Stormarn
Das Jahr 2020

Exklusiver Rückblick: So war das kommende Jahr in Stormarn

Gespannter Blick in die Glaskugel: Das Wahrsagen mithilfe durchscheinender oder spiegelnder Flächen geht bis in die Antike zurück.

Gespannter Blick in die Glaskugel: Das Wahrsagen mithilfe durchscheinender oder spiegelnder Flächen geht bis in die Antike zurück.

Foto: serpeblu / Getty Images

Sachlich, objektiv oder gar fair? Nein, vielmehr hochspekulativ – und deswegen auch nur zu Silvester erlaubt. Kommen Sie gut rein!

Es gibt wieder reichlich Sorgen und Nöte im Kreis Stormarn. Und es gibt – wie in jedem Jahr – auch wieder reichlich Lösungsansätze für diese vermeintlich kleinen Probleme. Erstaunlich, was alles passieren kann, wenn man diese Ansätze konsequent zu Ende denkt.

Januar 2020

Das Jahr beginnt gleich mit einem handfesten Skandal: Am Neujahrsmorgen um 4 Uhr liegen überall auf den Straßen in Stormarn Reste von Böllern und Raketen herum. Wo bleiben die Bauhöfe? Was macht eigentlich die AWSH? Und warum stehen immer noch nicht abgeholte Tannenbäume am Straßenrand? In den Rathäusern laufen die ersten Beschwerden ein – allerdings nur auf dem Anrufbeantworter. Denn die Verwaltung ist – unfassbar! – um diese Uhrzeit an einem Feiertag nicht erreichbar.

In der Ahrensburger Politik wird erneut über die Verlegung der Sportplätze vom Stormarnplatz in Richtung Gewerbegebiet Beimoor-Süd debattiert. Grund: Die prognostizierten Baukosten für die neuen Umkleidekabinen im Zentrum sind von 1,25 auf 4,2 Millionen Euro gestiegen. Die CDU will dennoch an den Plänen festhalten. Ihr Argument: Warum sollte einer Stadt wie Ahrensburg das Wohlergehen der eigenen Sportler weniger Wert sein als eine 18-Zimmer-Villa in Hamburg-Harvestehude?

Februar 2020

Das Planfeststellungsverfahren für die neue S 4 geht in die nächste Runde. Nun ist der Stormarner Teil von der Landesgrenze bis Ahrensburg-Gartenholz an der Reihe. Das Volk scheint gespalten. Die einen treibt die Angst vor sechs Meter hohen Schallschutzwänden um, die anderen die Angst vor Schall ohne Schutz. Nachdem die Bahn den von Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach gemachten Vorschlag einer Tieferlegung der Gleise abgelehnt hat, schlägt eine Bürgerinitiative eine Alternativlösung vor: Der Bahnhof Ahrensburg wird komplett aus der Innenstadt verbannt und auf der grünen Wiese wiederaufgebaut. Die Gleise könnten dann an der Stadt vorbeigeführt werden - und zwar dort, wo die Süd- bzw. die Nordtangente entstehen sollten. „Denn das wird ja sowieso nichts mehr“, so ein Sprecher der Bürgerinitiative. Auch das Parkplatzproblem am Bahnhof ließe sich auf diese Weise lösen: „Im Tunneltal gibt es hektarweise brachliegende Grünflächen.“

März 2020

In Ahrensburg ziehen die Kaufleute eine erste Bilanz ihres Erfolgs-Slogans „My home is my castle“. Es sei mit der Strategie der Abschottung erfolgreich gelungen, Ortsfremde von Einkäufen in der völlig zugeparkten Innenstadt abzuhalten. So sei es möglich geworden, wieder mehr Ahrensburgern einen Parkplatz direkt vor dem Laden anbieten zu können. In der nächsten Stufe des Marketingkonzepts soll es nun möglich werden, dass Ahrensburger dauerhaft ihre Autos vor den Geschäften abstellen können und dann nur noch zum Schlafen zu Fuß nach Hause gehen müssten.

