Ahrensburg

Expertinnen-Netzwerk bietet großes Programm für Frauen

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Pia Rabener
Das Team des Expertinnen-Netzwerks Ahrensburg

Das Team des Expertinnen-Netzwerks Ahrensburg

Foto: Pia Rabener

Zehn Institutionen, Vereine und Arbeitskreise wollen das Leben von Frauen und Familien in Ahrensburg besser machen.

Ahrensburg.  Sie arbeiten Hand in Hand, um sich gemeinsam für Frauen in Ahrensburg einzusetzen: Die Mitglieder des Expertinnen-Netzwerkes-Ahrensburg (ENA) bieten für 2020 ein vielseitiges Programm für Frauen jeden Alters an, wollen jedoch durchaus auch Männer mit einbeziehen. Höhepunkt des Veranstaltungskataloges ist eine Lesung in der Stadtbücherei am Sonnabend, 7. März, dem Vorabend des internationalen Frauentages.

Beratungsstelle organisiert mehrere Infoabende

„Bei uns arbeiten Haupt- und Ehrenamtler eng zusammen“, sagt Angelika Weißmann vom Frauentreff im Hagen über das Expertinnen-Netzwerk. Jeden dritten Dienstag im Monat trifft sie sich mit Frauen im Kirchsaal an der Hagener Allee, lädt Fachreferentinnen der unterschiedlichsten Bereiche ein. Vorträge aus den Bereichen Heilpraktika bis Lachyoga sind bis Juni regelmäßig angesetzt.

Auch die Beratungsstelle für Frauen und Mädchen Ahrensburg (BEST) organisiert für die kommenden Monate mehrere Infoabende, setzt sich mit Themen wie Heimweh und Selbstfindung auseinander. Besonders den Selbstverteidigungskursus am 15. März mit Kampfsportexperten Torsten Kaden möchte Anette Bethune Frauen und Mädchen ans Herz legen: „Gern können auch Mütter in Begleitung ihrer Töchter am Kursus teilnehmen.“ Kaden bringe den Teilnehmerinnen in der alten Halle der Stormarnschule (Waldstraße 14) wichtige und trotzdem leicht zu erlernende Techniken bei, um mögliche Gefahrensituationen selbstbewusst bewältigen zu können.

Beratung bei Trennung, Schwangerschaft, Elternzeit oder Elterngeld

Neben Selbstbestimmung und - verteidigung sind Schwangerschaft und Trennung Themen des Jahresprogrammes. Pro Familia klärt Eltern über das Thema Trennung auf. „Für die zwei dafür angesetzten Informationsabende ziehen wir sogar einen Notar sowie einen Anwalt hinzu“, sagt Kristina Istók, Leiterin der Pro Familia- Beratungsstelle in Ahrensburg. Auf der Agenda stehen auch Vorträge zum Thema Elterngeld und –zeit. Istók plant für den Herbst ein Pilotprojekt im Bereich Medienpädagogik und Geschlechterrollen: „Wir wollen uns mit Eltern darüber unterhalten, wie Medien uns in bestimmte Rollenbilder drängen.“

Donum Vitae ist ebenfalls in dem Ahrensburger Netzwerk vertreten. Die Psychologin Susana de Brito leitet die Schwangerschaftsberatungsstelle. „Wir unterstützen schwangere Frauen sowie Paare kostenlos und begleiten sie gern auch über einen längeren Zeitraum. Unser Angebot geht von Krisen- bis Sozialberatungen“, sagt de Brito. Aufgrund der guten Vernetzung vermittle Donum Vitae die eigene Klientel auch immer wieder erfolgreich an Hebammen, Ärzte oder das Jugendamt. Vom Kinderwunsch bis zum dritten Lebensjahr des Kindes unterstützt die Beratungsstelle Frauen und Paare.

Es gibt auch Angebote für geflüchtete Frauen und Migrantinnen

Das ENA offeriert mittlerweile außerdem ein großes Angebot für geflüchtete Frauen in Ahrensburg. Die Zusammenarbeit reicht vom Peter-Rantzau-Haus bis hin zum Netzwerk für Migration und Integration sowie den Freundeskreis für Flüchtlinge. Letzterer bietet zum Beispiel Sprachkurse mit Kinderbetreuung an. „Seit mittlerweile fünf Jahren klären wir die Frauen, die sich an uns wenden, auch über Verhütungsmittel auf, unterstützen sie bei der Finanzierung“, sagt Anke Ackermann, die selbst im Verein engagiert ist. Auch eine Frauenschwimmgruppe wurde vom Freundeskreis für Flüchtlinge ins Leben gerufen. Der Verein will den geflüchteten Frauen ein Vorbild für ein emanzipiertes Frauenverständnis sein.

Für das Wohlbefinden und die Integration in das Ahrensburger Stadtgeschehen soll auch die internationale Frauengruppe sorgen. Zu den zwanglosen Treffen können Frauen mit ausländischen Wurzeln kommen, um sich über Erziehung, Heimweh, Integration und Eheprobleme auszutauschen. „Wir sprechen offen und vertraut über diese Themen. Frauen im Alter von 30 bis 80 Jahren aus Ahrensburg kommen zwei Mal im Monat zusammen“, sagt Patricia Zimmermann. Die Equadorianerin lebt seit 35 Jahren in Deutschland und ist selbst Mitglied in der Gruppe, die sich im Haus Blauer Elefant zum Frühstück trifft. Zimmermann ist wichtig, dass die Familien genauso integriert werden, wie die Frauen, die regelmäßig zu den Treffen erscheinen. „Zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel in der Weihnachtszeit, bieten wir gemeinsames Kegeln mit anschließendem Essen für die ganze Familie an“, so Zimmermann. Sie sei oft von den Ehemännern angesprochen worden, warum die Treffen sich nur an ihre Frauen richteten.

Männer sind auf vielen Veranstaltungen dazu eingeladen, ihre Frauen zu begleiten

In Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für Migration und Integration organisiert Zimmermann zudem für den 18. Oktober eine Tanzveranstaltung für Ahrensburgerinnen im Marstall. Das Fest ist Teil des interkulturellen Herbstes, der vom Netzwerk für Migration und Integration organisiert wird. „Männer sind natürlich auch herzlich willkommen, um ihre tanzenden Frauen zu bewundern“, sagt die Leiterin der Internationalen Frauengruppe.

Der Höhepunkt des Ahrensburger Frauennetzwerkes steht der Schlossstadt schon bald ins Haus: Am Vorabend des internationalen Frauentages, am Sonnabend, 7. März, ist Autorin Karin Fessel zu Gast in der Stadtbücherei, liest aus ihrem Roman „Mutter zieht aus“. Die Autorin, selbst Jahrgang 1964, erzählt die exemplarische Geschichte über Mütter und Töchter sowie die Lebenswirklichkeit von Frauen der Kriegsgeneration. Die Lesung soll als Grundlage für die anschließende Diskussion über Flucht und Heimat dienen. Ob Gewalt, Trennung, Familienplanung oder Integration. „Wir wollen uns nicht nur mit ernsten Themen befassen, sondern haben auch durchaus Lust, gemeinsam zu feiern“, sagt Angelika Weißmann.

Der Pool erfahrener Frauen, der vier bis fünf Mal im Jahr anlässlich der Netzwerktreffen zusammenkommt, könne gemeinsam viel erreichen. Susana de Brito, die mit der Schwangerschaftsberatung noch ein relativ frisches Mitglied im Netzwerk ist, ergänzt lächelnd: „Es ist schön zu wissen, wer für was in Ahrensburg zuständig ist. Eine sehr wertvolle und sinnvolle Verbindung.“

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