Stormarn
Hamburg-Volksdorf

Chorleiter Christoph Schönherr sagt Tschüs mit Konzert

Vor einer der letzten Proben: Christoph Schönherr mit einem Teil der Chormitglieder der Walddörfer Kantorei.

Vor einer der letzten Proben: Christoph Schönherr mit einem Teil der Chormitglieder der Walddörfer Kantorei.

Foto: Elvira Nickmann

Christoph Schönherr gibt die Leitung der Walddörfer Kantorei ab. Es gibt noch eine letzte, öffentliche Generalprobe mit Palmeri-Messe.

Hamburg-Volksdorf. Wenn ein Kind heranwächst und groß wird, müssen die Eltern es irgendwann loslassen. Christoph Schönherr, der vor 32 Jahren die Walddörfer Kantorei gegründet hat, könnten dieser Tage ähnliche Gedanken durch den Kopf gehen. Denn der emeritierte Musikprofessor und Chorleiter will mit einem Konzert am Sonnabend, 7. Dezember, Abschied von dem Ensemble nehmen. Das Konzert in der Kirche am Rockenhof ist zwar ausverkauft. Doch für die öffentliche Generalprobe einen Tag zuvor in der Kirche (19.30 Uhr) gibt es an der Abendkasse Karten (zehn Euro, ermäßigt fünf Euro) und somit noch gute Chancen auf einen Platz.

Umzug nach Volksdorf aus Liebe zum Meer und Segeln

Der Chorleiter sagt: „Im Beruf gibt es etliche Abschiede, die einem nicht leicht fallen.“ Aber der Abschied von der Walddörfer Kantorei sei der intensivste von allen. Kein Wunder: Schönherr hat die Kantorei geformt, großgezogen, jeden ihrer Schritte begleitet, sie vor neue Herausforderungen gestellt, sich an ihrem Klang erfreut und die steigende Bekanntheit des Vokalensembles mit Genugtuung zur Kenntnis genommen.

Unter Schönherrs Leitung hat sich der Chor einen Namen gemacht. Er trat unter anderem in Graz und Wien (2018), im Mailänder Dom und der Basilika von Varese (2015) auf, bei Reisen nach Barcelona, St. Petersburg, Warschau und Riga. Nach mehr als 50 Programmen, 70 Konzerten und acht Auslandsreisen kann der Leiter Ende dieses Jahres einen renommierten Chor mit etwas mehr als 100 Sängern an seine Nachfolgerin übergeben. Annedore Hacker-Jakobi hat eine Professur an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg inne und muss damit rechnen, dass ihre Arbeit an der ihres Vorgängers gemessen wird.

Schönherr will auf lange Segeltour Richtung Gotland gehen

Schönherr stammt aus Frankfurt am Main, ist „1980 wegen der Liebe zum Meer und zum Segeln hierhergezogen“, wie er sagt. Zwar sei es zum Meer noch ein Stück, aber immerhin sei Volksdorf von allen Hamburger Stadtteilen der am nächsten gelegene zur Ostsee, sagt er und lacht. Und damit er am Meer ein bisschen mehr Zeit verbringen kann, hat der passionierte Segler auch sein eigenes Häuschen an der Ostsee.

Und Pläne für das Leben nach der Kantorei, in dem feste Probentermine keine übergeordnete Rolle mehr spielen: Christoph Schönherr will auf eine lange Segeltour Richtung Gotland gehen. Immer mit dabei: seine Frau Bärbel, die ihren Mann auch bei der Leitung des Chors unterstützt. „Wenn wir uns den Stücken neu nähern, teilen wir in der ersten Stunde der Proben die Stimmen oft in weibliche und männliche auf“, erläutert Schönherr. Dann übernehme seine Frau die Stimmbildung und Stimmprobe für Sopran- und Alt, während er sich den Tenören und Bässen widme. Nach einer Stunde komme der Chor wieder zum Singen zusammen.

Repertoire erstreckt sich von Klassik bis Jazz

Neue Werke konnte der auch als Komponist tätige Schönherr mit dem eigenen Ensemble auf ihre Wirkung und Umsetzung hin testen. „Ich hatte den Luxus, die Stücke mit meinem Chor auszuprobieren, bevor sie in den Druck gegangen sind.“ Sein größtes war das Oratorium „Hiskia“, eine Auftragskomposition für den Evangelischen Kirchentag, das 2013 in den Hamburger Hauptkirchen St. Michaelis und St. Nikolai aufgeführt wurde. „Hiskia“ ist ein Jazz-Oratorium, denn der Chorleiter widmet sich neben klassischer vorwiegend jazzorientierter Chormusik, sieht sich als Brückenbauer zwischen den Genres. Als Herausgeber der Reihe „Jazz im Chor“ hat er die Entwicklung der deutschen Jazzchorszene maßgeblich gefördert.

Das Repertoire der Walddörfer Kantorei erstreckt sich von klassischen Werken wie das zuletzt im Juni aufgeführte „Requiem“ von Johannes Brahms über Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten, Jazz-Messen und Gospel-Konzerte bis hin zu den stilübergreifenden Kompositionen seines Leiters.

Chorleiter ein letztes Mal bei der Probenarbeit erleben

Den Weg von einer Komposition bis zur Umsetzung durch den Chor beschreibt Christoph Schönherr so: „Zuerst spricht mich ein Text an und ich als Komponist verstehe ihn auf meine Weise und komponiere ihn dementsprechend.“ Als Dirigent sei es wiederum seine Aufgabe, die Werke der Komponisten zu interpretieren. Jeder Sänger gestalte seinen Part dann individuell in seiner eigenen Vokalfärbung. All diese Schritte und alle Chorstimmen zusammengenommen ergäben dann einen wunderbaren Klang, den jeder einzelne Zuhörer noch einmal auf eigene Art höre. Mit Musik könnten bestimmte Dinge ausgedrückt werden, die mittels Verbalsprache nicht vermittelbar seien, so Schönherr.

Bei der Generalprobe können Zuhörer den feinsinnigen Chorleiter ein letztes Mal bei der Probenarbeit erleben. Auf dem Programm stehen die Tango-Messe von Martín Palmeri, adventliche Chorsätze und eine neue Eigenkomposition des Chorleiters. Mit dabei ist auch der Ehemaligen-Chor der Kantorei, dessen Leitung Christoph Schönherr behält.