Stormarn
Politik

Keller saufen ab: Hilft Glinde Reihenhausbewohnern?

Die Anwohner Martina Schwarz (v. l.), ihr Mann Waldemar Sobczyk-Schwarz und Anja Blaim fordern Hilfe von der Stadt.

Die Anwohner Martina Schwarz (v. l.), ihr Mann Waldemar Sobczyk-Schwarz und Anja Blaim fordern Hilfe von der Stadt.

Foto: Susanne Tamm / BGZ

Nasse Keller beschäftigen Bewohner seit Jahren. Regenwasser gelangt durch die Wände. Stadt greift nun womöglich ein.

Glinde.  Bei starken Niederschlägen schmeißen sie die Pumpen an, die in Lichtschächten installiert sind. Trotzdem sickert das Wasser vom benachbarten Grüngürtel durch die Kellerwand und verursacht mitunter Schimmel. Das nervt Glinder, die in Reihenhäusern am Schlehenweg leben. Deswegen schlugen sie schon vor geraumer Zeit Alarm und schilderten ihre Probleme den Kommunalpolitikern.

Jetzt signierten mehr als drei Dutzend Anlieger ein Schreiben und fordern darin die Stadt um Hilfe auf. Das Dokument ist zugleich Antrag der Grünen für den Bauausschuss am Donnerstag. Und die Entscheidungsträger anderer Parteien signalisieren Bereitschaft, diesen zu unterstützen.

Jan Schwartz wird bei dem Thema den Raum wegen Befangenheit verlassen. Der Grünen-Ortsvorsitzende ist selbst betroffen. Er lebt seit 2002 in einem Endreihenhaus und zählt damit zu den ersten Bewohnern der Siedlung. Der 60-Jährige sagt: „Wir haben durch den Klimawandel Sorgen, dass sich die Situation verschlechtert.“ Es wolle zwar keine Hysterie entfachen, doch es müsse gehandelt werden. Der Politiker hat in zwei Lichtschächten jeweils eine Pumpe und berichtet von Nachbarn, die mehr Schwierigkeiten als er hätten.

Einer von denen ist Waldemar Sobczyk-Schwarz. Bei ihm bildete sich in Kellerecken schwarzer Schimmel. Eine Frau erzählte vor Monaten, viele Reihenhausbewohner trauten sich noch nicht einmal mehr, über das Wochenende wegzufahren aus Angst vor einem Wassereinbruch. Und sie sprach in diesem Zusammenhang das viele Abpumpen an.

Gutachter schlägt zwei Optionen vor, wie Wasser abfließen kann

Vor den Reihenhäusern auf dem städtischen Grünzug nahe der Böschung der Kreisstraße 80 staut sich regelmäßig ein Teich auf. „Das liegt daran, dass der Boden lehmhaltig und das Gelände nicht versickerungsfähig ist“, sagt Bürgermeister Rainhard Zug. „Der Investor hätte seinerzeit Wannen unter den Gebäuden installieren müssen zwecks Abdichtung.“

Die Stadt beauftragte zwischenzeitlich einen Gutachter mit der Angelegenheit. Der schlägt zwei Optionen vor, wie Glinde helfen kann: eine Modellierung des Geländes und die Schaffung eines Überlaufsystems. Die Grünen möchten, dass die Verwaltung beide Varianten bewertet und die bessere dann umsetzt.

Eine konkrete Kostenschätzung gibt es für beide Fälle noch nicht. Der Glinder Verwaltungschef rechnet jedoch mit einem Investitionsvolumen im mittleren sechsstelligen Bereich. Einen hundertprozentigen Schutz durch das Eingreifen der Stadt hält Rainhard Zug für unwahrscheinlich. Er sagt: „Um sicher zu gehen, müssten die Eigentümer aufgraben und den Keller neu abdichten.“

Baugenehmigungen mit Keller und ohne Drainage erteilte der Kreis

Die SPD wird sich mit dem Antrag auf einer Fraktionssitzung am Mittwoch beschäftigen. Fraktionschef Frank Lauterbach sagt: „Grundsätzlich sind wir immer bereit, zu helfen.“ Er habe sich vor Ort ein Bild gemacht. „Da war Land unter.“ Die FDP-Stadtvertreterin Barbara Bednarz wird noch deutlicher: „Ich bin dafür, dass die Stadt Geld in die Hand nimmt und den Leuten unter die Arme greift.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Rainer Neumann übt sich in Zurückhaltung. Er sagt: „Ich habe noch zu viele offene Fragen. Bevor ich nichts über die Kosten weiß, kann ich nichts Verbindliches sagen.“

Der Investor, die Wohnpark Wiesenfeld GmbH, äußerte sich schon 2002 zu den Problemen. Es sei „Bestandteil des Naturschutzes und der Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde, dass das Oberflächenwasser versickern und nicht abgeleitet“ werden solle. Das Unternehmen wollte damals den Boden so modellieren, dass das Wasser Richtung Lärmschutzwall abfließt. Die Baugenehmigungen mit Keller und ohne Drainage erteilte seinerzeit der Kreis.

Bauausschuss Glinde Do 13.2., 19.00 Uhr, Sitzungsraum im Marcellin-Verbe-Haus, Markt 2