Stormarn
Gesundheit

Mobile Arztpraxis lädt in Ahrensburg zur Brustkrebsvorsorge

Nilüfer Ulusan, Mitarbeiterin im Mammobil in Ahrensburg steht neben dem Mammografiegerät.

Nilüfer Ulusan, Mitarbeiterin im Mammobil in Ahrensburg steht neben dem Mammografiegerät.

Foto: Mary-Nell Hertel

Das Mammobil kommt in die Schlossstadt. Frauen ab 50 sollten dort alle zwei Jahre der Einladung zur Mammografie-Untersuchung folgen.

Ahrensburg. „Jede siebte bis achte Frau erkrankt an Brustkrebs“, sagt Dr. Susanne Tolkemitt, Frauenärztin in Ahrensburg. Dabei sind die Heilungschancen so gut wie bei keiner anderen Krebserkrankung. Denn das vermehrt unkontrollierbare Wachstum von bösartigem Gewebe in der Brust kann bereits vor dem Auftreten von Symptomen entdeckt werden. Das Mammobil untersucht Frauen zwischen 50 und 69 Jahren jetzt vor Ort in Ahrensburg. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.


Was ist das Mammobil?

Eine mobile Röntgeneinheit des Screening-Zentrums Lübeck. In regelmäßigen Abständen reist das Mammobil seit 2007 durch den Kreis Stormarn, steht dann mehrere Wochen in Orten wie Glinde, Trittau, Bad Oldesloe oder aktuell in Ahrensburg. „Wir erreichen die Frauen in den ländlichen Gebieten besser, wenn wir direkt bei ihnen vor der Tür stehen“, sagt Carmela Beckmann, Managerin des Screeningzentrums Lübeck. Im Jahr 2018 sind fast die Hälfte der mehr als 7400 zur Vorsorge eingeladenen Frauen zur Untersuchung erschienen.


Wo steht das Mammobil in Ahrensburg?

Das Mammobil ist noch bis Dienstag, 7. April, in der Schlossstadt. Die mobile Röntgenpraxis steht auf dem Parkplatz gegenüber der Raiffeisenbank an der Großen Straße. Wer eine Einladung bekommen hat, kann einen Termin für montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr sowie freitags von 8 bis 18 Uhr in der Zentralstelle des Mammobils (Telefon 04551/89 89 00) vereinbaren.


Was ist Mammografie?

„Bei der Mammografie wird die Brust geröntgt. Im Falle einer Erkrankung wird ein heller sternförmiger Fleck sichtbar“, sagt Susanne Tolkemitt. Außerdem könnten bestimmte Verkalkungsmuster im Röntgenbild auf eine Krebserkrankung hindeuten. Diese Methode empfiehlt die Ärztin aufgrund der Strahlung ausschließlich Frauen, die das 40. Lebensjahr überschritten haben. „Bei radiologischen Untersuchungen besteht immer ein Risiko, deshalb bieten wir unseren Patientinnen ein Aufklärungsgespräch mit einem Arzt im Fachzentrum an“, so Beckmann, Managerin der Praxis. Neben der Mammografie gibt es zwei weitere Methoden: den Brustultraschall und die Kernspinuntersuchung. Bei einem Kernspin müssen der Patientin jedoch Kontrastmittel verabreicht werden, was keine risikofreie Behandlung darstelle, so Tolkemitt.


Wer sollte zum Mammobil gehen?
Der Besuch der mobilen Röntgenpraxis ist für alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren sinnvoll. „Statistisch gesehen zählen Frauen in diesem Alter zur Risikogruppe von Brustkrebs“, sagt Carmela Beckmann. Frauen in dieser Altersgruppe haben alle zwei Jahre den Anspruch auf eine Mammografie-Untersuchung und bekommen dementsprechend eine Einladung. Es ist ihnen freigestellt, diese auch anzunehmen. Sie ist notwendig, um einen Termin zu bekommen. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten der Untersuchung in der mobilen Röntgenpraxis. Das Mammobil ist nicht für Überweisungen vom Arzt zuständig und dient ausschließlich zur Vorsorge. Wer bereits Symptome hat, sollte sich laut Carmela Beckmann daher unbedingt in ärztliche Behandlung begeben.


Warum ist Vorsorge so wichtig?

Für Brustkrebs gibt es gute Heilungschancen. „In vielen Fällen ist das Frühstadium gut erkennbar. Es kann dementsprechend behandelt werden“, so Tolkemitt. Jutta Mentzel (65) ist Patientin des Mammobils. „Früher bin ich für die Vorsorge immer nach Hamburg gefahren, aber im Mammobil in Ahrensburg ist es natürlich praktischer“, sagt Mentzel. Sie nimmt die Vorsorgeuntersuchung regelmäßig alle zwei Jahre wahr, auch weil in ihrem Bekanntenkreis bereits drei Frauen erkrankt seien. „In zwei Jahren wird es mein letzter Termin im Mammobil sein. Danach ist der Frauenarzt zuständig“, so die 65-Jährige.

Können Frauen sich selbst untersuchen?

Ja. „Durch das Abtasten der eigenen Brüste können Knoten festgestellt werden. Diese sind jedoch nicht zwingend als bösartig einzuordnen“, sagt Ärztin Tolkemitt. Sollte eine Frau eine Veränderung jeglicher Art an ihrer Brust bemerken, sei ein Arztbesuch in jedem Fall die richtige Entscheidung.


Wie wird Brustkrebs geheilt?
Brustkrebs ist die Krebserkrankung, die am meisten erforscht ist. Die Tumore sind gezielt therapierbar. Es wird zwischen Heilungsmethoden wie Chemo- oder Antikörper-Therapie und Antihormon-Therapie unterschieden. Der bösartige Teil wird oft mit einer Operation entnommen. Eine Amputation ist nur selten notwendig – zum Beispiel, wenn der Tumor zu groß oder die gesamte Brust voller Krebsvorstufen ist, da dann kein gesundes Gewebe im Brustbereich vorhanden ist.


Können Frauen Brustkrebs vorbeugen und wenn ja, wie?
„Brustkrebs ist ein multifaktorielles Geschehen“, sagt Tolkemitt. Vermutet wird, dass ein schlecht arbeitender Stoffwechsel, welcher sich oft im Gewicht bemerkbar mache, eine Erkrankung begünstigt. Das hieße aber nicht, dass es ausschließlich übergewichtige Patientinnen gebe. „Die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, ist geringer, wenn man sich gesund ernährt, Sport treibt und auf Zigaretten verzichtet.“

Info: Warum Brustkrebsvorsorge sinnvoll ist

Von 1000 Frauen, die sich im Mammografie-Screening-Programm untersuchen lassen, erhalten durchschnittlich 970 einen unauffälligen Befund. Bei 30 Frauen gibt es auffällige Testergebnisse. Zwölf dieser Frauen wird Gewebe entnommen, die Hälfte von ihnen erhalten nach der Gewebeuntersuchung die Diagnose Brustkrebs. Zwei bis sechs Frauen, die regelmäßig am Programm teilnehmen, werden vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt. Rund 75 Prozent der entdeckten Karzinome sind kleiner als zwei Zentimeter und sind somit nicht selbst tastbar. Rund 16.600 bösartige Tumore werden jährlich im deutschen Mammografie-Screening-Programm entdeckt. Bei etwa zwei von 1000 Frauen wird in der Zeit zwischen den Einladungen Brustkrebs festgestellt.