Stormarn
Nahverkehr

S-Bahn-Linie 4: So sieht der Plan für Stormarn aus

Vorbild Hamburg-Rahlstedt: So ähnlich wie in dieser Visualisierung sollen die sechs Meter hohen Aluminium-Lärmschutzwände auch in der Ahrensburger Innenstadt aussehen.

Vorbild Hamburg-Rahlstedt: So ähnlich wie in dieser Visualisierung sollen die sechs Meter hohen Aluminium-Lärmschutzwände auch in der Ahrensburger Innenstadt aussehen.

Foto: Vectorvision

Finanzierungsvertrag unterschrieben: Lärmschutz ist Schwerpunkt für die Städte von Ahrensburg bis Bad Oldesloe.

Ahrensburg. Die Unterzeichnung des Finanzierungsabkommens für den Bau der S-Bahn-Linie 4 in Berlin hat vielerorts im Kreis Stormarn Begeisterung ausgelöst. Die Einigung über das 1,85-Milliarden-Euro-Projekt sei „ein Meilenstein“, so der Stormarner Sprecher der 2001 gegründeten S-4-Initiative, Jörg Sievers aus Ahrensburg. „Eine sehr, sehr gute Nachricht für uns“, meint Landrat Henning Görtz.

2027/2028 sollen die Züge zwischen Bad Oldesloe, Bargteheide, Ahrensburg und dem Hamburger Hauptbahnhof/Altona werktäglich 100.000 Menschen befördern. Bis Ahrensburg ist ein Zehn-Minuten-Takt vorgesehen, bis Bargteheide ein 20-Minuten- und bis Bad Oldesloe ein 60-Minuten-Takt.

Landrat mahnt Lösung der Probleme bei Regionalbahn an

„Die Pendler aus und in unseren Kreis sind auf einen funktionierenden Regionalverkehr angewiesen, und die S 4 ist die beste Alternative zum Auto“, sagt Görtz. Die jetzt fahrenden Regionalbahnen hätten ihre Kapazitätsgrenze erreicht, seien zunehmend unzuverlässig. Tatsächlich klagen Kunden nahezu täglich über Verspätungen und Ausfälle. „Diese Probleme muss die Bahn lösen, weil die S 4 noch Jahre dauert“, sagt der Chef der Kreisverwaltung.

Der Kreis selbst ist in die Planung nicht direkt eingebunden, werde aber ständig auf dem Laufenden gehalten. „Unser Hauptaugenmerk liegt künftig auf dem Lärmschutz für die 100.000 Menschen, die in den Orten an der Bahnstrecke Hamburg–Lübeck wohnen“, sagt Görtz. Denn der Bau der S-Bahn macht die Gleise frei für bis zu 835 Meter lange Güterzüge, die nach Fertigstellung der Fehmarnbeltquerung (FBQ) täglich dutzendfach durch Reinfeld, Bad Oldesloe, Bargteheide und Ahrensburg rollen.

Einzig Ahrensburg, mit knapp 35.000 Einwohnern größte Stadt im Kreis, hat wegen der zusätzlichen Gleise einen gesetzlichen Anspruch auf Lärmschutz. „Freiwilligen Lärmschutz wollen wir wegen der steigenden Belastung auch für alle anderen Orte erreichen“, sagt Görtz. Um gegenüber Bahn und Bund mit einer Stimme zu sprechen, hat der Kreis mit Vertretern der Kommunen einen speziellen Arbeitskreis gegründet.

Richtig glücklich sind viele Ahrensburger mit den bisherigen Lärmschutzvorschlägen allerdings ganz und gar nicht. „Wir sollten alles versuchen, um die sechs Meter hohen Wände in unserer Innenstadt zu verhindern“, sagt Bürgermeister Michael Sarach. Das sei die oberste Maxime für das Planfeststellungsverfahren.

Bürgerinitiative hat bereits Klage angekündigt

„Ich würde es begrüßen, wenn man Ahrensburg zum Modellprojekt machen würde“, sagt Sarach. Die Bahn sollte testen, wie weit die Kombination modernster Technologien den Lärmpegel senken kann. Dazu zählten Flüsterbremsen, Schienenstegdämpfer, Radschmieranlagen, sehr niedrige Lärmschutzmauern direkt neben den Rädern und das „Besonders überwachte Gleis“ (BüG). „Am besten wäre es, den Güterverkehr auf andere Strecken zu bringen“, so Sarach.

