Stormarn
Kultur

Figurentheater-Festival: Puppenspiel gegen Ausgrenzung

Eine Szene aus dem clownesken Puppentheater „Hühner“, das von den täglichen Schwierigkeiten des Miteinanders handelt.

Eine Szene aus dem clownesken Puppentheater „Hühner“, das von den täglichen Schwierigkeiten des Miteinanders handelt.

Foto: Lutz Edelhoff

Stormarner Veranstaltungsreihe setzt sich Anfang 2020 mit aktuellen Themen auseinander. Der Kartenvorverkauf beginnt jetzt.

Reinbek. Für alle, die Puppentheater mit Kasperlefiguren und Klamauk für Kinder gleichsetzen, eröffnen sich beim Stormarner Figurentheater-Festival vom 2. Februar bis 29. März neue Horizonte. Die Organisatoren Elke Güldenstein und Susann Pötter vom Schloss Reinbek sowie Kreiskulturreferentin Tanja Lütje achten auch bei der siebten Ausgabe der Veranstaltungsreihe darauf, dass die ausgesuchten Stücke stets hochwertige Inszenierungen renommierter Bühnen sind. Diese zeichnen sich durch besondere Spieltechniken oder die Umsetzung des Stoffs aus. Lütje sagt: „Wir bilden mit einem Mix von traditionellen Märchen und Literatur-Adaptionen eine große Bandbreite ab und zeigen Inszenierungen abseits des Mainstreams.“ Und nennt als Beispiel das Lille Kartofler Figurentheater aus Langenfeld, das „Das hässliche Entlein“ mit aus Objekten bestehenden sehr reduzierten Mitteln zur Aufführung bringe.

Und auch den Zuschauern, die den Stoff bereits aus anderen Inszenierungen kennen, verspricht Lütje: „Ich kann ihnen garantieren, sie entdecken darin etwas Neues.“ Für die qualitativ hohen Ansprüche verfügten die Bühnen allesamt über eigene Bühnen- und Requisitenbauer. Die Karten für die Vorstellungen in Reinbek, Ahrensburg, Bargteheide, Hoisdorf, Barsbüttel, Reinfeld und Bad Oldesloe sind ab sofort im Vorverkauf erhältlich.

Inszenierung für Erwachsene handelt von Anne Frank

Für jedes Stück geben die Veranstalter eine Altersempfehlung. Das heißt aber nicht, dass vorwiegend für kleinere Kinder gedachte Aufführungen sich nicht für Schulkinder und Erwachsene eignen. „Die clowneske Inszenierung ,Hühner‘ ist beispielsweise auch großartig für Ältere“, sagt die Kreiskulturreferentin. Besonders für junge Zuschauer sei eine der Festivalvorstellungen oft der erste Kontakt zum Theater, so Lütje weiter. Diese Erfahrung präge die Theateranfänger fürs ganze Leben, weswegen die Qualität der Stücke besonders wichtig sei.

In diesem Jahr haben die Organisatoren mit Mut, Toleranz und einem guten Miteinander wichtige Themen in den Mittelpunkt des Festivals gestellt, die einen Gegenentwurf zu Rassismus und Ausgrenzung bilden sollen. Das Erwachsenenstück der Artisanen aus Berlin beschäftigt sich mit der Geschichte des jüdischen Mädchens Anne Frank, dessen trauriges Schicksal beispielhaft für das der Juden im Dritten Reich steht.

Elke Güldenstein sagt: „Das Tagebuch der Anne Frank ist oft der erste Berührungspunkt von Schülern mit dem Nationalsozialismus.“ Das Stück ist ab zwölf Jahren empfohlen, kann durch die andere Herangehensweise noch einmal einen anderen Zugang zu dem Stoff bieten und dadurch eine nützliche Ergänzung zum Geschichtsunterricht sein.

Die Beschäftigung mit den aktuellen Themen Toleranz und Zusammenhalt ziehe sich wie ein roter Faden durchs Programm, so Güldenstein. Das sei von essenzieller Bedeutung, weil es dabei im weitesten Sinne um die Zukunft der Demokratie gehe, betont Reinbeks Kulturchefin. Aus diesem Grund soll sich die Ausstellung zum ersten Mal seit Bestehen des Festivals weder um Figuren noch um Spielformen, sondern um Inhalte drehen. Für dieses Vorhaben haben die Organisatoren das Anne Frank Zentrum aus Berlin mit ins Boot geholt, dass den thematischen Bogen zum Erwachsenenstück mit einer Wanderausstellung schlagen kann.

Spielorte sind im Kreis Stormarn verteilt

„Wir planen dazu ein Begleitprogramm, bei dem Jugendliche beteiligt sein werden“, sagt Güldenstein. Die Konzeption sei noch nicht abgeschlossen, weswegen noch nicht alle Details spruchreif seien. Sie könne aber so viel verraten, dass die Artisanen ihr Stück im März mindestens ein weiteres Mal für Jugendliche aufführen wollen. Die Ausstellung im Schloss Reinbek werde am 7. Februar eröffnet und das Begleitprogramm solle bis Ende März dauern. Die Eintrittskarten für alle Theaterdarbietungen dienten zudem als Tickets zum kostenfreien Besuch der Ausstellung.

Laut Güldenstein zeichnet sich Kulturarbeit dadurch aus, dass sie in die Fläche geht. Das ist bei dem Festival der Fall, dessen Spielorte auf den Kreis Stormarn verteilt sind. Und es sind Aufführungsstätten darunter, die nicht gerade zu den klassischen zählen wie das Stormarnsche Dorfmuseum in Hoisdorf, die Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule in Barsbüttel oder die Kita Reinfeld.

Eine zweite Aufführung gibt es jeweils im Schloss Reinbek

Zudem ist jedes Stück in einer zweiten Aufführung im Schloss Reinbek, dem Zentrum des Festivals, zu sehen. So kann es durchaus sein, dass sich die Darbietung desselben Stoffs je nach Spielort unterschiedlich gestaltet. Die Kulturchefin sagt: „Es spricht für die Qualität der Bühnen, dass sie den Raum mit einbeziehen und aufnehmen.“

Das Festival ist ein gemeinsames Projekt des Kulturzentrums Reinbek und des Kreises Stormarn mit der Arbeitsgemeinschaft Stormarn kulturell stärken. Finanziert wird das Projekt zur Hälfte von der Stadt Reinbek und der Arbeitsgemeinschaft mit Unterstützung verschiedener Stiftungen.

Das Festivalprogramm wird mit dem Figurentheater „Das hässliche Entlein“ (ab vier Jahre) im Schloss Reinbek eröffnet (2. Februar, 16 Uhr). Die zweite Vorstellung ist im Stormarnschen Dorfmuseum Hoisdorf geplant (3. Februar, 10 Uhr). Am Donnerstag, 6. Februar, zeigen die Artisanen „Der kleine Angsthase“ (ab drei Jahre) um 10 Uhr im Kleinen Theater Bargteheide und um 16 Uhr im Schloss Reinbek. Weiter geht es mit „Anne Frank“ (ab zwölf Jahre) am Freitag, 7. Februar, um 11 Uhr in der Erich-Kästner-Schule Barsbüttel und um 20 Uhr im Schloss Reinbek.

„Hühner“ (ab drei Jahre) wird am Sonntag, 9. Februar (16 Uhr), im Schloss Reinbek gezeigt. Die zweite Vorstellung gibt’s im KuB in Bad Oldesloe zu sehen (Montag, 10. Februar, 16 Uhr.) „Das Bärenwunder“ (ab drei Jahre) spielt das Theater Blaues Haus in der Kita Reinfeld am Dienstag, 11. Februar (11 Uhr), und am Mittwoch, 12. Februar (10 Uhr), im Schloss Reinbek. Abschlussstück ist „Prinz Eselsohr“ (ab vier Jahre) vom Ambrella Figurenspiel aus Hamburg. Es wird am Freitag, 14. Februar (10 Uhr), im Schloss Reinbek aufgeführt und im Schloss Ahrensburg am Sonntag, 16. Februar (16 Uhr).

Karten kosten zwei bis zwölf Euro

Karten für die Vorstellungen kosten zwischen zwei und zwölf Euro und sind bei den Vorverkaufsstellen der jeweiligen Spielstätten erhältlich (Eintritt Ausstellung drei Euro). Eine Übersicht über Inhalt der Stücke, Vorverkaufsstellen, Adressen der Spielstätten und Termine soll bis Ende der Woche auf der Website www.figurentheater-stormarn.de eingestellt werden.