Stormarn
Ermittlungen

Tod bei Polizeieinsatz in Ahrensburg: Ursache weiter unklar

Am Tatort in Ahrensburg sind drei Kerzen aufgestellt.

Am Tatort in Ahrensburg sind drei Kerzen aufgestellt.

Foto: René Soukup

55-Jähriger konnte nicht mehr reanimiert werden. Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs Beamte. Untersuchung kompliziert.

Ahrensburg.  Vor dem Haus an der Straße Bahntrasse mit der Nummer 39 in Ahrensburg sind am Montagmorgen drei Kerzen aufgestellt, dazwischen ist ein Blumenstrauß abgelegt, ein weiterer liegt auf einer gelben Warnweste, die am Zaun befestigt ist. Wer das gemacht hat, ist nicht bekannt – am Tatort, wo in der Nacht zu Freitag ein 55-Jähriger starb. Wie berichtet, lieferte sich der Ahrensburger eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, wurde gestoppt, griff die Beamten an und erlitt bei der Fixierung einen Kreislaufstillstand. Auch die Reanimationsversuche eines Notarztes konnten sein Leben nicht mehr retten.

Betroffene Beamte derzeit nicht im Dienst

Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt gegen sechs Beamte aus Ahrensburg, die der Polizeidirektion Ratzeburg zugeordnet sind, wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Es sind jene Ordnungshüter, die den Mann aus dem VW Crafter, einem Transporter, um 2.26 Uhr herausholten. Um die Situation in den Griff zu bekommen, hatten die Polizisten auch Handschellen eingesetzt. Das bestätigte jetzt der zuständige Oberstaatsanwalt Christian Braunwarth.

Noch hat der Jurist die Polizisten nicht zu den Geschehnissen befragt, sagt: „Der Tatvorwurf ist so gravierend, dass ein Pflichtverteidiger für jeden von ihnen zu bestellen ist.“ Das werde nun angeschoben. Die Beamten sind derzeit nicht im Dienst. „Aus Gründen der Gesundheitsfürsorge. Ein Anlass für eine Suspendierung oder Freistellung bestand und besteht nicht“, sagt Stefan Muhtz, Sprecher der Polizeidirektion Lübeck. Wie viele Ordnungshüter an der Verfolgungsjagd beteiligt waren, also auch jene, die der sogenannten Fesselung fernblieben, will die Polizei nicht verraten.

Obduktion konnte nicht für Klarheit sorgen

Die Beamten hatten den Ahrensburger in der Nacht zu Freitag zum Anhalten aufgefordert, weil er zu schnell unterwegs war. Statt dem nachzukommen, drückte der Mann aufs Gaspedal. Erst nach zwei Schüssen auf einen Reifen des VW kam dieser auf der Straße Bahntrasse unweit des Ostrings zum Stehen. Freiwillig wollte sich der Mann danach aber nicht kontrollieren lassen und leistete nach Polizeiangaben erheblichen Widerstand. Nach dem Kreislaufstillstand starteten Beamte die Reanimation.

Woran er starb, steht noch nicht fest. „Die Obduktion hat nicht zur eindeutigen Klärung der Todesursache geführt“, sagt Christian Braunwarth. Folgeuntersuchungen wie eine feingewebliche durch die Rechtsmedizin würden folgen. Dann könne auch gesagt werden, ob der Ahrensburger unter Alkohol- oder sonstigem Drogeneinfluss gestanden habe. Der Lübecker Oberstaatsanwalt geht „von einem umfangreichen Gutachten aus“ und glaubt nicht daran, diese Woche Ergebnisse präsentieren zu können. Zum Fluchtgrund gibt es laut Braunwarth noch keine Erkenntnisse. Was er über den 55-Jährigen allerdings weiß: Der Mann sei alleinstehend und kinderlos gewesen. „Und er soll weitestgehend in seinem Fahrzeug gelebt haben.“