Stormarn
Kriminalität

Tod bei Polizeieinsatz in Ahrensburg bleibt rätselhaft

Ein 55-Jähriger starb nach Verfolgungsjagd mit der Polizei an der Straße Bahntrasse in Ahrensburg.

Ein 55-Jähriger starb nach Verfolgungsjagd mit der Polizei an der Straße Bahntrasse in Ahrensburg.

Foto: Filip Schwen

Innenausschuss hat sich von Staatssekretär über zwei Fälle Anfang November in Ahrensburg und Lübeck unterrichten lassen.

Ahrensburg/Kiel. Der Fall erregte großes Aufsehen in der Schlossstadt. Am 1. November war ein 55 Jahre alter Mann nach einem Polizeieinsatz am 1. November in Ahrensburg gestorben. Nur einen Tag später kam in Lübeck ein 52-Jähriger nach einem Schusswechsel ums Leben. Die näheren Umstände beider Vorfälle sind bislang ungeklärt. Jetzt gab es eine Anhörung im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags in Kiel.

„Dieses Geschehen hat mich als zuständigen Staatssekretär sehr berührt“, sagte Innenstaatssekretär Torsten Geerdts (CDU), der vom Innen- und Rechtsausschuss des Landtags vorgeladen worden ist. Dort hat er am Mittwoch gemeinsam mit dem zuständigen Leiter der Bezirkskriminalinspektion Lübeck, Thomas Wolff, über den Ermittlungsstand in beiden Fällen berichtet.

55-Jähriger erlitt nach Festnahme einen Kreislaufstillstand

Über den Vorfall in Ahrensburg sagte Wolff den Mitgliedern des Ausschusses, dass sich aus den bisherigen Ermittlungen keinerlei Hinweise ergeben hätten, warum sich der 55-Jährige einer Überprüfung durch die Polizeibeamten entzogen habe. Das Motiv für sein Vorgehen bleibe weiter unklar.

Rückblick. In der Nacht zum 1. November fällt der Mann aus Ahrensburg, der alleinstehend und kinderlos gewesen sein soll und wohl weitgehend in seinem Fahrzeug allein gelebt habe, einer Streife auf, weil er mit seinem VW-Transporter zu schnell unterwegs ist. Um 2.22 Uhr fordern die Beamten den 55-Jährigen auf, anzuhalten. Die Anweisung missachtet er, rast davon. Quer durch die Ahrensburger Innenstadt wird er daraufhin von mehreren Streifenwagen verfolgt. Um das Fahrzeug zu stoppen, feuert ein Polizist auf einen Reifen – und trifft. Laut Staatsanwaltschaft werden zwei Einschusslöcher festgestellt.

Bei der Obduktion werden Druckverletzungen festgestellt

Um 2.26 Uhr kommt der VW-Crafter schließlich in der Straße Bahntrasse zum Stehen. Beim Versuch, den Fahrer aus dem Auto zu holen, leistet er erheblichen Widerstand. Daraufhin wird der Mann durch mehrere Beamte fixiert. Doch plötzlich erleidet er einen Kreislaufstillstand. Die Polizisten versuchen ihn zu reanimieren. Wenig später übernimmt ein Notarzt. Doch ohne Erfolg. Um 3.14 Uhr stellt er den Tod des Mannes fest.

Bei der Obduktion der Leiche werden später mehrere Druckverletzungen festgestellt. „Wir haben inzwischen weitere rechtsmedizinische Untersuchungen in Auftrag gegeben, die aber sehr zeitaufwendig sind“, so die Sprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft, Ulla Hingst. Deshalb seien weitere Erkenntnisse eher in Monaten als in wenigen Wochen zu erwarten.

52-Jähriger stirbt nach einem Schusswechsel in Lübeck

Thema sind im Ausschuss auch tödliche Schüsse eines Polizeibeamten auf einen bewaffneten Mann am 2. November in Lübeck gewesen. Dort sei es zunächst zu einem Schusswechsel im Stadtpark gekommen. Angeblich soll der 52-Jährige das Feuer auf die Beamten eröffnet haben. Danach sei er in eine angrenzende Straße gelaufen. Bei einem weiteren Schusswechsel an einer Villa sei der Mann dann tödlich getroffen worden. Bei der Obduktion sind zwei Schüsse in den Oberkörper und ein weiterer Streifschuss am Bein festgestellt worden.

Auslöser für den Einsatz sei der Notruf eines Vaters gewesen. Er habe die Polizei alarmiert, nachdem sich er und seine Tochter von dem Mann bedroht gefühlt hätten. In dem Park wurde später eine Schreckschusswaffe gefunden. Die Ermittler gehen nach Befragungen im Umfeld des Mannes davon aus, dass dieser die Situation bewusst herbeiführen wollte, um sich von den Beamten erschießen zu lassen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass gesundheitliche Gründe eine Rolle gespielt hätten.

Laut Staatsanwaltschaft war der Getötete 1989 und 1997 zu langjährigen Haftstrafen wegen räuberischer Erpressung und Raubes verurteilt worden. „Auch die Ermittlungen in diesem Fall sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Ulla Hingst.