Stormarn
Geldanlage

So entkommen Privatkunden der Realzinsfalle

Wer auf Wachstum für sein Sparvermögen hofft, muss laut Anlageexperten die Renditechancen von Aktien und Fonds nutzen.

Wer auf Wachstum für sein Sparvermögen hofft, muss laut Anlageexperten die Renditechancen von Aktien und Fonds nutzen.

Foto: picture alliance

Anteil der Aktienbesitzer und Fondsinvestoren im Kreis Stormarn wächst trotz deutlich größerer Renditechancen nur langsam.

Bad Oldesloe.  Bei einer aktuellen Umfrage für das Regiobarometer der Deka Bank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen, äußerten 52 Prozent der 1638 befragten Personen Sorgen hinsichtlich der Entwicklung ihrer Spareinlagen. „Zu Recht“, sagt Gabriele Widmann, Volkswirtin bei der DekaBank. Denn 51,1 Prozent und damit mehr als die Hälfte des verfügbaren durchschnittlichen Geldvermögens der Stormarner steckt in niedrigst verzinsten Bankeinlagen wie Sparbüchern, Giro- und Tagesgeldkonten. Oder wird gar als Bargeld gebunkert.

Es gibt aber Wege aus der seit 2010 andauernden Realzinsfalle, in der die Inflation die dürftigen Zinserträge für Festanlagen kontinuierlich auffrisst. „Doch dafür muss der Privatanleger seine übertriebene Scheu vor Wertpapieren und Investmentfonds ablegen“, so Widmann. Trotz anhaltender globaler Krisen und schwindender sozialer Sicherheit auch in Deutschland.

Investitionen in Fonds sind gute Alternative

Wobei Stormarn durchaus schon einen überdurchschnittlichen Anteil an Aktienbesitzern hat. Gemessen an der Einwohnerzahl ist er zwischen 2015 auf 2017 von 7,1 auf 7,2 Prozent gestiegen. Damit liegt er höher als in Schleswig-Holstein (von 6,2 auf 6,3) und in ganz Deutschland (von 6,2 auf 6,4). Das gleiche gilt für den Anteil der Fondsbesitzer. Der lag 2017 im Kreis bei 16,9 Prozent, im Land bei 14,9 Prozent und im Bund bei 14,8 Prozent.

Wer sein Erspartes nicht gleich und ausschließlich in Aktien anlegen will, für den sind Fonds eine gute Alternative. Dabei ist das Spektrum der Anlagemöglichkeiten groß. Neben reinen Aktien-, Renten- und Immobilienfonds gibt es Garantie- und Geldmarktfonds ebenso wie Mischfonds.

Die Angst vor Wertverlusten ist ungebrochen

„Wem soziale und ökologische Aspekte wichtig sind, kann in so genannte Nachhaltigkeitsfonds investieren“, sagt Helge Schoof, Regionalleiter Süd der Sparkasse Holstein. Dort liege aktuell sogar ein wachsendes Potenzial. Produkte und Dienstleistungen nachhaltig agierender Firmen sind gefragter denn je. Weil ein umweltschonender und effizienter Umgang mit Ressourcen Kosten spart, Forschung und Entwicklung umweltfreundlicher Produkte und Verfahren das Innovationspotenzial erhöht und neue Absatzmärkte schafft. Zudem verbessern eine verantwortungsvolle Führung und gesellschaftliches Engagement das Unternehmensimage – und damit die Gewinnbilanz.

Dennoch bleibt bei vielen Privatanlegern die Skepsis vor Wertpapieren jeglicher Couleur ungebrochen, getrieben durch die Angst vor Wertverlusten der Einlagen. „Deshalb ist eine richtige Streuung wichtig“, sagt Schoof. Viele Fonds böten einen Mix aus Branchen und Ländern. „Man kann in Zukunftstechnologien wie die digitale Kommunikation ebenso investieren, wie in Rohstoffe, natürlich auch direkt in erfolgreiche Unternehmen“, so Schoof. In welche Anlageklassen letztlich investiert werden sollte, hänge aber ganz von der Risikobereitschaft des Kunden ab. Deshalb sei eingehende Beratung vor einer Entscheidung unbedingt empfohlen.

Monatliches Sparpotenzial liegt bei 234 Euro

Eine entscheidende Rolle spielt zudem der Anlagehorizont. „Hoffnungen auf eine schnelle Rendite werden sich kaum erfüllen, sieben bis zehn Jahre sollte man einer Anlage schon geben“, so Svantje Lieber, Regionalleiterin Mitte der Sparkasse Holstein. Momentan liege das Sparpotenzial in Stormarn im Schnitt bei 234 Euro pro Einwohner und Monat. „Mithilfe eines Sparplans kann ein beachtliches Vermögen zustande kommen, je länger dieser Betrag monatlich angelegt wird“, sagt Lieber. Weil auf diese Weise die natürlichen Ertragsschwankungen im Markt viel besser ausgeglichen werden können.

Ein wesentlicher Faktor für den Vermögensaufbau ist der Zinseszinseffekt. Bei Aktien und anderen Wertpapieren schlägt er bei einer Laufzeit von 30 Jahren deutlich mehr zu Buche als bei schwankungsärmeren, festverzinslichen Anlagen. Bei Anlagen in Aktien und Wertpapieren kann auf diese Weise aus der Nettoeinzahlung von 84.240 Euro ein Vermögen von 190.000 Euro erwachsen, was einer durchaus realistischen Rendite von fünf Prozent entsprechen würde. Bei einem defensiven, sicherheitsdominierten Anlageverhalten ist hingegen eine Endsumme von 115.000 Euro realistisch, was einer Rendite von zwei Prozent entspricht.

Bewertung der Aktien hat sich normalisiert

„In den nächsten zehn Jahren wird für Renten und Schuldverschreibungen ein Wertzuwachs von 0,5 Prozent vorausgesagt, für Immobilien von zwei Prozent und für Aktien von fünf Prozent“, sagt die Konjunktur- und Kapitalmarktexpertin Gabriele Widmann. Diese Prognose zeige, wo eindeutig die größten Renditechancen lägen.

Natürlich bleiben Risiken. Allerdings hat sich der Anfang der 2000er-Jahre ziemlich überhitzte Aktienmarkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich normalisiert. Lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis so mancher Aktien vor zwanzig Jahren bei 31, so ist dieser Wert inzwischen auf 13 gesunken. „Heute gibt es wieder eine weitgehend angemessene Bewertung der Papiere im Aktienmarkt. Trotz allem empfiehlt es sich aber, langsam und mit Augenmaß einzusteigen“, sagt Widmann.