Stormarn
Sülfeld

Feuerwehr will im Kampf gegen rechts neutral bleiben

Jörg Nero von der Freiwilligen Feuerwehr.

Jörg Nero von der Freiwilligen Feuerwehr.

Foto: Feuerwehr

Freiwillige Feuerwehr hat bisher die „Sülfelder Erklärung“ nicht unterschrieben. Der Bürgermeister versteht diese Haltung nicht.

Sülfeld.  Bis vor wenigen Tagen konnte Sülfeld mit seinem Eintreten gegen Neonazis glänzen: Fast das gesamte Dorf mit dem Pastor und dem Bürgermeister an der Spitze hatte sich gegen drei Rechtsextreme zur Wehr gesetzt. „Wir sind mehr!“ lautete das Motto. Auch der Innenminister unterstützte die Sülfelder gegen drei Neonazis, die inzwischen Sülfeld verlassen haben. Doch jetzt kommt heraus, dass eine für das Dorf wichtige Organisation sich herausgehalten hat: die Freiwillige Feuerwehr. Sie weigert sich bis heute, die „Sülfelder Erklärung“ zu unterschreiben, die von der kompletten Gemeindevertretung und 15 Vereinen und Verbänden unterzeichnet wurde.

Die Erklärung lautet: „Wir treten dafür ein, dass in Sülfeld weiter ein offenes, tolerantes und angstfreies Gemeindeleben gewährleistet ist. Wir stellen uns gemeinsam gegen Gewalt und Einschüchterung. Wir achten aufeinander und bilden so die Grundlage für ein wirksames Einschreiten der zuständigen Behörden.“ Die Erklärung war formuliert worden, nachdem ein Neonazis mehrere Sülfeld angegriffen hatte, als sie Aufkleber der Rechtsextremen entfernen wollten.

Feuerwehr wolle sich politisch neutral verhalten

Die Feuerwehr wolle sich politisch neutral verhalten, hieß es zur Begründung. Bürgermeister Karl-Heinz Wegner bestätigte, dass die Ortswehr Tönning­stedt unterzeichnet hatte, dann aber die Unterschrift auf Druck der Gemeindewehrführung zurückgezogen hat. Kreiswehrführer Jörg Nero unterstützt die Haltung der Wehrführung. „Die Feuerwehr verhält sich politisch neutral“, sagte er. „Das ist nicht unser Geschäft, darum sollen sich die Politiker kümmern. Wir halten uns da raus.“ Darüber sei er sich mit dem Landesfeuerwehrverband (LFV) einig.

Wegner versteht diese Haltung nicht. „Ich wüsste keinen Grund, warum die Feuerwehr sich nicht für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzen sollte“, sagt der Bürgermeister, der zugleich Vorgesetzter der Feuerwehren seiner Gemeinde ist. Er bedauert, dass das positive Bild seiner Gemeinde jetzt Schaden nehmen könne.

Wegner tritt sich am heutigen Mittwochabend mit der Wehrführung, um über die „Sülfelder Erklärung“ zu sprechen. Auch Nero wird an dem Gespräch teilnehmen.

Möglicherweise wird er seine Einschätzung revidieren müssen, dass der LFV sich strikt neutral verhält. Der Verband arbeitet mit dem Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus zusammen und unterstützt „Präventionsarbeit in den Bereichen der Rechtsextremismusprävention und der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“.