Stormarn
Ahrensburg

Fotografin porträtiert junge Menschen in wilder Umgebung

Janina Wick stellt unter dem Titel „Schöneweide“ im Marstall fotografischen Porträts von Jugendlichen Bilder verwilderter Freiflächen gegenüber.

Janina Wick stellt unter dem Titel „Schöneweide“ im Marstall fotografischen Porträts von Jugendlichen Bilder verwilderter Freiflächen gegenüber.

Foto: Melissa Jahn

Neue Ausstellung im Kulturzentrum Marstall in Ahrensburg zeigt Porträts von Jugendlichen in wuchernder Stadtnatur. Eintritt frei.

Ahrensburg. Ein Brachgelände im Berliner Stadtteil Schöneweide, eingezäunt, von außen nicht einsehbar, nahezu vergessen. Was Anfang des 20. Jahrhunderts als einer der größten Industriestandorte Europas entstand, war lange Zeit Treffpunkt einer Gruppe Jugendlicher, die die wuchernde Stadtnatur für sich als Rückzugsort entdeckte. Die Hamburger Künstlerin Janina Wick hat diesen Ort wiederholt aufgesucht und die Jugendlichen für ihre jüngste Fotoserie „Schöneweide“ porträtiert.

Eine Auswahl der Bilder ist ab Sonntag, 10. November, im Ahrensburger Marstall zu sehen. 18 Bilder hängen im Marstall, Porträts wechseln sich mit Naturaufnahmen ab. Die Landschaft geheimnisvoll, geprägt von rauem Charme, verwildert, aber nie strahlend schön. Eine von der Außenwelt abgeschiedene Sphäre, ohne funktionalen Stadtraum. Ebenso die Gesichter der Jugendlichen, auf denen kein einziges Mal ein Lächeln zu erkennen ist.

Gesichter von Jugendlichen auf der Suche nach Identität

„Die Porträts sollen zum Verweilen einladen“, sagt Janina Wick. „Würden uns von allen Seiten Menschen angrinsen, wäre das geradezu unheimlich.“

Janina Wick studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg sowie an der Fachhochschule Hannover. Das Gelände um die ehemaligen Industrieanlagen direkt an der Spree entdeckte sie eher zufällig, war jedoch von der Natur zwischen Gittern und Scherben sofort begeistert.

Und von den Jugendlichen, die hier ungestörte Schlupflöcher fanden, bis der Ort 2018 für Wohnungsbau geräumt wurde. „Ich habe selbst als Jugendliche mit dem Fotografieren angefangen“, sagt Wick. „Heute habe ich auf die Dinge einen anderen Blick. Das, was ich gefühlt habe, ist nur noch Erinnerung.“ Es sei dieser Prozess des Erwachsenwerdens, der das Jugendalter besonders mache. Eine Zeit, in der sich die Wahrnehmung verändere.

In der Ausstellung werden auch zwei Filme gezeigt

„Die Bilder wecken Assoziationen in uns, was wir selbst einmal gefühlt haben“, sagt die 43 Jahre alte Künstlerin. „Jedes Porträt sendet eigene Signale aus.“ Die fotografische Porträtserie ist die letzte Ausstellung zu dem Jahresthema „Körper/Identitäten“ der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn in der Galerie im Marstall.

Die Bilder betonen nicht nur die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen, sondern geben den Individuen Raum sich darzustellen, frei von Vorurteilen und Milieu-Zuweisungen. Abgerundet werden sie durch zwei Filme, die parallel als bewegte Bilder gezeigt werden. „Ich habe dieses Format schon an anderer Stelle mit Erfolg ausprobiert“, sagt Janina Wick. „Jugendliche in Bewegung zu porträtieren schafft Nähe und wird ihnen mehr gerecht.“