Außerdem müsse man darauf pochen, dass der Regionalexpress (RE, 14 Minuten von Ahrensburg bis Hauptbahnhof) auch nach S-4-Eröffnung weiter fahre. Die S-Bahn braucht 30 Minuten und bis Bad Oldesloe 50 Minuten.

Die gesamte Strecke von Altona bis Bad Oldesloe ist rund 36 Kilometer lang. Zwischen Hasselbrook und Ahrensburg sind auf 17 Kilometern zwei zusätzliche Gleise vorgesehen. Danach kommt auf drei Kilometern bis Gartenholz ein Gleis hinzu. Mehr als 40 Tunnel und Brücken werden umgebaut, mehrere beschrankte Bahnübergänge fallen weg. In Hamburg entstehen die vier neuen Stationen Claudiusstraße, Bovestraße, Holstenhofweg und Am Pulverhof. Die größten Veränderungen fürs Stadtbild bringen drei bis sechs Meter hohe Schallschutzwände aus Aluminium mit sich.

Die Bauvorbereitung beginnt voraussichtlich Ende 2020, sodass es im Frühjahr 2021 richtig losgehen kann. Eine Teilinbetriebnahme bis Rahlstedt ist für 2025 geplant. Der Rest folgt Ende 2027. Die Zahl der Kunden soll deutlich steigen. Nehmen in Ahrensburg jetzt täglich 6800 Menschen die Regionalbahn, sollen es mit der S-Bahn 9300 sein. Für Gartenholz (1900 statt 1600), Bargteheide (5500 statt 4000) und Bad Oldesloe 3700 statt 2000) ist die Entwicklung ähnlich.

Planfeststellungsverfahren für Ahrensburg nächstes Jahr

Es gibt drei Planfeststellungsabschnitte (PFA): Bahnhof Hamburg-Has­sel­brook bis Luetkensallee (PFA 1), von dort bis Landesgrenze Hamburg/Schleswig-Holstein (PFA 2) und Landesgrenze bis zum Bahnhof Ahrensburg-Gartenholz (PFA 3). Die Bahn hat sämtliche Unterlagen beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) eingereicht. Die öffentliche Auslegung für Abschnitt 2 endet am 9. Dezember. Der Stormarner Teil ist nächstes Jahr an der Reihe. Die „Bürgerinitiative an der Bahnstrecke Hamburg-Lübeck“ hat bereits Klagen vorm Bundesverwaltungsgericht angekündigt.

„Die konkreten Details für Stormarn lassen sich erst im Planfeststellungsverfahren regeln“, sagt Peter Mantik, Bahnsprecher für die Projekte S 4 und Fehmarnbeltanbindung. Einige Vorhaben stehen aber schon fest:

Ahrensburg: Die S-Bahn bekommt eine neue Haltestelle Ahrensburg West, für die täglich 4200 Fahrgäste prognostiziert sind. Wie der Übergangsbahnhof zur U-Bahnlinie 1 und eine mögliche Parkpalette genau gestaltet werden, ist noch unklar.

Mehr als zehn Millionen Euro soll die knapp 120 Meter lange Brücke über die Gleise im Zuge der Straße Brauner Hirsch kosten. Um die Höhe des sogenannten Netzwerkbogens zu erreichen, muss die Straße selbst auf mehr als 600 Metern für rund acht Millionen Euro angepasst werden. Die beschrankten Übergänge Kuhlenmoorweg und Grävinghorst werden ersatzlos geschlossen.

Bargteheide: Der Bahnhof wird voraussichtlich zwischen Ende 2023 und Anfang 2026 umfangreich umgebaut. Der Hauptbahnsteig direkt am Gebäude, an dem die Züge in Richtung Hamburg halten, wird auf 210 Meter verlängert und auf eine Höhe von 76 Zentimetern ausgebaut. Dies ermöglicht ein komfortableres Ein- und Aussteigen. Für Rollstuhl- und E-Scooterfahrer gibt es eine mobile Rampe.

Der Mittelbahnsteig wird abgerissen. Stattdessen werden an der Seite zur Straße An den Stücken zwei neue, barrierefreie und 96 Zentimeter hohe Bahnsteige mit jeweils 210 Metern gebaut. Fahrgäste können dadurch höhengleich ein- und aussteigen. Geplant sind bis zu 28 Meter lange Überdachungen und drei Wetterschutzhäuser.

Kupfermühle (Tremsbüttel): Der Bahnsteig wird erhöht, um das Ein- und Aussteigen komfortabler zu machen.

Bad Oldesloe: Die Gleise 8 und 39 müssen für die Güterzugüberholung umgebaut werden. Außerdem sind Bahnsteigerhöhungen nötig.