Stormarn
Kriminalität

Polizei warnt Stormarner Bürger vor Einbrechern

Polizeikommissar Stefan Reyers (2.v.r.) und seine Kollegen beraten auf ihrer Streife Marianne Sinemus-Ammermann.

Polizeikommissar Stefan Reyers (2.v.r.) und seine Kollegen beraten auf ihrer Streife Marianne Sinemus-Ammermann.

Foto: Lutz Kastendieck

Zum vierten Mal laufen Beamte der Reviere Ahrensburg und Reinbek Präventionsstreifen. Zahl der Einbrüche hat sich seit 2015 halbiert.

Ahrensburg.  2015 verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik im Kreis Stormarn noch 1281 Einbruchsdiebstähle. Drei Jahre später hat sich die Zahl auf 565 mehr als halbiert. „Unsere Präventionsmaßnahmen zeigen Wirkung“, sagt Polizeihauptkommissar Gerd Dietel, zuständiger Sachgebietsleiter der Polizeidirektion Ratzeburg. Insbesondere die Präventionsstreifen seien ein großer Erfolg, sagt er.

Fenster auf kipp und Leitern sind wie eine Einladung

In diesem Jahr gibt es sie zum vierten Mal in ausgewählten Wohngebieten der Polizeireviere Ahrensburg und Reinbek, jetzt außerdem in Geesthacht und Schwarzenbek. Polizeikommissar Stefan Reyers ist an diesem Freitagnachmittag mit drei Kollegen im Ahrensburger Villenviertel östlich der Manhagener Allee unterwegs. „Dieser Bereich wird immer wieder von Einbrechern heimgesucht“, weiß Reyers, der seit 2015 bei der Tatortgruppe des Ahrensburger Reviers tätig ist und Spuren sichert. „Dabei beraten wir Betroffene auch intensiv, wie sie sich künftig vor Einbrüchen schützen können“, berichtet der 53-Jährige.

Viele Hausbesitzer sicherten zwar das Erdgeschoss gut, nicht immer aber auch die oberen Stockwerke. „Fenster, die auf kipp stehen, und Leitern, die auf dem Grundstück praktisch griffbereit liegen, sind wie eine Einladung für Einbrecher, trotz Alarmanlagen und Kameras“, sagt der erfahrene Ermittler.

Zwei Einbruchsversuche bei einer Ahrensburgerin

Doch auch so bereiteten Diebe ihre Beutezüge heute viel professioneller und gewissenhafter vor, als noch vor ein paar Jahren. Inzwischen kundschaften Einbrecher ihr potenzielles Einsatzgebiet schon Tage vor der Tat aus. Oft wissen sie ziemlich genau, wer wann zu Hause ist und wie die Immobilien gesichert sind. „Ich kann mich an einen Fall erinnern, da wurden Sicherheitskameras vorsorglich abgehängt, damit die Täter beim Einbruch nicht gefilmt werden können“, so Reyers.

Bei Marianne Sinemus-Ammermann hat es in jüngerer Vergangenheit gleich zwei Einbruchsversuche gegeben, zuletzt im Oktober dieses Jahres, wie sie dem Abendblatt schildert. In beiden Fällen seien die Diebe allerdings erfolglos geblieben.

Polizeihauptmeister teilt Flyer mit wichtigen Empfehlungen aus

Ilse Kellinghusen, die seit 40 Jahren in Ahrensburg lebt, ist froh, dass inzwischen wieder Kinder im Haus sind. „Da fühle ich mich gleich sicherer“, sagt die 94-Jährige, die noch immer täglich mit ihrem Rollator unterwegs ist. Das Portemonnaie trage sie aber stets am Körper, erzählt sie: „Deshalb achte ich beim Kauf von Jacken und Mänteln stets auf tiefe Innentaschen.“

Um auch zu Hause vor Dieben sicher zu sein, übergab ihr Polizeihauptmeister Björn Kirpal nicht nur einen Flyer mit wichtigen Empfehlungen zum Schutz vor ungebetenen Gästen. Zum aktuellen Infomaterial der Polizei gehört zudem ein neu entwickelter Aufsteller mit Sofortmaßnahmen für den Ernstfall.

Polizei: Notruf 110 wird zu spät und zu selten gewählt

„Wir stellen immer wieder fest, dass Bürger Einbruchsversuche und Beobachtungen über verdächtige Personen und Fahrzeuge viel zu spät melden“, sagt Karsten Wagner vom Revier in Reinbek. Solche Vorfälle würden nicht selten erst einmal in der Familie und unter Arbeitskollegen diskutiert, ehe die Polizei informiert werde. „Offenbar besteht eine gewisse Scheu, die Notfallnummer 110 zu wählen“, vermutet Wagner. Ein Wohnungseinbruch, egal ob versucht oder vollzogen, sei aber ein Notfall, ohne Wenn und Aber. „Je eher wir von solchen Taten erfahren, umso größer ist die Chance, die Täter zu fassen“, so Wagner. Intensive Kommunikation ist aus seiner Sicht die beste Prävention, es zähle buchstäblich jeder Anruf. Hier sieht Karsten Wagner noch erhebliches Potenzial bei den Bürgern im Süden des Kreises. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Einbrüche in Reinbek jedenfalls von 41 auf 48 Fälle gestiegen.