Stormarn
Mordprozess

Fall Ivonne Runge: Täter machte sich früh verdächtig

Der Angeklagte Stefan B. wird in Handschellen in den Gerichtssaal am Landgericht Lübeck gebracht.

Der Angeklagte Stefan B. wird in Handschellen in den Gerichtssaal am Landgericht Lübeck gebracht.

Foto: Janina Dietrich

Die Aussagen und Mobilfunkdaten des Angeklagten Stefan B. führten die Polizei schon im Jahr 2017 beinah zur Leiche der Frau.

Travenbrück. Schon 2017 war die Polizei offenbar kurz davor gewesen, die Leiche von Ivonne Runge zu finden. Das wurde am neunten Prozesstag vor dem Landgericht Lübeck deutlich. Nach der ersten Aussage des wegen Mordes an seiner Ex-Freundin angeklagten Stefan B. hatte ein Polizeibeamter den Park-and-Ride-Parkplatz bei Hammoor und die nähere Umgebung untersucht, fand aber keine weiteren Anhaltspunkte.

B. behauptete, er habe das Opfer nach Hause gefahren

Eineinhalb Jahre später wurde dort, nur 250 Meter vom Parkplatz entfernt, die Leiche der Frau gefunden. Schon nach der ersten Vernehmung hatten die Ermittler Stefan B. im Verdacht gehabt. Grund war die Aussage des Mannes. B. hatte behauptet, er habe das spätere Opfer nach einem Treffen in seiner Wohnung in Rümpel nach Travenbrück gebracht, sei dann wieder nach Hause gefahren. Als B. die Strecke beschrieb, stutzten die Beamten. Demnach sagte der Verdächtige damals aus, von Travenbrück aus über Nütschau und das Autobahnkreuz Bargteheide nach Rümpel gefahren zu sein. „Das ist ein großer Umweg, der kürzeste Weg hätte durch Bad Oldesloe geführt“, sagte nun ein Beamter der Mordkommission vor Gericht.

„Es machte keinen Sinn“, sagte der Ermittler. „Aus heutiger Sicht schon.“ In der Nähe des Autobahnkreuzes wurde später der Leichnam gefunden. Dort hatte B. die tote Frau abgelegt. Warum der Beschuldigte bei seiner ersten Aussage diesen Weg beschrieb und sich damit verdächtig machte, ist unklar. Möglicherweise wollte er damit für den Fall vorsorgen, dass die Polizei die Standortdaten seines Telefons überprüft und so auf den Ablageort aufmerksam wird.

Der Prozess wird Ende Januar fortgesetzt

Tatsächlich hätte die Wegbeschreibung fast dazu geführt, dass die Polizei Runge kurz nach deren Verschwinden findet. Weil dem Ermittler die Streckenbeschreibung des Verdächtigen seltsam vorkam, untersuchte er den Ort. Doch am Parkplatz fanden sich keine weiteren Hinweise auf ein Verbrechen. Stefan B. kam auf freien Fuß, bis dann ein Landwirt die tote Frau entdeckte.

Die Polizei hatte kurz nach Runges Verschwinden versucht, mit den Standortdaten der Mobiltelefone von Opfer und Täter den Abend des 25. Oktober 2017 zu rekonstruieren. Das gelang teilweise: Um 21.46 Uhr wurde Ivonne Runge von Stefan B. von seiner Wohnanschrift aus angerufen. Dann, zwischen 22.13 und 23.05 Uhr, befanden sich beide Telefone in Rümpel, dem Wohnort von B. Anschließend, um 23.17 Uhr, ortete das LKA das Handy von Runge in Schlamersdorf/Travenbrück. Danach war es vermutlich ausgeschaltet. Das Smartphone von Stefan B. übermittelte um 23.09 Uhr das letzte Mal Daten an eine Funkzelle. Ein Kriminalhauptkommissar sagte dazu: „Auffällig war für uns, dass das Täterhandy bis zum nächsten Nachmittag nicht mehr aktiv war. Das legt nahe, dass es ausgeschaltet wurde.“

Der Prozess wird am Mittwoch, 29. Januar, fortgesetzt.