April 2020

Landrat Henning Görtz verkündet stolz einen Erfolg für das „Stormarner Bündnis für bezahlbares Wohnen“: Die Kooperation von diversen Immobilienunternehmen und 36 Städten und Gemeinden des Kreises sei einen „großen Schritt“ vorangekommen. Zwei Jahre nach Unterzeichnung des Vertrages gebe es ein zweites Projekt: In Bad Oldesloe werde eine 2,5-Zimmer-Wohnung (mit Küche und Bad) gebaut. „In Bezug auf die Anzahl der Projekte ist das eine Steigerung um 100 Prozent“, so Henning Görtz. Das zeige erneut, dass es Stormarn einfach kann.

Im Streit um die Vertragsverlängerung mit dem Trägerverein des Kleinen Theaters Bargteheide droht eine Eskalation. Eine Fraktion droht ultimativ: Sollte diese Angelegenheit weiter im nicht öffentlichen Teil der politischen Gremien diskutiert werden, müsse man konsequenter Weise die Öffentlichkeit auch von den Aufführungen und Kinofilmen ausschließen. Alles andere sei ein Verstoß gegen den grundgesetzlich garantierten Gleichheitsgrundsatz.

Mai 2020

Die Ahrensburger Kirchengemeinde hat Klage gegen einen Mitarbeiter eingereicht. Sie fordert die Erstattung eines geldwerten Vorteils in Höhe von 0,68 Euro plus Zinsen. Der Anwalt der Kirche argumentiert, der Mitarbeiter sei während einer dienstlich veranlassten Fahrt mit dem Dienstfahrrad einen Umweg gefahren. Der Mitarbeiter wiederum beruft sich darauf, dass er während eines sintflutartigen Gewitterregens lediglich Schutz in einem Stall gesucht habe.

Juni 2020

Die Genehmigungsbehörde LLUR erteilt grünes Licht für den Neubau der Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld. Die rund 600 Einwendungen von Bürgerinitiativen, Verbänden und Kommunen seien ausführlich abgearbeitet worden. Um ein Haar hätte das Verfahren aber noch mal von vorn aufgerollt werden müssen. Denn die Behörde hat einen Einwand der Projektgegner aus dem Erörterungstermin ikn Großhansdorf intensiv prüfen müssen. Dort war bemängelt worden, dass die Vertreter der Behörden und des Betreibers auf einer Bühne saßen, während die Zuhörer im Zuhörerraum Platz nehmen mussten. Erst das Gutachten eines renommierten Verwaltungsrechtlers hat die Rechtmäßigkeit dieser Sitzordnung bestätigt. Zentraler Satz seiner Ausarbeitung: Die Bühne wäre für 150 Menschen schlicht zu klein gewesen. Deshalb habe es schon aus rein faktischen Gründen keine Alternative gegeben.

Juli 2020

In Bargteheide stellt sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen zum mittlerweile elften Mal der Wahl zur stellvertretenden Bürgermeisterin. In den zehn vorherigen Wahlgängen war sie jedesmal gescheitert. Ruth Kastner argumentiert, dass ihre umstrittenen Äußerungen in Richtung der politischen Mitbewerber vor der Kommunalwahl 2018 mittlerweile verjährt seien.

August 2020

In Reinbek, Glinde, Wentorf, Wohltorf, Aumühle und Oststeinbek sorgen diverse Großbaustellen seit Monaten für ein veritables Verkehrschaos. Die Bürgermeister schreiben einen Brandbrief nach Kiel an Minister Bernd Buchholz und kritisieren die mangelnde Koordination durch den Landesbetrieb Verkehr. Aus dem Ministerium heißt es entschuldigend, der neue Baustellenkoordinator könne seine Arbeit noch nicht in vollem Umfang leisten, da er aufgrund der vielen unkoordinierten Baustellen im Land jeden Tag auf dem Weg ins Büro mehrere Stunden im Stau stehe.

