Marketing-Strategie

Dieses junge Reinbeker Paar lebt von seinen Reisen

Johannes Richter und Vivian Velle sind hauptberuflich Reise-Influencer mit ihrem Instagram-Account JoVi Travel.

Johannes Richter und Vivian Velle sind hauptberuflich Reise-Influencer mit ihrem Instagram-Account JoVi Travel.

Foto: HA/JoVi Travel / Johannes Richter

Johannes Richter und Vivian Velle erfüllen sich einen Traum: Sie erkunden die Welt und verdienen Geld mit Bildern im Internet.

Reinbek. Ein Leben voller Reisen quer durch die Welt und damit auch noch Geld verdienen? Diesen Traum haben sich Johannes Richter und seine Freundin Vivian Velle im Januar 2018 erfüllt. Das Paar hat das Reisen über Instagram zu Geld gemacht. Der 29-jährige, gebürtige Reinbeker und seine Freundin (25) merkten schon zu Beginn ihres Berufslebens, dass sie in der Bankenwelt in Frankfurt, in der sie arbeiteten, nicht glücklich werden können.

Begonnen hat alles mit einem Instagram-Account

„Ich fragte Vivi damals, was sie gern tun würde, wenn sie kein Geld verdienen müsste“, erzählt Johannes Richter. „Reisen!“, lautete ihre Antwort. Damals entstand die Idee, das Reisen mit den Social Media zu verbinden, um Geld zu verdienen. „Wir hatten zwar beide einen Instagram-Account, haben sie aber beide eigentlich nicht genutzt“, berichtet der junge Mann. „Wir haben uns gesagt, bis Jahresende verdienen wir noch ordentlich Geld, dann geht es los.“

Zurück in den alten Job? Das kommt für beide nicht infrage

Ihre Vorbereitung bestand vor allem darin, sich Videos auf Youtube anzuschauen, sich viel über Fotografie und Marketing über Social Media anzulesen. „Erst am Ende des Jahres haben wir uns eine Fotoausrüstung gekauft“, erzählt der 29-jährige. Sie seien „recht unbedarft“ in ihre neue Berufswelt eingetaucht.

Zuvor hatten sie ihre Jobs bei einer Bankenberatung und in zwei Kanzleien aufgegeben, die Wohnung in Frankfurt aufgelöst. Möbel verkauft, bei den Eltern im Norden und in Bayern ein paar Kisten untergestellt und vier Flüge gebucht: nach Sri Lanka, Myanmar, zu den Philippinen und nach Indonesien. „Wir waren neun Monate nonstop unterwegs und lebten hauptsächlich von unseren Ersparnissen“, sagt er.

Aufenthalte in Luxushotels gibt es kostenfrei gegen tolle Fotos

Die Flüge seien das Teuerste, während die Lebenshaltungskosten unterwegs niedrig seien. Wenn das Paar in einem luxuriösen Hotel übernachtet und Fotos von schönen Ausblicken von dort postet, dann muss es in der Regel für die Unterkunft nichts bezahlen. Oft verbringen beide die Nächte aber in günstigen Hostels, nutzen AirBnb oder reisen mit einem VW-Bus und Zelt quer durch Europa.

Heute hat das Paar bereits 285.000 Follower auf Instagram

„Zunächst gab es oft Kooperationen mit Hotels“, erzählt der Reiseexperte: „Wir dürfen kostenlos übernachten, wenn wir ein Foto posten.“ Mit zunehmender Reichweite hat sich das geändert: Heute, mit mehr als 285.000 Followern, bekommen sie 1000 Euro pro Post, also Veröffentlichung samt Erwähnung und Link, etwa zur Hotel-Website. „Wir bekommen etwa 20 Anfragen im Monat“, sagt der 29-Jährige. „Dabei geht es nicht nur um Hotels, sondern auch um schöne Kleider, die Vivi trägt, um Fluggesellschaften, Touranbieter oder Reiseaccessoires. Aber nicht alle Produkte passen zu uns. Wir schreiben auch selbst viele Marken an, fragen, ob Interesse besteht.“

Für manche Fotos nutzt das Duo ein Stativ oder eine Drohne

Doch für eine Altersvorsorge reiche der Reise-Account noch nicht. Deshalb, und weil es „mit Instagram auch schon in zwei Jahren wieder vorbei sein könnte“, haben sie ein zweites Standbein: Sie beraten Firmen in Sachen Social-Media. „Auch dafür ist Instagram ein gutes Aushängeschild“, sagt Richter. Ihre Motive, die meist mit Stativ oder Drohne entstehen, haben sie mit der Zeit dem Geschmack ihrer Follower angepasst. „Zuerst haben wir auch mal reine Landschaften oder Motive gepostet, auf denen nur einer von uns zu sehen ist“, sagt Richter. „Die meisten Likes bekommen wir aber, wenn wir beide zu sehen sind.“

Familienmitglieder und Freunde sehen die Beiden selten

Für die Bildbearbeitung ist Vivian Velle zuständig. Ansonsten sind beide gleichberechtigt: Bis das Foto steht, liefen sie viel hin- und her zwischen Kamera und Standort. Viele schöne Locations seien sehr abgelegen. Vor allem aber müsse auch das Licht stimmen, daher fotografierten sie meist während des Sonnenauf- oder -untergangs. „Wir brauchen keine Touristen wegzuretuschieren“, erläutert der Reinbeker. „Wenn wir um 5 Uhr an den schönsten Plätzen auftauchen, sind sie menschenleer.“ Die Mühe lohne sich: „Unsere Follower sollen sich zu unseren Reiseorten hinträumen können“, sagt Johannes Richter.

Hat ihr freies und abwechslungsreiches Leben auch Nachteile? Johannes Richter sagt: „Man kommt nie irgendwo richtig an. Mitglieder der Familie oder Freunde sehen wir selten. Und auch auf den Reisen lernen wir wenige Menschen richtig kennen.“ Auch zu zweit könne es manchmal ein wenig einsam sein. Und dennoch – auch wenn das junge Paar heute mehr arbeitet als zuvor, leben beide heute ihren Traum.