Stormarn
Bundesweite Aktion

So protestieren Stormarner gegen das Agrarpaket

Protest mit Kreuz: Marten Hinrich Koop und Sandra Rübcke. 

Protest mit Kreuz: Marten Hinrich Koop und Sandra Rübcke. 

Foto: Melissa Jahn

Landwirte machen bei bundesweiter Aktion mit und installieren Kreuz auf Acker. Bauernverband bemängelt Auflagen.

Grosshansdorf. Ein grünes Kreuz auf einem Acker in Großhansdorf: Als stillen Protest haben Sandra Rübcke und ihr Lebensgefährte Marten Hinrich Koop das Zeichen nahe dem Neubaugebiet Beimoorweg aufgestellt, um mit anderen Landwirten ihren Unmut über das Agrarpaket der Bundesregierung kundzutun. „Wenn die Politik das tatsächlich so durchzieht, wird es innerhalb der nächsten zehn Jahre in einigen Landstrichen keine Landwirtschaft mehr geben“, sagt Koop und bemängelt, dass mit den Betroffenen nicht wirklich gesprochen worden sei.

Landwirten sei es nicht möglich, Interessen zu vertreten

Erst diesen Sommer übernahm Sandra Rübcke den Hof neben dem Ahrensburger Gewerbegebiet Beimoor-Süd von ihrem Vater. In nun dritter Generation konzentriert sich der „Hof Kamp“ neben dem Raps-, Getreide- und Futtergrasanbau auf Milchwirtschaft – als letzter konventioneller Betrieb dieser Art in der Schlossstadt. 120 Milchkühe und 310 Rinder gehören dazu. Koop ist ebenfalls in den Betrieb eingestiegen und kritisiert: „Obwohl die Politik vorgibt, kleinbäuerliche Strukturen schützen zu wollen, wird am Ende nur die Agrar-Industrie übrig bleiben.“ Bereits jetzt hätten viele Landwirte Angst, die familiengeführten Höfe nicht mehr halten zu können, sagt der 34-Jährige. Kleinbetriebe sähen keine Perspektive, fühlten sich durch Politik und Gesellschaft geradezu gegängelt. Dies gehe so weit, dass ihnen sogar das Wissen abgesprochen werde, einen Hof führen zu können, sagt Sandra Rübcke.

Sie selbst habe ein Agrarstudium abgeschlossen. Die Absprache weitreichender Entscheidungen ausschließlich mit NGOs und Interessensverbänden könne sie nicht nachvollziehen. Doch den Landwirten fehle schlicht die Lobby, um ihre Interessen ausreichend vertreten zu können. „Aus diesem Grund haben wir drei Kreuze aufgestellt“, sagt die 33 Jahre alte Landwirtin. „Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen und erklären, wo uns der Schuh drückt.“ Ursprünglich kommt die Idee von Willi Kremer-Schillings aus dem Rheinland – besser als Bauer Willi bekannt. Er geht als Agrarblogger gegen das sogenannte Bauernbashing - also herablassende Äußerungen gegen Landwirte – vor.

Vielerorts sind bereits Kreuze aufgestellt

Kremer-Schillings fordert seine Berufskollegen auf, gemeinsam auf das Hofsterben aufmerksam zu machen. Landwirte im ganzen Bundesgebiet folgten der Aktion. Vielerorts sind bereits Kreuze aufgestellt. In einem Begleitschreiben heißt es, dass die Maßnahmen des Agrarpaketes „massiv in die Eigentumswerte der Bauern eingreifen“. Die grünen Kreuze „sollen als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden“.

Konkret richten sich die Proteste vor allem gegen die geplante Änderung der Düngeverordnung. Die Landwirte kritisieren, dass die verschärfte Regelung zu einer Unterdüngung der Böden führe, weshalb die Pflanzen nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt werden. Ertragsminderung sei die Konsequenz. Für weiteren Unmut sorgt die Beschränkung der Pflanzenschutzmittel. Peter Koll, Geschäftsführer des Bauernverbandes Stormarn, bemängelt, dass die Auflagen vor allem von kleinen Betrieben schwer zu erfüllen seien. Abstände könnten wegen der hohen Knickdichte in Schleswig-Holstein kaum eingehalten werden. Die Einkommensverluste auf kleinen Flächen seien enorm.

Ahrensburger Bauern wollen über ihre Arbeit aufklären

Keine Lösung ist laut Koll ein Zuwachs im Bioanbau. Aufgrund der hohen Preise sei der Markt bereits jetzt gesättigt. Vielmehr führe ein zunehmendes Überangebot auch in diesem Segment zu Preisdruck. „Als Wohlstandsland leisten wir uns schon jetzt Äpfel und Birnen aus dem Ausland, statt auf regionale Produkte zurückzugreifen“, sagt Koll.

Mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und aufzuklären, das ist primäres Ziel von Sandra Rübcke und Marten Hinrich Koop. Sie bemängeln nicht nur Entscheidungen in Berlin, sondern vertreten auch den Standpunkt, dass viele Nachbarn eine falsche Vorstellung über die Arbeit der Landwirte haben. Es sei der jungen Familie ein wichtiges Anliegen, das öffentliche Bild der Landwirtschaft zu stärken. „Gerade wir kleinbäuerlichen Betriebe sind daran interessiert, den Boden nicht auszubeuten und das Klima zu schonen“, sagt Koop. „Immerhin wollen wir den Betrieb mal an unsere Kinder weitergeben. Das Land ist unser Kapital.“