Stormarn
Ausstellung

Oldesloer Heimatmuseum entdeckt Urzeit-Tintenfisch

Andreas Ahne (v. l.) und Petra-Maria Schark vom Oldesloer Heimatmuseum mit Präparator Hans-Jürgen Lierl.

Andreas Ahne (v. l.) und Petra-Maria Schark vom Oldesloer Heimatmuseum mit Präparator Hans-Jürgen Lierl.

Foto: Finn Fischer

„Kronjuwelen“ der Fossilien-Sammlung des Ahrensburger Paläontologen Richard Wenck werden in Ausstellung in Bad Oldesloe integriert.

Bad Oldesloe.  Das Oldesloer Heimatmuseum hat einen Schatz gefunden: die „Kronjuwelen“ der Fossilien-Sammlung des Ahrensburger Hobby-Paläontologen Richard Wenck. Versteckt unter Kartons entdeckte ein Mitarbeiter auf dem Dachboden acht Kisten mit seltenen Versteinerungen, darunter ein Tier mit dem Namen „Whitbyceras pingue“.

Ein schneckenähnliches Wesen, das vor rund 180 Millionen Jahren im Urzeitmeer lebte. Zur Sensation wird der Fund durch den Ort seiner Entdeckung. Richard Wenck stieß bei Ausgrabungen in Stormarn Mitte des 20. Jahrhunderts auf die Versteinerung, die anschließend zwischen seinen anderen rund 2000 Artefakten in Vergessenheit geraten sein muss. „Es gibt in Deutschland nur vier dokumentierte Funde des Whitbyceras pingue“, sagt Diethelm Schark vom Heimatmuseum. Eigentlich sei diese Art in wärmeren Gefilden beheimatet gewesen.

Mitarbeiter erkannten Bedeutung des Fundes sofort

So zumindest die bisherige wissenschaftliche Annahme. Die neue Entdeckung belegt jetzt, dass die Tiere, bei denen es sich um entfernte Vorfahren der Tintenfische handelt, zumindest vereinzelt nach Mitteleuropa gelangten. Neben dem Whitbyceras förderten die Museums-Mitarbeiter noch weitere Stücke aus den Kisten zutage: unter anderem mehrere gut erhaltene und außerordentlich große Versteinerungen des „Eleganticeras Elegantulum“, ebenfalls ein urzeitlicher Verwandter des Tintenfischs – in Europa allerdings wesentlich häufiger zu finden.

Bemerkenswert sind die Umstände, unter denen das Team des Oldesloer Heimatmuseums auf die „Kronjuwelen“ stieß. Seit einem halben Jahr zeigt das Museum in der Ausstellung „Lebensspuren in Stein“ den fossilen Nachlass von Wenck – und ausgerechnet jetzt tauchten die acht Kisten auf. „Unser Mitarbeiter Andreas Ahne wollte eigentlich ein Werkzeug vom Dachboden holen und kam stattdessen mit einer der Kisten in der Hand wieder“, sagt Diethelm Schark. Ahne hatte sie geöffnet und gleich die Bedeutung des Fundes erkannt.

Warum die Kisten nicht zusammen mit der übrigen Sammlung aufbewahrt wurden, lässt sich nur erahnen. Der 2013 verstorbene frühere Museumsleiter Klaus-Christoph Baumgarten muss sie irgendwann beiseite geschafft haben, vermutet Diethelm Schark: „Vielleicht wollte er daraus irgendwann eine Ausstellung machen und kam dann wegen seiner Krankheit nicht mehr dazu.“

Seit den 90er-Jahren ist die Wenck-Sammlung in Besitz des Heimatmuseums. Mitte 2019 startete eine Ausstellung mit 150 der interessantesten Stücke. Für Schark ist es ein glücklicher Zufall, dass gerade jetzt die weiteren Fossilien-Kisten gefunden wurden: „Wir sichten gerade den Inhalt und werden dann die Ausstellung ergänzen.“ In den vergangenen Monaten hatten immer wieder Wissenschaftler und Mitarbeiter anderer Museen mit dem Oldesloer Heimatmuseum Kontakt aufgenommen, um einige der Stücke zu begutachten. Bis Neujahr will das Heimatmuseum die „Kronjuwelen“ in die laufende Ausstellung aufnehmen, die noch bis Frühjahr 2020 zu sehen sein wird.