Hamburg-Fuhlsbüttel

Reinbekerin verstärkt die Hamburger Flughafen-Feuerwehr

Sie liebt ihren Job und arbeitet gern mit den Männern der Flughafen-Feuerwehr in Hamburg zusammen: Katharina Hein aus Reinbek ist die einzige Frau im Team der Airport-Retter.

Sie liebt ihren Job und arbeitet gern mit den Männern der Flughafen-Feuerwehr in Hamburg zusammen: Katharina Hein aus Reinbek ist die einzige Frau im Team der Airport-Retter.

Foto: Axel Heimken / dpa

Katharina Hein arbeitet gern mit 90 Männern am Hamburger Airport, die „sind unkomplizierter“.  Die Leidenschaft für den Job hat sie vom Vater.

Reinbek/Hamburg. Wenn Katharina Hein in voller Montur neben ihren Kollegen steht, verrät höchstens ihre Größe, dass sie eine Frau ist. Hein ist die einzige Feuerwehrfrau am Hamburger Flughafen. Zusammen mit 90 Männern leistet sie in 24-Stunden-Schichten ihren Dienst. Die Leidenschaft dafür hat die 1,61 Meter große Reinbekerin von ihrem Vater Karsten, der Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist. „Mein Vater hat mich immer mitgenommen. Wenn man als Kind immer ins Feuerwehrauto gesetzt wird, ist man schnell verliebt. Seitdem hat mich das nicht mehr losgelassen“, sagt die 26-Jährige.

Schon mit neun Jahren ging Katharina Hein zur Feuerwehr

Bereits im Alter von neun Jahren wurde sie Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr – und ist es heute noch. Selbst nach einer 24-Stunden-Schicht auf dem Flughafen ist sie zweimal in der Woche zusätzlich in Bereitschaft für die Reinbeker Feuerwehr. Zuvor hatte sie noch einen anderen Weg eingeschlagen und sich zur Gesundheits- und Krankenpflegerin ausbilden lassen und auf einer Intensivstation gearbeitet. „Diese Arbeit ist sehr anstrengend und sehr belastend. Da habe ich lieber mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Hein und lacht.

Bei der Flughafen-Feuerwehr profitiert die leidenschaftliche Sportlerin von den Ausbildungen bei der Freiwilligen Feuerwehr und in der Klinik. Denn obwohl sie Feuerwehrfrau ist, gehört Feuer zu löschen nicht zum Alltag. „Hier brennt es nicht jeden Tag. Gott sei Dank“, sagt Zugführer Daniel Pals. Auch Katzen müssten sie selten vom Baum holen, sagt Pals mit einem Schmunzeln. Im Flughafengebäude herumfliegende Tauben vertreiben die Feuerwehrleute dagegen schon. Zum Alltag gehören dagegen Einsätze mit dem Rettungswagen. Etwa, wenn jemand im Terminal gestürzt ist, einen Herzinfarkt erlitten oder sich verletzt hat. Erste Hilfe-Einsätze kämen täglich bis zu zehnmal vor, sagt der Zugführer. Im Jahr ist der Rettungswagen etwa 1500-mal unterwegs.

Täglicher Standard in der Schicht sind dagegen Ausbildung, Sport und das Kontrollieren der Fahrzeuge. Mindestens eineinhalb Stunden am Tag lernen und üben Hein und ihre Kollegen beispielsweise Löschangriffe, Erste Hilfe und Feuerwehrtechnik. Damit im Fall der Fälle alles so routiniert und effektiv wie möglich funktioniert. Dazu kommen die regelmäßige Kontrolle aller 16 Einsatzfahrzeuge sowie der etwa 11.000 Brandmelder, rund 5000 Feuerlöscher und 250 Erste-Hilfe-Kästen auf dem Flughafengelände. Am Ende des Jahres stehen meist mehr als 3000 Einsätze.

Die Frau ist stolz, dass sie es locker mit den Kollegen aufnehmen kann

„Immer freitags ist Fahrzeugpflege“, sagt Katharina Hein. Wenn die 26-Jährige über ihre Arbeit spricht, tut sie das mit einer Mischung aus Gelassenheit und Begeisterung. Dass sie ihren Job liebt, ist spürbar. Sie macht aber auch immer wieder deutlich, dass es für sie nichts Besonderes ist, die einzige Frau im Männerteam zu sein. Sie brauche keine Vorzugsbehandlung. Im Gegenteil. Sie ist stolz darauf, dass sie es locker mit allen Kollegen aufnehmen kann. Körperlich muss sie genauso fit sein wie alle. Es gibt bei den regelmäßigen Leistungstests keine nach Männern und Frauen getrennten Bewertungen. Das war schon beim Einstellungs-Sport-Test so. 40 Kilogramm Bankdrücken und -ziehen, drei Kilometer Laufen in 15 Minuten sowie 15 langsame Liegestütze. „Wenn man das nicht vorher trainiert hat, schafft man das nicht“ – egal, ob Mann oder Frau, weiß Zugführer Pals: „Da gibt es keine Extrawurst für Frauen.“ Und selbst für Männer sei der Sporttest, der heutzutage aus Laufen, Koordinationsübungen, Klimmzügen, Kraftaufgaben und Medizinballwerfen besteht, durchaus hart.

Bei manchen Einsätzen ist der Einsatz einer Frau als Retterin von Vorteil

Jedes Jahr bewerben sich viele Männer und Frauen auf eigene Initiative bei der Werkfeuerwehr des Flughafens. Aber wie in vielen anderen Branchen, gehen auch bei der Feuerwehr die Bewerberzahlen zurück. „Früher hatten wir etwa 300 Bewerber pro Ausschreibung, nun sind es nur noch 80 bis 90“, sagt Pals. Im täglichen Dienst hat Katharina Hein manchmal sogar einen Vorteil gegenüber ihren männlichen Kollegen. Wenn sie sich beispielsweise einmal im Jahr in kompletter Atemschutz-Montur schnell durch enge, dunkle, verwinkelte Gänge arbeiten muss, hat sie so manchem Kollegen deutlich mehr Wendigkeit voraus. „Zudem gibt es Einsätze, bei denen es von Vorteil ist, eine Frau dabei zu haben. Zum Beispiel, wenn der Rettungswagen wegen einer verletzten Frau gerufen wurde“, sagt Zugführer Pals.

In der Hansestadt Hamburg arbeiten fast 2900 Feuerwehrleute bei der Berufsfeuerwehr. 99 davon sind weiblich, wie aus dem Jahresbericht 2018 hervorgeht. Am Hamburger Flughafen gibt es seit August auch eine Auszubildende zur Werkfeuerwehrfrau im ersten Lehrjahr.

Sie gibt gern Kontra, sagt die selbstbewusste Reinbekerin

Katharina Hein arbeitet gern mit Männern zusammen. Weil die „einfacher“ und deshalb angenehmer sind, sagt die Rotblonde mit dem einnehmenden Lächeln: „Frauen sind untereinander sehr kompliziert, die diskutieren mehr.“ In der Wache werde vieles direkt geklärt und dann ist gut. Zudem lässt sich Hein so schnell nicht die Butter vom Brot nehmen: „Ich gebe gern Kontra und bin da auch nicht auf den Mund gefallen.“ Ihre Weiblichkeit trägt Hein auf der Arbeit nicht zur Schau. Nur ihr Zimmer in der Wache ist ein kleiner Hinweis darauf, dass sie ohne schwere Feuerwehr-Montur eine ganz normale junge Frau ist: „Dort habe ich durchaus rosa Bettwäsche und rosa Latschen.“