Stormarn
Kult-Hof

In Ahrensburg geht ein Stück Erdbeer-Geschichte zu Ende

Geschäftsführerin Doris Unger steht vor dem Eingang des Verkaufsgebäudes. Die Immobilie bleibt vorerst erhalten.

Geschäftsführerin Doris Unger steht vor dem Eingang des Verkaufsgebäudes. Die Immobilie bleibt vorerst erhalten.

Foto: Christian Thiesen

Der Sengana-Hof schließt für immer. Das rund drei Hektar große Gelände an der Hamburger Straße ist bereits an einen Landwirt verkauft.

Ahrensburg.  Viele Autofahrer, die die Hamburger Straße und ehemalige B 75 zwischen Ahrensburg und Hamburg nutzen, kennen ihn, Berufspendler auf der Strecke kommen werktags zweimal an ihm vorbei: der Sengana-Erdbeerhof. So mancher macht dort an der Hamburger Straße 254 neben der Ampelkreuzung mit der Straße Brauner Hirsch einen Halt, um einzukaufen. Doch bald wird dies nicht mehr möglich sein, werden der „Sengana“-Schriftzug und die große Erdbeere aus Kunststoff an dem Verkaufsgebäude verschwinden. Der Grund: Der Erdbeerhof schließt am 14. Dezember für immer.

Entschluss zur Schließung fiel bereits vor einiger Zeit

Dann enden der Verkauf und der Anbau von Obst und Gemüse, Weinen und Eiern, Kartoffeln und Schinken, von Marmelade und Honig. „Es sind private und wirtschaftliche Gründe, die uns zu dieser Entscheidung bewogen haben“, sagt Geschäftsführerin Doris Unger, Tochter des Firmeninhabers Horst Unger. „Der Aufwand und der Ertrag standen zuletzt in keinem Verhältnis mehr zueinander.“ Gegenüber der Konkurrenz durch die großen Supermarktketten sei der kleine Erdbeerhof letztlich doch zu klein. „Ich habe daher beschlossen, meine Zeit künftig anders zu verbringen“, sagt Doris Unger. Und auch ihr Vater Horst wolle mit seinen 83 Jahren nun endgültig in den Ruhestand gehen.

So fiel bereits vor einiger Zeit der Entschluss, den Sengana-Hof, der neben Doris Unger noch drei weitere Mitarbeiter hat, zu schließen. Das rund drei Hektar große Gelände mit zwei Gebäuden und Anbauflächen ist bereits verkauft. Neuer Eigentümer ist laut Doris Unger ein Landwirt aus dem Ahrensburger Ortsteil Ahrensfelde. Was dieser auf dem Areal plant, sei noch unklar. Die beiden Hofgebäude würden aber vorerst stehen bleiben.

Gegründet wurde der Hof im Jahr 1953

„Ich hätte mir auch vorstellen können, mich selbstständig zu machen und auf dem Gelände ein anderes Ladengeschäft oder ein Café zu betreiben“, sagt Geschäftsführerin Unger. „Die Fläche des Erdbeerhofs ist jedoch nur eingeschränkt nutzbar, daher habe ich davon Abstand genommen.“ So werde durch den Bebauungsplan zwingend eine landwirtschaftliche Nutzung vorgeschrieben. Mit der Schließung endet die lange und für die deutsche Erdbeerzucht bedeutende Geschichte des Sengana-Hofes. 1953 wurde dieser vom Ahrensburger Pflanzenzüchter und Professor Reinhold von Sengbusch gegründet, damals ein paar hundert Meter weiter vom jetzigen Standort entfernt Richtung Ahrensburg und ebenfalls an der Hamburger Straße gelegen.

Von Sengbusch verkaufte dort vor allem jene Erdbeersorte, die er ein Jahr zuvor erfolgreich gezüchtet hatte und die dem Hof seinen Namen gab: die „Senga Sengana“, wiederum benannt nach dem Professor. Dessen Forschungsstelle befand sich im Ortsteil Wulfsdorf am Bornkampsweg. 1959 wurde daraus das Max-Planck-Institut für Kulturpflanzenzüchtung mit Reinhold von Sengbusch als Leiter. Dieser wollte eine Erdbeere züchten, die sich ohne Probleme einfrieren lässt. Mit der „Senga Sengana“ gelang ihm dies. Somit war es erstmals möglich, Erdbeeren ökonomisch auf großen Flächen anzubauen.

Im Jahr 2000 zog der Hof an die Hamburger Straße 254

Doch nicht nur deshalb gilt von Sengbusch als einer der bedeutendsten Pflanzenzüchter. Er war vielmehr sehr vielseitig und züchtete in seiner Forschungsstelle und auf seinem Hof diverse Sorten von verschiedensten Kulturpflanzenarten, unter anderem von Tabak, Spargel, Hanf, Champignons und Spinat. 1985 starb Reinhold von Sengbusch im Alter von 87 Jahren. Sein ehemaliger Mitarbeiter Horst Unger übernahm den Betrieb des Sengana-Hofes 1987. Im Jahr 2000 zog der Hof an seinen aktuellen Standort an der Hamburger Straße 254.

Für die Sorte „Senga Sengana“ ist er bis heute der generelle Lizenznehmer und vermarktet sie nach außen. Der Name der Sorte ist eine geschützte Wortmarke und gehört den Kindern von Reinhold von Sengbusch. „Unsere Lizenz soll anderweitig vergeben werden, die Verhandlungen dauern an“, sagt Doris Unger. Die Früchte der Sorte bietet der Erdbeerhof jedoch schon länger nicht mehr zum Verkauf an. „Die Früchte lassen sich heutzutage nicht mehr verkaufen, weil sie bei Größe und Haltbarkeit nicht mehr den Markterfordernissen genügen“, sagt Doris Unger. „Wir machen deshalb nur noch eine Erhaltungszüchtung.“

Stammkunden zeigen sich traurig

Aus dieser werden die Pflanzen der „Senga Sengana“ an andere Betriebe weiterverkauft. Doch auch damit ist bald Schluss. So wie mit dem übrigen Warenverkauf. Am Sonnabend, 14. Dezember, können Kunden letztmals in dem Hofladen einkehren. „Die Schließung macht mich natürlich traurig und tut mir leid“, sagt Doris Unger. „Aber andererseits freue ich mich auch, künftig mehr Zeit für andere Dinge zu haben.“

Traurig über das Ende des Sengana-Hofes dürfte auch so mancher Stammkunde des Geschäfts sein. So wie Thomas Graubner aus Hamburg-Oldenfelde. Auf dem Weg zu seinem Kleingarten in Volksdorf macht er oft am Hofladen Station. „Ich kaufe seit 32 Jahren hier ein“, sagt er. „Das ist wirklich schade, dass das Geschäft nun schließt. Ich werde es vermissen. Die Qualität, das Angebot und die Beratung waren immer gut.“