Stormarn
Glinde

Flickwerk beim Lärmschutz an K 80 nervt Anlieger

Stefan Flindt (40) ist vom Lärm an der K 80 genervt.

Stefan Flindt (40) ist vom Lärm an der K 80 genervt.

Foto: Stephanie Rutke

Glinder warten seit Monaten auf Ersatz für fehlende Elemente. Bürgermeister Rainhard Zug sucht eine „schnelle Lösung“ des Problems.

Glinde. In der Lärmschutzwand an der K 80 klaffen auf Höhe der Straße Stübenkoppel meterlange Lücken. Ende Mai wurden hier marode Elemente der Schutzwand demontiert – und bis heute nicht ersetzt. Die Anwohner leiden seitdem Tag und Nacht unter massivem Straßenlärm und fordern von der Stadt, endlich aktiv zu werden.

Auf der jüngsten Sitzung des Bauausschusses stand das Thema erneut auf der Tagesordnung. Die CDU verwies auf einen Antrag, der am 7. November eingereicht wurde. Er enthält einen Verweis auf die für die Anwohner unbefriedigende und aus gesundheitlichen Gründen nicht länger hinnehmbare Situation.

Die Politiker verweisen auch auf einen Vertrag, der am 10. September 1981 zwischen Stadt und Kreis Stormarn geschlossen wurde. Danach hat sich Glinde verpflichtet, für den Unterhalt und den ordnungsgemäßen Zustand der Lärmschutzwand zu sorgen. Dies ist über viele Jahre nicht geschehen, wie die Demontage der maroden Elemente jetzt belegt.

Es fehlen acht Elemente auf einer Länge von 16 Metern

Die Lage ist kompliziert und beschäftigt die Politik seit Jahren. „Im Bebauungsplan war ursprünglich ein Lärmschutzwall vorgesehen, der aber nie umgesetzt wurde“, sagt Bürgermeister Rainhard Zug. Stattdessen sei die Lärmschutzwand errichtet worden. Aktuell ist für Glindes Bürgermeister keine Lösung in Sicht. Die Reparatur der Elemente sei unverhältnismäßig teuer, bringe langfristig nicht die gewünschte Verbesserung. Zug: „Jetzt wurde ein neues Gutachten erstellt als Grundlage für die Neukalkulation für eine Lärmschutzwand.“

Stefan Flint gehört zu den am stärksten betroffenen Anwohnern. Der Unternehmensberater wohnt seit Februar mit seiner Lebensgefährtin in der Stübenkoppel. Das Grundstück grenzt direkt an die K 80. „Bis Ende Mai war für uns hier alles in Ordnung“, sagt der 40-jährige. Trotz des maroden Lärmschutzzaunes war die Situation erträglich. „Den Straßenlärm haben wir als monotonen Krach im Hintergrund wahrgenommen“, so der 40-jährige. Ende Mai hatten die Anwohner ein Schreiben der Stadt erhalten, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass die Lärmschutz-Elemente schadhaft seien und demontiert werden. „Wir sind natürlich davon ausgegangen, dass sie sofort ersetzt würden“, sagt Flint. Innerhalb von fünf Tagen waren die Zaunelemente demontiert – passiert ist seitdem nichts. Es fehlen acht Elemente auf einer Länge von rund 16 Metern. Und der Lärm sei eine riesige Beeinträchtigung.

Durchschnittlich passieren 25.000 Autos die K 80

„Wir haben im Sommer zum ersten Mal in 23 Jahren unseren Garten nicht mehr so genutzt wie sonst, weil der Lärm unerträglich ist“, bestätigt seine Nachbarin Claudia Blietz. Normale Gespräche seien im Garten oder auf der Terrasse nicht mehr möglich.

Nach einer Erhebung aus dem Jahr 2016 passierten vor drei Jahren täglich durchschnittlich 25.000 Autos die K 80, rund zehn Prozent davon waren Lastwagen. Mittlerweile hat sich das Verkehrsaufkommen deutlich erhöht. Bedingt durch die wachsenden Gewerbegebiete und das DHL-Logistikzentrum nimmt auch der Schwerverkehr zu. „Ab drei Uhr morgens hören wir die Lastwagen“, sagt Stefan Flints Nachbar, Bernd Hengst. Hengst ist Stadtvertreter (CDU) und lebt bereits seit 1982 an der K 80. Über Jahrzehnte hat er die Entwicklung miterlebt. „Der CDU-Antrag vom 7. November wurde im Bauausschuss mit Mehrheit angenommen“, sagt er: Die Verwaltung sollte Vorschläge machen für den kurzfristigen Ersatz, damit die Mittel in den Haushalt 2020 eingestellt werden können.

Laut Verwaltung müssen Anlieger bis Mitte 2021 warten

Die Antwort aus der Verwaltung war für die Anwohner ernüchternd. Frühestens Mitte 2021 sollen die Lücken in der Lärmschutzwand geschlossen werden. Ein Tempolimit für Lastwagen wird es nicht geben. Auch die Umsetzung der Zusage, durch Flüsterasphalt den Lärm zu reduzieren, sei auf 2021 verschoben „Ich sehe den Bürgermeister in der Pflicht, für eine vernünftige Lösung zu sorgen“, sagt Stefan Flint. Als erste Maßnahme wäre er zufrieden, wenn zumindest der Zustand, der bis Mai aktuell war, wiederhergestellt wird. Flint fühlt sich mit seinem Anliegen nicht ernst genommen. Er überlegt mittlerweile, einen Fachanwalt einzuschalten.

„Wir werden für die am stärksten Betroffenen prüfen, ob es kurzfristig Möglichkeiten für eine günstige, schnelle Lösung gibt“, verspricht Bürgermeister Rainhard Zug. ru