Stormarn
Bei Reinfeld und Grabau

Tierdrama in Stormarn: Hirsche verenden in Elektrozaun

Das Fell der Damhirsche (vorn) ist im Sommer rotbraun mit weißen Punkten, im Winter graubraun. In Stormarn leben Hunderte solcher Tiere.

Das Fell der Damhirsche (vorn) ist im Sommer rotbraun mit weißen Punkten, im Winter graubraun. In Stormarn leben Hunderte solcher Tiere.

Foto: Wolfram Kastl / picture alliance / dpa

Die Tiere hatten sich bei Reinfeld und Grabau mit dem Geweih in alten Schnüren verfangen, die Pferdehalter in der Natur hängen ließen.

Bad Oldesloe/Reinfeld. Vier Damhirsche sind in den vergangenen Tagen im Norden Stormarns qualvoll gestorben. Die Tiere hatten sich in der Nähe von Reinfeld und Grabau in Elektrozäunen verfangen, die Tierhalter gedankenlos auf ihren Weiden stehen gelassen hatten. Diese sogenannten Litzenzäune können jederzeit zur Todesfalle für das Wild werden.

Hirsche hatten sich mit ihrem Geweih verfangen

„Die Damhirsche verfangen sich mit ihrem Schaufelgeweih in den Drähten, geraten in Panik und strangulieren sich am Ende selbst“, sagt Stormarns Kreisjägermeister Uwe Danger aus Bad Oldesloer. Die erbärmlichen Bilder der verendeten Tiere sind für den pensionierten Polizisten, der seit mehr als vier Jahrzehnten auf die Pirsch geht, und seine Jagdkollegen keine Seltenheit. „Immer wieder finden wir tödlich verunglückte Damhirsche in Litzenzäunen, gerade im Herbst während der Paarungszeit“, sagt Kreisjägermeister Danger. Dabei lasse sich das qualvolle Sterben ohne großen Aufwand verhindern.

„Es ist verantwortungslos, wenn die Litzen nach der Räumung von Koppeln einfach hängengelassen werden“, sagt Danger. Die Leiter aus Edelstahl oder Kupfer, die mit weißem oder farbigem Kunststoff verwoben sind, führen keinen Strom mehr. „Die Besitzer könnten das Band problemlos aufrollen, das dauert höchstens eine Stunde“, sagt Uwe Danger. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass ausgerechnet Tierfreunde für diese Arbeit keine Zeit hätten.

Da die Elektrozäune vor allem bei Pferdebesitzern beliebt sind, steht die Kreisjägerschaft seit Jahren in Kontakt mit den Haltern und den Betreibern von Reiterhöfen in Stormarn. Regelmäßig werde auf das Problem hingewiesen. Doch offenbar ist die Einsicht immer noch nicht überall gereift.

Drei der jetzt verendeten Hirsche waren im Gebiet der Damwildhegegemeinschaft Reinfeld-Schadehorn unterwegs, der vierte Hirsch im Areal der Hegegemeinschaft Tralau-Borstel. Die Tiere waren teilweise noch jung, teilweise aber auch „im besten Alter“ von bis zu vier Jahren und etwa 60 bis 80 Kilogramm schwer. „Gute Zukunftshirsche“, wie es Uwe Danger in der Fachsprache ausdrückt. In Stormarn ist Damwild hauptsächlich nordwestlich der Autobahn 1 beheimatet.

Befreiung der kräftigen Tiere ist für Helfer gefährlich

Häufig wollen die Wildtiere, die während der Brunft im Oktober/November auch längere Strecken zurücklegen, zunächst mit den Litzen spielen. Wenn sich dabei die Schnur um das Geweih wickelt, können sich die Hirsche nicht mehr selbstständig befreien. Die Folge: ein meist stundenlanger Todeskampf.

„Es kommt immer mal vor, dass wir Jäger sie noch retten können“, sagt Uwe Danger. Das sei allerdings auch nicht ungefährlich, weil die kräftigen Tiere panisch reagieren. „Es eilen meist mehrere Jäger zu Hilfe, um das Tier während der Befreiungsaktion festzuhalten“, sagt Uwe Danger zum Abendblatt.

Spaziergänger sollen im Zweifelsfall die Polizei rufen

Häufig wird das im Elektrozaun gefangene Wild allerdings nicht rechtzeitig entdeckt. Denn Besitzer und Pächter kontrollieren ihre leeren Koppeln in der kalten Jahreszeit nicht mehr täglich. Wenn Passanten Tiere sehen, die sich in Schnüren verheddert haben, sollten sie über den Notruf 110 die Polizei verständigen. Uwe Danger: „Dort sind die zuständigen Jäger bekannt, die sofort informiert werden.“ Am Besten sei es allerdings, wenn sämtliche Litzen nach gebrauch abgebaut würden.