Unfallatlas

Wo es in Bargteheide besonders oft kracht

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Finn Fischer
Die Bargteheider Grünen haben für ihre Karte die Unfälle des Jahres 2018 ausgewertet. An vier Orten halten sie Verbesserungen für nötig.

Die Bargteheider Grünen haben für ihre Karte die Unfälle des Jahres 2018 ausgewertet. An vier Orten halten sie Verbesserungen für nötig.

Foto: Frank Hasse

Grüne markieren in Unfallatlas vier Schwerpunkte. Mobilitätskonzept soll Fußgängern und Radfahrern mehr Sicherheit bringen.

Bargteheide. Immer wieder kommt es auf der Rathausstraße in Bargteheide zu Unfällen. Teilweise kommen Beteiligte mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Mit der Erstellung eines Verkehrskonzeptes wollen Stadt und Politik Möglichkeiten erörtern, wie sich die Unfallzahlen verringern lassen.

Autofahrer übersehen immer wieder Fußgänger und Radfahrer

Es ist der 10. Oktober 2019. Eine 64-Jährige will mit ihrem VW Up rückwärts aus einem schräg zur Fahrbahn ausgerichteten Parkplatz herausfahren und übersieht dabei einen Motorradfahrer (17). Der Jugendliche muss mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Es ist der schwerste Unfall, der sich im vergangenen Jahr in der Rathausstraße ereignete.

In der Geschäftsstraße in der Innenstadt übersehen Autofahrer immer wieder Fußgänger und Radfahrer. Zum einen, weil die Straße mit den vielen Parkplätzen sehr unübersichtlich ist und zum anderen, weil Autos trotz mehrerer Zebrastreifen 50 km/h fahren dürfen.

Rathausstraße und Kreisel am Bahnhof sind unübersichtlich

Der Zusammenstoß zwischen dem VW und dem Motorradfahrer hat in den sozialen Netzwerken zu einer großen Diskussion geführt, wie sicher die Rathausstraße ist“, sagt Ruth Kastner, Stadtvertreterin der Grünen. Das sei einer der Anlässe für ihre Partei gewesen, die Verkehrssicherheit in diesem Jahr erneut auf die Agenda zu nehmen. „Und die Rathausstraße ist nicht der einzige Ort, an dem es häufig zu gefährlichen Situationen kommt“, sagt Kastner.

Auch der Kreisverkehr am Bahnhof ist nach Ansicht der Grünen durch die vielen Einmündungen ein Unfallschwerpunkt. „Fußgänger und Radfahrer werden dort gern übersehen“, so Kastner. Gleiches gilt für die Kreuzung Alte Landstraße/Fischbeker Weg und Lübecker Straße. Die verwinkelte Gestaltung mit mehreren Verkehrsinseln und einer für Fußgänger unpraktischen Ampelschaltung machen die Kreuzung zu einem Hindernislauf – vor allem für Kinder der nahe gelegenen Carl-Orff-Schule.

Laut Polizei gibt es keine besonderen Auffälligkeiten

Auch an der Kreuzung Hamburger Straße/Südring sehen die Grünen Verbesserungsbedarf. Ruth Kastner: „Vom Südring kommende Linksabbieger sehen die Schulkinder erst spät, und es gibt an der alten B 75 nur einen Radweg für beide Richtungen.“

Die Unfallstatistik belege die Einschätzung. So krachte es auf der Rathausstraße 2018 insgesamt neunmal und in der Nähe zum Kreisverkehr zweimal. Überwiegend waren es Zusammenstöße zwischen Autos und Fußgängern. Auch an den anderen Kreuzungen verzeichnet der Unfallatlas des statistischen Bundesamtes eine Häufung von Unfällen. Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor.

Laut Polizei sind in Bargteheide dagegen keinerlei Unfallschwerpunkte vorhanden. „Es gibt eine bundesweit einheitliche Regelung, wann eine Kreuzung oder Strecke als Unfallhäufungsstelle eingestuft wird“, sagt Holger Meier, Sprecher der zuständigen Polizeidirektion Ratzeburg. Demnach müsse es innerorts innerhalb von 300 Metern oder an einer Straßenkreuzung zu zwei Unfällen mit schweren Personenschäden, drei Unfällen des gleichen Typs oder sechs unterschiedlichen Unfällen kommen. „Das war in den vergangenen Jahren weder in der Rathausstraße noch an anderen Kreuzungen oder Straßen in Bargteheide der Fall“, sagt Meier.

Lokalpolitik will Mobilitätskonzept erstellen lassen

Eine Aussage, über die sich die Grünen-Fraktionsvorsitzende Ruth Kastner nur wundern kann. Diese Regelung habe ganz offenbar nichts mit der Lebensrealität zu tun. Mit einem neuen Flyer „Sichere Schulwege in Bargteheide“, der in diesem Tagen verteilt wird, wirbt die Partei für Bürgerbeteiligung und stellt mehrere Forderungen für ein Mobilitätskonzept auf. Dazu gehören die Entschärfung von unübersichtlichen Querungen, neue Fahrradstraßen, Tempo 30 in weiten Teilen der Stadt und die Abschaffung sogenannter Bedarfsampeln. Denkbar sei auch eine Einbahnstraßenregelung oder sogar eine Fußgängerzone in der Rathausstraße.

Die Lokalpolitik will ein Mobilitätskonzept erstellen lassen, das die gesamte Verkehrssituation betrachtet. Dabei ist eine Beteiligung von Bürgern vorgesehen. Rathaussprecher Alexander Wagner sagt: „Die Planung der nächsten Schritte zur Stadtentwicklung wird dieses Jahr aufgenommen, sodass zu Details keine Aussagen getroffen werden können.“

Eine 30er-Zone in der Rathausstraße ist für Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht vorstellbar: „Wir wollen aber den Ergebnissen einer ganzheitlichen Betrachtung des Mobilitätskonzeptes und den politischen Beratungen nicht vorgreifen.“

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