Stormarn
Musikfestival

Festival: Sülfeld singt und tanzt gegen rechts

Die Oldesloer Band Commander Nilpfred spielt beim Musikfestival „Bunte Zukunft“ in Sülfeld.

Die Oldesloer Band Commander Nilpfred spielt beim Musikfestival „Bunte Zukunft“ in Sülfeld.

Foto: Burkhard Fuchs

Regionale Bands, Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel und 700 Besucher zeigen, dass Neonazis im Dorf keinen Platz haben.

Sülfeld. Ein ganzes Dorf steht zusammen gegen Rechtsradikalismus, Fremdenhass und rechte Gewalt. Rund 700 Menschen sind am Sonnabend dem Aufruf von Sülfelds Pastor Steffen Paar gefolgt, mit einem Musikfestival in seiner Kirche in dem 3400-Einwohner-Ort ein Zeichen für Solidarität und bunte Vielfalt in der Gesellschaft zu setzen.

Einwohner sind stolz auf ihre Gemeinde

„Ein super-hammergeiles Gefühl“, sagte ein ausgelassener Pastor am Abend kurz vor dem Gastauftritt des Prinzen-Sängers Sebastian Krumbiegel über den großen Zuspruch aus der Bevölkerung. „Das hat meine Erwartungen bei Weitem übertroffen.“

Und Wiebke Bohnsack aus Sülfeld sagte ergriffen: „Ich bin stolz auf unser Dorf.“ Dabei stand sie neben einem großen Plakat, auf dem sich Hunderte Besucher unter der Parole „Sülfeld – Wir halten zusammen gegen Rassismus“ mit ihren Vornamen verewigt hatten.

Drei Neonazis machten sich im Dorf breit

Im Oktober 2019 kochte es plötzlich hoch in der Gemeinde. Drei bekennende Neonazis machten sich breit im Dorf, warben unter anderem mit Aufklebern für ihre fremdenfeindliche Ideologie und bedrohten die Bewohner. Eine Welle der Solidarität aus dem ganzen Umland erfasste die Sülfelder, die sich nicht einschüchtern ließen.

800 Menschen protestierten zum Beispiel vor einem Handballspiel mit den Spielerinnen des SV Sülfeld gegen die Gruppe von Neonazis. Auch Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) beteiligte sich an der Demo, erhielt für seine deutlichen Worte minutenlangen Applaus. In der Kreisstadt Bad Segeberg demonstrierten Tausende Menschen gegen die rechten Umtriebe.

Auch Bundesaußenminister Maas lobte das Engagement

Der Sülfelder Rap-Musiker Manuel „Baldikin“ Baldermann drehte spontan mit Gleichgesinnten einen Videoclip mit den Textzeilen: „Ein Dorf. Eine Einheit. Wie ein Hort für unabhängige Freiheit … Wir sind mehr, das ist unsere Weisheit …“. 3700-mal sei der Videoclip im Internet auf Youtube heruntergeladen worden, erzählte Baldikin jetzt am Rande des Festivals. 105 positive und 66 negative Kommentare habe das Stück im Netz ausgelöst.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) reagierte auf die Situation in Sülfeld, lobte auf Twitter das Engagement der Menschen. „Das Dorf Sülfeld in Schleswig-Holstein wird von Neonazis bedroht“, schrieb er beim Kurznachrichtendienst. „Doch die EinwohnerInnen stehen zusammen: mit Anti-Nazi-Spaziergängen, Demos und Handballturnieren gegen rechts. Ihr Zusammenhalt ist Vorbild für uns alle. Danke!“

Prinzen-Sänger will Bewohnern den Rücken stärken

Auch wenn es jetzt ruhiger geworden sei im Dorf und nur noch einer der Neonazis dort wohne – „wir dürfen es nicht herunterspielen, sonst geht es wieder los“, so Rapper Baldikin. Diese Botschaft vertrat auch Stargast Sebastian Krumbiegel, Sänger der bekannten Band Die Prinzen. Als Sachse aus Leipzig kenne er sich im Umgang mit rechten Parolen und Ausschreitungen gut aus.

„Ich bin hier in Sülfeld, um den Leuten, die hier gerade stehen gegen rechts, den Rücken zu stärken“, sagte der Musiker, der im März und April mit seiner Gruppe auf Tournee ist. In der Kirche sang er meinungsstark am Klavier seine hochpolitischen Texte vor mehr als 300 begeisterten Besuchern: „Lass mal die Moschee im Dorf. Und lass das mit dem Hassen. Es ist doch nicht zu fassen. Ich glaub, ich muss dich rechts liegen lassen.“

Pastor Paar zeigt sich ergriffen

Zuvor hatte die Punkband De Drangdüwels aus Bad Oldesloe mit ihren lustigen, plattdeutschen Texten den Besuchern eingeheizt. Sänger Burghard Bee­se, der in Sülfeld aufgewachsen ist, war es eine Herzensangelegenheit, dabei zu sein. Seine Band engagiere sich seit 21 Jahren mit Liedern und Texten gegen Rechtsradikalismus.

Aber was sein kleines Heimatdorf Sülfeld und sein sympathischer Pastor Steffen Paar auf die Beine stellten, mache ihn „ergriffen“, sagte der Platt-Punker. „Euer Pastoor is der Beste und Geilste. Der hat echt Mors in de Büx. Wir sind mehr gegen die paar Krakeeler“, rief er bei seinem ersten Auftritt in einer Kirche von der Bühne – und die ganze Gemeinde johlte und klatschte zustimmend.