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Reinbek plant eine Flüchtlingsunterkunft

Reinbeks Ordnungsamtschef Torsten Christ steht in der Flüchtlingsunterkunft am Senefelder Ring, die nur vorübergehend genutzt werden soll.

Reinbeks Ordnungsamtschef Torsten Christ steht in der Flüchtlingsunterkunft am Senefelder Ring, die nur vorübergehend genutzt werden soll.

Foto: Susanne Tamm

Verwaltung möchte für 1,2 Millionen Euro dreigeschossiges Gebäude am Betriebshof bauen. Politik entscheidet am Donnerstag.

Reinbek.  Mit mindestens 40 weiteren Flüchtlingen rechnet die Stadt Reinbek für das Jahr 2020. Derzeit leben 381 in der Stadt. Hinzu kommen 35 Menschen, die obdachlos sind. Schon jetzt ist die Not groß, denn einige der Unterkünfte und Wohnungen für Asylsuchende und Obdachlose sind laut Rathaus bereits überbelegt.

Um das zu ändern, meldet die Verwaltung nun Bedarf für zusätzliche Unterkünfte an und stellt den Stadtverordneten in der Sitzung am Donnerstag, 5. Dezember, erste Vorschläge vor. 1,2 Millionen Euro sollen für Planung und Bau veranschlagt werden.

Der Bedarf an Unterkünften sei deutlich gestiegen, da Reinbek vom Kreis vermehrt größere Familien zugewiesen wurden, sagt Torsten Christ, Leiter des Bürgeramtes. „Wir brauchen für Familien Räume, die wir nicht haben“, sagt Christ. Alle städtischen Unterkünfte seien belegt, freie Wohnungen gebe es auch nicht mehr. Und die Unterbringung am Senefelder Ring sei auf politischen Beschluss nur temporär möglich.

Neue Unterkunft soll sechs Wohnungen haben

Die Situation von fünf Familien mit 36 Menschen sei besonders schwierig. Eine sechsköpfige Familie verliert ihre Wohnung zum Jahresende, da der Mietvertrag ausläuft. An der Hermann-Körner-Straße wohnen sieben Menschen aus drei Generationen in einer 50-Quadratmeter-Wohnung, die für vier Personen ausgelegt ist. Auf zweieinhalb Zimmern leben sie zusammen, essen, kochen. Mittendrin machen die Kinder ihre Hausaufgaben. Das sind nur zwei von fünf Beispielen, die Christ aufführt. „Aktuell sind zwar alle Menschen untergebracht, zum Teil aber prekär.“

Der Platzbedarf könne nicht mehr nur durch Mietwohnungen gedeckt werden. „Deshalb ist die Errichtung von Unterkünften mit sechs Wohnungen auf städtischem Grund vorgesehen“, sagt Christ. Die Stadt sieht davon ab, Container anzumieten. „Unter Berücksichtigung der Nutzungsdauer ist ein Kauf oder Bau wirtschaftlicher und nachhaltiger als eine Anmietung“, sagt Christ.

Dreigeschossiges Gebäude auf Gelände des Betriebshofes

Der Vorschlag der Verwaltung: ein dreigeschossiges Gebäude auf dem Gelände des Betriebshofes – wo zuvor ein Containerbau stand. „Von Vorteil ist, dass die Erschließung im Wesentlichen vorhanden ist“, sagt Christ. Sechs Wohnungen für sechs- bis neunköpfige Familien in einem Gebäude in Holzrahmenbauweise mit Pultdach stellt die Stadt sich vor. Zurzeit ist die Fläche im B-Plan als öffentliche Grünfläche ausgewiesen. Möglich sei jedoch eine Änderung.

Eine Alternative wäre, am Betriebshof nur ein zweigeschossiges Gebäude mit vier Wohnungen zu bauen. Zusätzlich könnte auf dem städtischen Areal an der Stemwarder Straße neben einem eingeschossigen Gebäude der Stadt ein weiteres errichtet werden, das Platz für zwei Wohnungen bietet. Für diese Fläche gibt es jedoch keinen B-Plan.

Das Geld soll im Haushalt 2020 eingeplant werden

Die Kosten für die erste Variante schätzt die Stadt auf 1,2 Millionen Euro und für die zweite auf etwa 1,4 Millionen. 1,2 Millionen Euro sollen jetzt mit einem Sperrvermerk für das Haushaltsjahr 2020 vorgesehen werden. Um mit den Planungen zu starten, sollen fünf Prozent der Kosten von der Sperre unberührt bleiben.

Während der Sitzung soll auch die neue Gebührensatzung zur Nutzung der Notunterkünfte beschlossen werden. Da Unterkünfte und Wohnungen, die ursprünglich nur für Einzelpersonen gedacht waren, zum Teil von Familien bewohnt wurden, griffen aus rechtlichen Gründen die Satzungen nicht. Die Verwaltung kann dort keine Gebühren erheben. Die Mieteinnahmen, die die Stadt so verliere, seien jedoch gering. „Familien leben nur wenige Wochen in Unterkünften für Einzelpersonen“, sagt Christ.

Durch die Satzungsanpassung rechnet die Verwaltung künftig mit knapp 2100 Euro mehr pro Monat. Die Gebühren zahlen Jobcenter, Sozialamt oder aber die Bewohner selbst, wenn sie eine Arbeit haben.

Stadtverordnetenversammlung Reinbek Do 5.12., 19.30, Sitzungssaal im Rathaus, Hamburger Straße 5-7