunterladen müssen, da das Finanzamt uns keine weiteren Formulare zuschickt.“ Unverständnis gegenüber den Behörden sei die Folge.

Im vergangenen Jahr hat Fey deshalb bereits einen Brief an das Finanzamt in Bad Oldesloe geschrieben, um den Ärger der Bürger kundzutun und auf eine Verbesserung der Situation hinzuwirken. Doch genützt habe das nichts. „Das Finanzamt möchte den Fokus lieber auf digitale Formen für die Steuererklärung lenken“, sagt Fey.

Ministerium in Kiel will den Papierverbrauch reduzieren

Dem Landesfinanzministerium in Kiel zufolge handelt es sich bei den Engpässen um Einzelfälle. Auf Abendblatt-Anfrage sagte eine Sprecherin: „Die Finanzverwaltung des Landes ist bestrebt, zu den Klimazielen und der damit im Zusammenhang stehenden Klimastrategie der Landesregierung beizutragen.“

Dazu gehöre auch, ressourcenschonende Prozesse möglichst zu unterstützen, also die Steuerbürger verstärkt zur digitalen Abgabe der Steuererklärungen zu ermutigen. „Den Papierverbrauch auf das notwendige Maß zu reduzieren, ohne wenig technikaffinen Bürgern die Abgabe der Steuererklärungen zu erschweren, stellt einen herausfordernden Spagat dar“, heißt es aus dem Ministerium. 580.000 Vordrucke für die Einkommenssteuererklärung habe das Finanzministerium für 2019 bereitgestellt, dazu weitere Anlageformulare, die Menge entspreche dem geschätzten Bedarf.

Udo Philipp ermutigt Bürger zur Nutzung digitaler Alternativen

Bereits jetzt nutze ein großer Anteil der Bürger elektronische Alternativen, etwa das kostenfreie Programm ELSTER. 71,5 Prozent der in 2019 bearbeiteten Steuererklärungen für 2017 und 2018 wurden laut Ministerium elektronisch abgegeben. Zusätzlich bestehe die Möglichkeit, alle Formulare für die Steuererklärung im Internet über das Formular-Management-System (www.formulare.bfinv.de) auszudrucken.

Finanzstaatssekretär Udo Philipp ermutigt die Bürger zur Nutzung der digitalen Alternativen, sagt: „Mit der elektronischen Steuererklärung können wir das volle Potenzial der Digitalisierung ausschöpfen und schneller sowie effektiver arbeiten.“ Viele persönliche Daten könnten elektronisch übernommen werden, was den Arbeitsaufwand reduziere und die Verfahren beschleunige.

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