Stormarn
Inklusion

Gartenbaubetrieb gibt Behinderten eine Chance

Firmenchef Jonas Josten (4.v.l.) bekommt von Heike Grote-Seifert (3.v.l.), Chefin der Arbeitsagentur Bad Oldesloe, das Inklusionszertifkat überreicht. Mit dabei: Timo (r.) und Marcel (3.v.r.).

Firmenchef Jonas Josten (4.v.l.) bekommt von Heike Grote-Seifert (3.v.l.), Chefin der Arbeitsagentur Bad Oldesloe, das Inklusionszertifkat überreicht. Mit dabei: Timo (r.) und Marcel (3.v.r.).

Foto: Stefan Schröder / Agentur für Arbeit Bad Oldesloe

Die kleine Firma Josten & Josten aus Tremsbüttel beschäftigt zwei Schwerbehinderte und wurde dafür jetzt ausgezeichnet.

Tremsbüttel.  Auf dem Foto sind die gesundheitlichen Unterschiede nicht sichtbar. Doch Marcel und Timo gelten wegen kognitiver Probleme als schwerbehindert. Dennoch hat sie Jonas Josten, Chef eines Tremsbütteler Garten- und Landschaftsbaubetriebs, eingestellt. „Marcel und Timo haben sich gut gemacht und sind mit viel Freude bei der Arbeit. Deshalb sind sie längst bestens im Team integriert“, sagt Josten.

Aus Anlass der „Woche der Menschen mit Behinderung“ hat die Leiterin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe, Heike Grote-Seifert, die Firma Josten & Josten jetzt mit dem Inklusionszertifikat ausgezeichnet. Um Menschen mit einer Schwerbehinderung zu beschäftigen, 2017 waren das im gesamten Kreis 19.697, müsse ein Unternehmen nicht groß sein. „Deshalb freue ich mich umso mehr, wenn es gerade kleineren Unternehmen gelingt, Menschen mit einem Handicap zu integrieren“, sagt Grote-Seifert. Das zeuge von viel Engagement, aber auch sozialem Einsatz.

Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten gesunken

Dass der Tremsbütteler Unternehmer innerhalb kurzer Zeit gleich zwei jungen Männern mit Behinderung einen Berufseinstieg ermöglicht habe, sei vorbildlich und beispielhaft. Zumal er gesetzlich keiner Pflicht dazu unterliege. Seine Einstellung sollte andere Unternehmen dazu animieren, selbst Menschen mit Schwerbehinderung eine Chance am Arbeitsmarkt zu geben.

Zwar sei die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen mit einer Schwerbehinderung von durchschnittlich 243 im Vorjahr auf aktuell 234 leicht gesunken, ein Minus von 3,7 Prozent. Trotzdem sieht die Chefin der Arbeitsagentur noch Potenzial, diese Zahl weiter zu senken. „Gut die Hälfte der Jobsuchenden mit einer Schwerbehinderung haben einen qualifizierten Berufsabschluss“, so Grote-Seifert. Zudem seien diese Menschen oft besonders engagiert, wenn sie eine Chance bekommen, wirbt sie um Offenheit in den Unternehmen.

Nur 217 Firmen ohne Ausgleichszahlungen

Tatsächlich mussten 2017 aber nur 217 von insgesamt 581 privaten und öffentlichen Arbeitgebern mit mehr als 20 Arbeitsplätzen keine Ausgleichszahlungen für das Nichterreichen der vorgeschriebenen Quote an Pflichtarbeitsplätzen zahlen. Eine Anteil von 37,3 Prozent – der seit 2009 allerdings durchgängig bei mehr als 35 Prozent liegt.

Der Anteil der Schwerbehinderten an allen Arbeitslosen im Kreis lag Ende November bei 6,1 Prozent. Die absolute Zahl hat sich im Vergleich zum November 2009 aber kaum verändert: Auch vor zehn Jahren hat es im Jahresschnitt bereits 238 schwerbehinderte Arbeitslose in Stormarn gegeben.

Marcel schaffte Einstieg über ein Praktikum

Doch zurück zu dem Garten- und Landschaftsbauer in Tremsbüttel. Zum Betrieb von Jonas Josten, den sein Vater einst gegründet hat, gehören aktuell dreizehn Mitarbeiter. Der 25 Jahre alte Marcel schaffte den Einstieg über ein Praktikum im vergangenen Jahr und ist inzwischen seit 15 Monaten als Gartenbauhelfer tätig. Der 23 Jahre alte Timo ist seit acht Monaten fest bei Josten.

Beide benötigen wegen ihrer Behinderung ein leidensgerechtes und verständnisvolles Umfeld. Das haben sie bei dem Gartenbauunternehmer gefunden. „Ich bin stolz auf mein Team, das die beiden bei ihrer Arbeit anleitet und super betreut“, sagt Jonas Josten.

Unternehmen, die sich gern beraten lassen wollen, erreichen den Experten bei der Arbeitsagentur unter Telefon 04531/16 71 08 oder per Mail an badoldesloe.161-reha@arbeitsagentur.de.