September 2020

In Großhansdorf wird die Feuerwehr zu einem Großeinsatz in ein heruntergekommenes Einfamilienhaus gerufen. Nachbarn hatten sich beschwert. Als die Spezialisten das Grundstück betraten, offenbarte sich ihnen ein ganz besonders krasser Fall von „Animal Hoarding“: Mehr als 200 Ameisen hausten dort in für menschliches Empfinden unvorstellbar beengten Verhältnissen unter den Terrassensteinen. Auch Bürgermeister Janhinnerk Voß eilte zum Einsatzort und half den Feuerwehrleuten, die Ameisen auf die umliegenden Tierheime zu verteilen. Dabei wurde er von einer Ameise gezwickt und musste zur Behandlung in eine Spezialklinik nach Chicago/USA geflogen werden.

Oktober 2020

In Glinde ist Besserung für die lärmgeplagten Anwohner der Kreisstraße 80 in Sicht. Dort waren zuletzt aus Sicherheitsgründen Elemente aus der rund einen Meter hohen Lärmschutzwand entfernt und durch Maschendrahtzaun ersetzt worden. Nun ist den Verantwortlichen klar geworden, dass dieser Maschendraht den Lärm der täglich Hunderttausenden Lkw nur bedingt absorbieren kann. Der Plan, den Glindes Bürgermeister Rainhard Zug mit seinem Ahrensburger Amtskollegen Michael Sarach nun ausgeheckt hat, ist spektakulär: Ahrensburg lässt sich von der Bahn hochmoderne, sechs Meter hohe Lärmschutzwände installieren. Da dort aber niemand diese Monster haben möchte, werden sie in einer nächtlichen Aktion an die K 80 nach Glinde transferiert. Im Gegenzug bekommt Ahrensburg den Maschendrahtzaun. So bleibt die historische Sichtachse in der Innenstadt gewahrt. Zweiter Vorteil: Ein solcher Maschendrahtzaun lässt sich nicht so einfach mit Graffiti besprühen.

November 2020

Die Sanierung der Hamburger Straße in Ahrensburg schreitet voran. Die Zahl der Parkplätze soll auf ein Minimum heruntergefahren werden. Matthias Timm, Chef des dort ansässigen Kaufhauses Nessler, ist mit seiner Geduld am Ende. Er bietet an, die Stadt Ahrensburg im Norden des Kreises an der A 20 komplett neu aufzubauen – mit ausreichend innerstädtischen Parkplätzen. Wegen eines Grundstücks sei er bereits in Verhandlungen mit ortsansässigen Landwirten. Im Ahrensburger Rathaus wird die Idee zurückhaltend aufgenommen. Bürgermeister Sarach äußert die Befürchtung, dass ein solcher Neubau europaweit ausgeschrieben werden müsste. Denn es dürfte sicherlich noch andere Unternehmen geben, die Interesse hätten, eine Stadt wie Ahrensburg zu betreiben.

Dezember 2020

Sollen die Sportplätze vom Stormarnplatz im Ahrensburger Zentrum ins Gewerbegebiet verlegt werden? Ein externer Dienstleister hat im Auftrag der Verwaltung ein Sportstättenentwicklungsplanrealisierungschancenauslotungsgutachten erstellt und in der letzten Stadtverordnetenversammlung den Politikern vorgestellt. Aufgrund der Komplexität des Namens melden die Fraktionen Beratungsbedarf an und vertagen einen Beschluss auf das kommende Jahr.

Das Jahr endet, wie es begonnen hat – mit einem handfesten Skandal: Am Silvesterabend um kurz vor Mitternacht liegen überall Reste von Böllern und Raketen auf den Straßen. Vom Bauhof und von der AWSH ist nichts zu sehen. Und in den Rathäusern laufen nur die Anrufbeantworter.