Stormarn
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Fahren auf Oldesloer Industriegleis nie mehr Züge?

Das derzeit stillgelegte Oldesloer Industriegleis.

Das derzeit stillgelegte Oldesloer Industriegleis.

Foto: Finn Fischer

Bad Oldesloe und Eisenbahngesellschaft AKN finden keine Kostenregelung für das Industriegleis. Der Erhalt ist demnach fraglich.

Bad Oldesloe.  Der Erhalt des stillgelegten Oldesloer Industriegleises steht auf der Kippe. Laut Stadtverwaltung konnte auch ein Jahr nach Beginn der Verhandlungen noch keine Einigung mit der Eisenbahngesellschaft AKN zur Übernahme der laufenden Kosten erzielt werden. „Dass die Stadt gänzlich vom laufenden Unterhalt verschont bleibt, ist nicht realistisch“, sagte Kurt Söffing, Leiter des Sachbereichs Planung und Umwelt, den Mitgliedern des zuständigen Wirtschafts- und Planungsausschusses. Doch genau das ist eine der Bedingungen, die die Lokalpolitik festgelegt hatte.

Mit Beschluss der Stadtverordneten vom 24. September 2018 wurde die Verwaltung beauftragt, mit der AKN einen Betriebsführungsvertrag zu schließen und formulierte dafür enge Vorgaben: mindestens acht Jahre Laufzeit, keine laufenden Kosten zulasten der Stadtkasse, einmalig maximal 50.000 Euro. Doch wie sich jetzt im Ausschuss herausstellte, ist eine Einigung unter diesen Voraussetzungen so gut wie unmöglich. Die Eisenbahngesellschaft ist zwar weiterhin interessiert an dem Gleis, dass das Gewerbegebiet am Sandkamp mit dem Oldesloer Bahnhof verbindet, aber nicht zu den genannten Konditionen. Hinzu kommt, dass der Zustand des Gleises nach einer Kontrolle durch ein Ingenieurbüro schlechter ist, als bislang angenommen. Das berichtet auch Ausschussmitglied Wilfried Janson (Die Grünen): „Ich habe mir das angesehen, die Schwellen sind alle aus Holz und viele davon völlig morsch.“

Gespräche mit Minister Bernd Buchholz geplant

Laut AKN müssen mindestens 1200 der 6500 Schwellen ausgetauscht werden. Eine neue Kostenschätzung liegt bei 950.000 Euro für eine erste Sanierung und damit 105.000 Euro über der ursprünglich veranschlagten Summe. Wer dafür aufkommt, ist ebenso unklar wie für die Unterhaltskosten in Höhe von 170.000 Euro jährlich. „Die Höhe der laufenden Kosten überrascht mich jetzt schon sehr“, sagte Anita Klahn (FDP). Auch die Sanierung sei viel teurer geworden. „Ganz am Anfang waren wir mal bei 600.000 Euro.“ Die Stadtverordnete, die für die Liberalen auch im Landtag sitzt, will jetzt in der Hoffnung auf eine Erhöhung der Förderung mit ihrem Parteikollegen und Verkehrsminister Bernd Buchholz über das Thema sprechen.

Bisher gibt es Zusagen vom Bund (475.000 Euro), Land (150.000 Euro) und Kreis (50.000 Euro). Bad Oldesloe selbst zahlt nach bisheriger Rechnung 50.000 Euro, ebenso die Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS). Der bisherige Nutzer des Gleises, Arcelor Mittal, weitere 70.000 Euro.

Stadt wird weiter mit Eisenbahngesellschaft verhandeln

Dass die AKN einlenken wird und den Unterhalt übernimmt, hält Bürgermeister Jörg Lembke für unwahrscheinlich: „Grundsätzlich wird die Gleisanlage als nicht wirtschaftlich angesehen, da es derzeit nur einen Nutzer gibt und voraussichtlich auch künftig keine weiteren Betriebe hinzukommen werden.“ Die Oldesloer Politik will das Gleis erhalten, um für den Fall gewappnet zu sein, sollten Güter wieder verstärkt auf der Schiene transportiert werden. Die Stadt wird weiter mit der AKN verhandeln.