Verkehr

Wie Barsbütteler die Elterntaxis stoppen wollen

| Lesedauer: 4 Minuten
René Soukup
Die Elternvertreter Michael Schmidt (v. l.), Angela Tsagkalidis, Christiane Wancke und Lehrerin Marion Hehnke vor der Grundschule am Barsbütteler Soltausredder, wo Elterntaxis für Probleme sorgen.

Die Elternvertreter Michael Schmidt (v. l.), Angela Tsagkalidis, Christiane Wancke und Lehrerin Marion Hehnke vor der Grundschule am Barsbütteler Soltausredder, wo Elterntaxis für Probleme sorgen.

Foto: René Soukup

Eine Arbeitsgruppe treibt Schulwegesicherungsplan voran, weil Elterntaxis Probleme bereiten. Projekt kostet rund 20.000 Euro.

Barsbüttel. Ob Ahrensburg, Glinde, Bargteheide oder Trittau – an vielen Orten in Stormarn sind Kinder auf dem Schulweg durch das Verhalten von Erwachsenen erhöhten Gefahren ausgesetzt. Das Ärgernis sind Elterntaxis. Sie werden von Müttern und Vätern gesteuert, die ihren Nachwuchs morgens zur Lehranstalt fahren und mittags wieder abholen. Es sind nicht wenige. Das sorgt teils für chaotische Verkehrsverhältnisse.

Um das Problem zu beseitigen, will Barsbüttel einen Schulwegesicherungsplan entwickeln unter Einbindung derjenigen, die mit ihren Autos Straßen verstopfen. Eine Arbeitsgruppe aus Elternvertretern der drei ansässigen Schulen sowie Lehrkräften hat das Projekt auf den Weg gebracht. Bis Ende dieses Jahres soll Konkretes vorliegen.

Die Gruppe hatte sich vor drei Jahren an der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule gegründet. Die Einrichtung befindet sich am Soltausredder nur wenige Hundert Meter entfernt von der Grundschule. Auch eine Kita gibt es dort. „Morgens ist es hier fürchterlich – für Kinder, Lehrkräfte und die Anwohner. Der Verkehr hat stark zugenommen“, sagt Marion Hehnke (47). Sie lehrt seit 19 Jahren an der Kirsten-Boie-Schule und ist Mitglied der Arbeitsgruppe. Anlieger hatten vorgeschlagen, die Tempo-30-Zone in eine Einbahnstraße umzuwandeln. Das wollte die Politik aber nicht und folgte der Empfehlung eines Verkehrsgutachters. Zwar werden demnächst Markierungen auf der Fahrbahn entfernt, damit dort nicht mehr geparkt werden darf. Michael Schmidt, Elternbeiratsvorsitzender der Grundschule, wünscht sich jedoch, dass Mütter und Väter gar nicht mehr in den Soltausredder einbiegen.

Auto wendet rückwärts über Gehweg, wo Kinder mit Rollern unterwegs sind

Schmidts Tochter besucht die dritte Klasse. Er sagt: „Ich habe selbst schon zwei brenzlige Situationen erlebt. Im Winter hat ein Auto mit beschlagenen Scheiben rückwärts gewendet und ist über den Gehweg gefahren, wo Kinder mit Rollern unterwegs waren.“ Zum Glück sei nichts passiert. Sogenannte Hol- und Bringzonen kann er sich an der Hauptstraße vorstellen und nennt den Parkplatz vor dem inzwischen geschlossenen Edeka-Markt.

Dort könnten Eltern aus entfernten Ortsteilen wie Stellau stoppen und jene, die in anderen Kommunen leben und deren Kinder die Gemeinschaftsschule besuchten. „Wer im Hauptort wohnt, sollte mit dem Rad oder zu Fuß zur Schule kommen“, sagt der 47-Jährige. Den neuen Schulwegeplan beschreibt er als „ganzheitlichen Ansatz“.

Der Ausschuss für Schule, Kultur, Jugend und Sport (SKS) hat der Umsetzung zugestimmt. Rund 20.000 Euro kostet das Projekt, 80 Prozent davon soll die Aktivregion Sieker Land Sachsenwald übernehmen. In Barsbüttel gibt es zwar einen Schulwegeplan. „Der ist jedoch veraltet und berücksichtigt nicht alle Wohngebiete“, sagt Angela Tsagkalidis, Elternbeiratsvorsitzende der Gemeinschaftsschule, die von 904 Jungen und Mädchen besucht wird. 330 sind es an der Kirsten-Boie-Schule und 193 an der Grundschule Willinghusen, wo es laut Tsagkalidis ebenfalls Probleme mit Elterntaxis gibt.

An der Gemeinschaftsschule fungieren ältere Schüler als Verkehrsscouts

Für die Erstellung des Wegeplans werden Eltern und deren Kinder befragt, wo sie zum Beispiel Gefahrenpunkte auf den Routen sehen. Die Polizei soll eine Unfallstatistik der vergangenen fünf Jahre beisteuern. In einem Abschlusspapier gibt die beauftragte Firma dann Empfehlungen. „Das reicht vom Schneiden der Hecke an markanten Punkten über Aufpflasterungen bis hin zur Installation von leuchtenden Markierungen auf Gehwegen“, sagt Tsagkalidis. Ziel ist es, die selbstständige Mobilität der Kinder zu fördern. „Im Idealfall sagen sie ihren Eltern, dass sie nicht mehr mit dem Auto zur Schule gefahren werden wollen. Unser Motto lautet Einbindung statt Verbote.“ Sie sei optimistisch, so Elterntaxis stoppen zu können.

In das Konzept integriert sind auch Fortbildungen für Lehrer in Sachen Verkehrserziehung. Es soll eine Karte geben, die digital abrufbar ist und in der die Wege eingezeichnet sind. In der Gemeinschaftsschule fungieren bereits ältere Schüler als Verkehrsscouts. Sie animieren die jüngeren, mit dem Rad zur Schule zu fahren. Tsagkalidis sagt: „Und auf Elternabenden sensibilisieren wir ob der Elterntaxis, bisher ohne Erfolg.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn