Stormarn
Prozess

Autobahn 21: Junger Raser bedrängt Polizei mit Lichthupe

Mit Lichthupe und wenigen Metern Abstand fuhr der 24-Jährige auf der Autobahn 21 hinter der Polizei her (Symbolbild), überholte die Beamten schließlich auf der rechten Spur.

Mit Lichthupe und wenigen Metern Abstand fuhr der 24-Jährige auf der Autobahn 21 hinter der Polizei her (Symbolbild), überholte die Beamten schließlich auf der rechten Spur.

Foto: dpa / picture-alliance

24-jähriger Hamburger muss sich vor Amtsgericht Ahrensburg auch wegen Nötigung verantworten. Er hat keinen Führerschein.

Ahrensburg. Vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs, zu schnelles Fahren, Nötigung, Fahren ohne Fahrerlaubnis – die Vorwürfe der Anklage gegen Karim M. (Name geändert) sind lang und wiegen schwer. Dennoch bleibt der 24 Jahre alte Hamburger ohne Strafe – vorerst. Der Grund: Der Prozess gegen M. vor dem Amtsgericht Ahrensburg wurde am Dienstag ausgesetzt.

M. überholte Polizei auf rechter Spur

Zuvor hatte sein Rechtsanwalt gerügt, dass es kein faires Verfahren gebe, da ihm wichtige Akten nicht und zu spät vorgelegen hätten. So wurde schon im ersten Verhandlungstermin deutlich, wie mühselig in unserem Rechtsstaat der Weg zur Urteilsfindung sein kann.

Junger Mann fuhr mit Tempo 190 in 120er-Zone

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hamburger vor, am 28. Januar dieses Jahres nachmittags um etwa 15.25 Uhr auf der Autobahn 21 Richtung Bargteheide mit 190 Kilometern pro Stunde statt der erlaubten Tempo 120 gefahren zu sein. Dies wurde durch die beiden Beamten eines zivilen Videowagens der Autobahnpolizei zwischen Bad Oldesloe-Nord und Tremsbüttel gemessen und aufgenommen.

Diese gaben sich zu erkennen, fuhren mit ihrem Wagen vor M., der mit einem Jaguar XF unterwegs war, und machten Stop-Signale. Doch M. soll die Zeichen nicht nur ignoriert haben, vielmehr soll er dicht auf den Polizeiwagen aufgefahren sein und ihn mit der Lichthupe bedrängt haben.

Polizei macht Rowdy Platz

Danach soll er sogar versucht haben, den Videowagen zu überholen, indem er sich zwischen ihn und die Leitplanke drängte. Die Polizisten machten Platz, um die gefährliche Situation zu entschärfen. Doch M. setzte seine Rowdyfahrt laut Anklage fort. Er überholte die Polizei rechts, fuhr dann auf eine anderes Auto auf und bedrängte es ebenfalls. Und zwar so dicht, dass dessen Fahrerin die Frontlichter des Jaguars von M. nicht mehr im Rückspiegel erkennen konnte. Auch die Autofahrerin machte M. Platz, der seine Fahrt zunächst fortsetzte. Später konnte ihn die Polizei dann doch noch stoppen. Es stellte sich heraus, dass M. zudem gar keine gültige Fahrerlaubnis mehr hat.

Neubeginn des Verfahrens im März 2020

Vor Gericht schwieg Karim M. nach einer Beratung mit seinem Anwalt Siyamak Faghihi zu all diesen Vorwürfen der Anklage. Daraufhin wurde erst die Videoaufnahme des Polizeiwagens gezeigt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sich der Wagen vor den Jaguar von M. setzte und die Haltesignale gab. Es folgte ein längeres Vorlesen von Strafrichter Said Evora, der unter anderem Eichscheine des Tempomessgerätes und Lehrgangsnachweise der beiden Polizisten im Wagen zur Videomessung vortrug.

Hiernach hakte Anwalt Faghihi ein: „Ich erhebe die Rüge des fairen Verfahrens.“ Die vorgelesene Akten lägen ihm nicht vor. Der Anwalt beantragte Akteneinsicht, die ihm der Richter gewährte. Faghihi zog sich daraufhin kurz zurück, um danach eine Unterbrechung des Verfahrens zu beantragen. Der Grund: Er müsse die fehlenden Akten genauer lesen, um sich besser vorbereiten zu können. Insbesondere auf die anstehenden Zeugenbefragungen, etwa der beteiligten Polizisten.

Der Richter wollte dem Antrag stattgeben. Was folgte, waren jedoch Terminschwierigkeiten sowohl beim Rechtsanwalt als auch beim Richter, die Verhandlung fortzusetzen. So entschied Richter Evora schließlich, den Prozess ganz auszusetzen. Er startet somit im kommenden Jahr am 13. März 2020 noch einmal ganz neu mit der Verlesung der Anklage.