Stormarn
Bildung

Landesvergleich: Wenig Gewaltpotenzial an Stormarner Schulen

84,1 Prozent der Gewaltfälle an Schulen in Schleswig-Holstein (Symbolfoto) gehen von Jungen aus.

84,1 Prozent der Gewaltfälle an Schulen in Schleswig-Holstein (Symbolfoto) gehen von Jungen aus.

Foto: Oliver Berg / dpa

Im Schuljahr 2018/19 wurden in ganz Schleswig-Holstein 585 Fälle registriert. Die meisten Aggressionen gehen von Jungen aus.

Kiel/Ahrensburg. Mobbing, körperliche Übergriffe, Aggressionen - erstmals hat sich das schleswig-holsteinische Bildungsministerium einen Überblick über das Gewaltpotenzial an den Schulen des Landes verschafft. Für das Schuljahr 2018/19 sind insgesamt 585 Fälle von Gewalt gemeldet worden. „Wir haben bei dem Monitoring deutlich mehr erfasst, als das, was strafbar ist“, sagt Bildungsministerin Karin Prin (CDU). Sie geht aber dennoch von einer hohen Dunkelziffer aus. „Wir dürfen das Thema nicht tabuisieren“, so Prien.

In Stormarn ist das Gewaltpotenzial offenbar deutlich geringer als etwa in Kiel. Zwar gehen nur neun Prozent aller knapp 397.000 Schüler im Land in der Landeshauptstadt zur Schule. Der Anteil am Meldeaufkommen lag dort mit 21,9 Prozent aber besonders hoch. Zum Vergleich: Stormarn hat zwar 8,4 Prozent aller Schüler im Land. Von dort stammten aber nur 1,2 Prozent aller gemeldeten Vorfälle. Von den 795 Schulen in Schleswig-Holstein haben nur 149 entsprechende Fälle gemeldet.

84,1 Prozent aller Fälle gehen von Jungen aus

Insgesamt hat es sogar 756 Meldungen gegeben. Darunter waren jedoch Fälle, die gleich mehreren Arten von Gewalt zugerechnet wurden wie beispielsweise körperliche in Tateinheit mit psychischer Gewalt. 43,4 Prozent der Fälle stuften die Schulen als Körperverletzungen ein. 19 Prozent galten als psychische Gewalt, 7,1 Prozent als Mobbing.

Mit 84,1 Prozent geht die Gewalt in den meisten Fällen von Jungs aus, vor allem im Teenageralter. „Rund 70 Prozent aller Taten wurden von Jungen in den Klassenstufen fünf bis neun verübt“, sagt Prien (CDU). Laut Gewaltmonitoring waren zwei Drittel der Opfer (67 Prozent) Schüler und 15,7 Prozent Lehrer. Mit 72,5 Prozent wurden die meisten Vorkommnisse aus Gemeinschaftsschulen gemeldet. Dabei unterrichten diese nur gut ein Viertel (25,9 Prozent) der Schüler im Land. „Da liegt ein großes Problem“, sagte Prien.

17,9 Prozent aller Täter haben Migrationshintergrund

Die Ministerin fordert „klarere Regeln für den Umgang mit Gewalt an Schulen“. Nur wenn die Probleme offen angesprochen würden, könnten die Behörden damit umgehen. „Eine starke Schule macht sich ehrlich“, so Prien. Vor allem für Jungs müssten neue Angebote geschaffen werden, um dem Gewaltproblem beizukommen.

4,8 Prozent der Fälle sind als Drohungen über soziale Medien eingestuft worden, 1,6 Prozent als Sexualdelikt. In 9,2 Prozent aller Fälle, das waren insgesamt 54, wurden Waffen oder waffenähnliche Gegenstände eingesetzt. Bei 17,9 Prozent aller Täter handelt es sich um Kinder und Jugendliche nichtdeutscher Muttersprache. Deren Anteil an den Schülern beträgt indes nur 7,4 Prozent.