Stormarn
Neues Buch

Wie ein Kampfkünstler seine Liebe zu Japan entdeckte

Der Tempel Kiyomizu-dera in Kyoto ist ein beliebtes Ziel für Einheimische wie Touristen aus aller Welt.

Der Tempel Kiyomizu-dera in Kyoto ist ein beliebtes Ziel für Einheimische wie Touristen aus aller Welt.

Foto: WOLFGANG BECKMANN / Wolfgang Beckmann

Autor Wolfgang Beckmann aus Wentorf will mit seinem Länderporträt andere für das faszinierende Land begeistern.

Wentorf. Japan und die dort beheimatete Kampfkunst Aikido sind zwei Begriffe, die für Wolfgang Beckmann untrennbar miteinander verbunden sind. Denn der 69 Jahre alte Wentorfer entdeckte über sein Hobby Land und Leute des Inselstaats. Mit seiner Begeisterung und seinen Erfahrungen möchte Beckmann, der in der Aikido-Sparte der TSV Reinbek aktiv ist, Japan anderen als Reiseland näherbringen. Dazu hat er sein zweites Buch über das Land geschrieben, das Ratgeber, Reiseführer und Bildband in einem ist. Es wurde kürzlich unter dem Titel „Japan – Porträt eines faszinierenden Landes“ (Verlag BoD, 24,90 Euro) veröffentlicht.

Auslöser der Begeisterung war ein Treffen vor 53 Jahren

Angefangen hat alles im Dezember 1966. Ein Jahr zuvor war der bekannte Aikido-Meister Katsuaki Asai vom Haupt-Dojo in Tokyo in Deutschland eingetroffen. Ein Bekannter überredete den eher unsportlichen und mäßig begeisterten Beckmann, mit ihm einen Kursus des Meisters zu besuchen. „Er hat mich eher mit hingeschleppt“, erinnert sich der pensionierte Bankangestellte, der zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnte, wie bedeutend sich dieses erste Treffen mit Katsuaki Asai für ihn erweisen sollte.

Die zur Schau gestellte Kampfkunst übte eine starke Anziehungskraft auf den damals 16-Jährigen aus, der er nicht widerstehen konnte. Beckmann wurde Schüler von Asai, der heute Bundestrainer ist, und eiferte dem Meister nach. Alle Trainer der Aikido-Abteilung der TSV Reinbek sind wie er direkte Schüler des Bundestrainers, der sie nach wie vor regelmäßig in Reinbek besucht und dort Lehrgänge anbietet. Wolfgang Beckmann sagt: „Etliche von uns hat die intensive Beschäftigung mit dieser Kampfkunst in das Ursprungsland geführt.“

Den ersten Aufenthalt in Japan verlängerten die Beckmanns

Meister Asai begleitete seine Schüler bei ihrer ersten Reise 1999 durch sein Heimatland. Als die Gruppe sich nach zwei Wochen wieder auf den Heimweg machte, waren Wolfgang Beckmann und seine Frau Gisela, die er mittlerweile mit seiner Begeisterung für die Kampfkunst angesteckt hatte, nicht an Bord. Das Paar hatte seinen Aufenthalt kurzfristig verlängert, weil es ihm so gut in Japan gefiel. „Als Deutscher wird man von den Japanern gut aufgenommen“, sagt der Autor. „In jeder Bar ist man sofort dabei, und da kann es schon mal passieren, dass die Japaner deutsche Lieder anstimmen.“

Mit seinem Buch wolle er den Lesern Bedenken nehmen, so Beckmann. „Wenn wir auf Partys oder Treffen von unserem Spleen erzählen, finden das die Leute toll, sagen aber auch, dass sie sich so eine Reise nicht zutrauen, weil sie nichts lesen oder verstehen können.“ Dass man das Land nur besuchen könne, wenn man die Landessprache beherrsche, sei falsch. „Ich habe mehrfach den Versuch unternommen, Japanisch zu lernen, es aber aufgegeben.“

Das Buch bietet Einblicke in Historie und Kultur des Landes

Schulenglisch reiche inzwischen zur Verständigung aus, Hinweisschilder seien meist zweisprachig. „Wir haben immer unseren Weg gefunden“, so Beckmann. Vermehrt suchten die Japaner von sich aus den Kontakt zu den Fremden. Wie ein etwa 80-Jähriger, der ihn auf einem Schiff auf Deutsch angesprochen habe. Nach dem ersten Besuch haben Gisela und Wolfgang Beckmann sechs weitere Entdeckungstouren auf eigene Faust unternommen.

Die Japaner beschreibt der Autor als gastfreundliche, hilfsbereite Menschen. Es lohne sich, die Schönheiten des Landes und die Natur zu entdecken. Er sagt aber auch: „Wenn man in ein fremdes Land reisen will, muss man sich anpassen.“ Das Streben nach Harmonie sei in der Kampfkunst ebenso wie in der Mentalität der Japaner verankert. Höflichkeit und Respekt bestimmten den Umgang miteinander, direkte Verneinungen, brüskes Ablehnen würden vermieden. Ein Ja könne nicht immer als Zustimmung gewertet werden, sondern dafür, dass der Gesprächspartner aufmerksam zuhöre. Es gelte das Hierarchieprinzip, dass der Ältere und Erfahrene geachtet werde.

Mit Beckmanns Buch erhalten Leser einen fundierten Einblick in Japans Historie, Gepflogenheiten, Kultur, Entwicklung und wertvolle Reisetipps. Und vielleicht brechen einige von ihnen nach der Lektüre sogar zur ersten Japan-Reise auf.