Stormarn
Prozess

Stormarner Sporttrainer soll Achtjährige vergewaltigt haben

Der Angeklagte Ullrich K. (Name geändert) mit seinem Verteidiger, dem Rechtsanwalt Christian Albrecht, im Landgericht Lübeck.

Der Angeklagte Ullrich K. (Name geändert) mit seinem Verteidiger, dem Rechtsanwalt Christian Albrecht, im Landgericht Lübeck.

Foto: Filip Schwen

Der 73-Jährige ist einschlägig vorbestraft. Es soll noch mehr Opfer geben, darunter ein fünf Jahre altes Mädchen.

Lübeck.  „Ich weine jede Nacht, aber ich will dich damit nicht belasten“, zitiert die Vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz eine Chatnachricht, die Emily S. (alle Namen geändert) von ihrem Handy an ihre beste Freundin gesendet hatte. Es ist der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen den Sporttrainer und Inhaber eines Sportartikel-Fachgeschäfts Ullrich K., vor dem Landgericht Lübeck.

Emily S. gehe Berührungen aus dem Weg

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 73-Jährigen vor, Emily S. während seiner Tätigkeit in einem Stormarner Sportverein zwischen 2012 und 2015 mindestens sechs Mal schwer sexuell missbraucht zu haben. Einmal soll es auch zum Geschlechtsverkehr gekommen sein. Bei der ersten Tat war die heute 15-Jährige erst acht Jahre alt. K. bestreitet die Taten. Im Gerichtssaal schildert die beste Freundin des Opfers, wie S. sich ihr anvertraute. „Wir waren in der achten Klasse, es war große Pause“, sagt die 16-Jährige. Emily habe ihr erzählt, dass sie mit dem Sport aufgehört habe, weil ein Mann sie beim Training immer wieder im Intimbereich angefasst habe. „Einmal soll er sie mit zu sich nach Hause genommen und ausgezogen haben“, erinnert sich die Zeugin.

Sie kenne Emily S. seit der Grundschule. „Plötzlich hat sie angefangen, nur noch weite Kleidung zu tragen und ist in Jogginghose zur Schule gekommen“, so die 16-Jährige. Aufgefallen sei ihr auch, dass Emily S. Berührungen aus dem Weg gehe. „Selbst ich als ihre beste Freundin darf sie nicht umarmen, sie stößt einen immer weg, wenn man ihr näher kommt“, sagt die Schülerin. Darauf angesprochen habe sie Emily S. aber nie. Nachdem sich Emily ihr anvertraut hatte, hätten die Freundinnen sich mehrfach über Chatnachrichten über die Vorfälle unterhalten. „Ich habe ihr meine Hilfe angeboten, aber Emily hat geschrieben, ich hätte selbst Probleme und sie wolle kein Mitleid.“ Sie habe auf Emilys Wunsch alles für sich behalten. Während der Zeugenvernehmung macht sich Ullrich K. hastig Notizen, hin und wieder schüttelt er energisch den Kopf.

Zeugen wurden von einem Unbekannten angezeigt

Möglicherweise gibt es noch ein weiteres Opfer des 73-Jährigen, der bereits 2005 vom Amtsgericht Ahrensburg wegen sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Mädchens zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Ein mit Ullrich K. befreundetes Ehepaar wirft dem Mann vor Gericht vor, sich vor ihrer damals fünf Jahre alte Tochter Jule im August 2018 entblößt zu haben. „Wir waren bei Herrn K. und seiner Frau zum Grillen eingeladen“, sagt die Mutter. Jule habe außerhalb der Sichtweite ihrer Eltern gespielt, eine Zeit lang sei K. bei ihr gewesen. „Als ich Jule am Abend ins Bett gebracht habe, erzählte sie, dass Herr K. ihr seinen Pieschermann gezeigt habe. Sie wollte wissen, ob sowas nicht böse sei.“ Als er sein Glied gezeigt habe, habe er Jule gefragt, ob sie so etwas auch könne.

Die Familie habe Anzeige gegen K. erstattet. „Kurz darauf stand das Jugendamt bei meinen Schwiegereltern vor der Tür“, so die Zeugin. Ein Unbekannter habe gegen ihren Mann und ihren Schwiegervater Anzeige erstattet. „Darin hieß es, sie seien im Garten dabei beobachtet worden, wie sie wiederholt Spiele mit Jule gespielt hätten, die nicht sexfrei seien. „Außerdem ist mein Schwiegervater des illegalen Waffenbesitzes und der Tötung von Bäumen auf dem Nachbargrundstück mittels Insektenschutzmittel bezichtigt worden.“ Die Frau vermutet, dass die Anzeigen von Ullrich K. stammen, „um uns einzuschüchtern“.

Das Verfahren in dem Fall hat die Staatsanwaltschaft inzwischen vorläufig eingestellt. Allerdings führte es die Ermittler auf die Spur von Emily S. „Zeugen, die wir vernommen haben, berichteten, dass der Angeklagte mit Emily S. engen Kontakt pflege“, so ein Kriminalbeamter vor Gericht. Daraufhin habe man Emily S. befragt und von den Taten erfahren. Das Gericht hat drei Verhandlungstage anberaumt und elf Zeugen geladen. Fortgesetzt wird das Verfahren am Mittwoch, 26. Februar.