Stormarn
Oststeinbek

Afghanistan-Verein sucht neue Ehrenamtler

Diese Mädchen haben dank der Oststeinbeker Hilfe bessere Bildungschancen. Das Foto ist auch Bestandteil des Kalenders 2020, den der Verein vertreibt.

Diese Mädchen haben dank der Oststeinbeker Hilfe bessere Bildungschancen. Das Foto ist auch Bestandteil des Kalenders 2020, den der Verein vertreibt.

Foto: Verein Afghanistan-Schulen

Organisation finanziert Schulbauten und Frauenzentren im Land am Hindukusch – und wünscht sich junge Mitglieder.

Oststeinbek. Der Oststeinbeker Verein „Afghanistan-Schulen“ leistet Großes: Durch sein Engagement sind in dem krisengeschüttelten und von zahlreichen Kriegen zerstörten Land Dutzende Bildungseinrichtungen entstanden. Damit die Arbeit auch erfolgreich fortgeführt werden kann, benötigt er mehr Ehrenamtler – insbesondere für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit.

Verein hat seit seiner Gründung viel erreichen können

Vor 35 Jahren gründete Ursula Nölle (1925-2019) den Verein und wurde später für ihren Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse gewürdigt. Nach dem Tod der Gründerin stellt er sich jetzt unter der Leitung der Oststeinbekerin Marga Flader für die Zukunft neu auf. Die 65-Jährige leitet „Afghanistan-Schulen“ bereits seit 2003 und hat Nölle sechsmal auf Reisen in das Land am Hindukusch begleitet. 25 Mal hat sie das Land bisher besucht. Immer in Gruppen. Zuhause in Oststeinbek gibt es viele Erinnerungsstücke an die Reisen: Auf dem Boden liegen geknüpfte Teppiche, bunte bestickte Kappen stapeln sich auf einem Schrank. Flader trägt ein traditionelles besticktes Kleid, dass Frauen extra für sie genäht haben. Zuletzt war Flader im Frühjahr mit einer Gruppe in Mazar-e-Sharif. Individuelle Reisen sind inzwischen viel zu gefährlich.

Der Verein hat in den dreieinhalb Jahrzehnten seit seiner Gründung viel erreicht: Mehr als 60 Schulen und mehrere Frauenzentren und ein Ausbildungszentrum für Schüler ab Klasse sieben wurden gebaut. Eines der Frauenzentren liegt in der 50.000-Einwohner-Stadt Andkhoi. Hier lernen junge Frauen in 18-monatigen Kursen Lesen, Schreiben und Rechnen, dazu verschiedene Handarbeiten wie Nähen oder Stricken. So haben sie die Möglichkeit, selbst Geld zu verdienen, indem sie zum Beispiel im Auftrag Kleidung nähen.

Das Vereinsmotto lautet „Hilfe zur Selbsthilfe“

In Vorträgen und Workshops wird Wissen vermittelt aus den Bereichen Gesundheit und Hauswirtschaft. Es ist eine erfolgreiche Hilfe zur Selbsthilfe. In einem weiteren Ausbildungszentrum werden junge Leute auf ein Universitätsstudium vorbereitet. Damit das alles auch in Zukunft weiter laufen kann, benötigt der Verein weitere, aktive Mitglieder. „Zurzeit haben wir rund 110 aktive Mitglieder und eben so viele Fördermitglieder“, erklärt Flader. Sie alle sind wichtig. Die Hauptarbeit wird von 20 Aktiven geleistet, die sich in einem Arbeitskreis engagieren.

„Wir haben ein Leitbild erarbeitet“, erklärt Marga Flader. Dort ist festgehalten, wo der Verein hin will: Das staatliche Schulsystem in Afghanistan soll unterstützt und eigene Ausbildungsmaßnahmen angeboten werden. „Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet das Motto des Vereins. Durch mehrere Jahrzehnte andauernde Kriege war es einer ganzen Generation nicht möglich, Bildung zu erwerben. Die Analphabetenquote lag 2015 bei knapp 62 Prozent. Das will der Verein mit dem Bau der Schulen und Ausbildungszentren ändern.

Für die Ehrenamtlichen fällt viel Verwaltungsarbeit an

Für Großprojekte werden öffentliche Mittel beantragt. „Aktuell haben wir einen Drei-Jahres-Vertrag mit dem Hilfswerk Misereor geschlossen, der die Arbeit an zwei Projekten sichert“, berichtet Flader. Das sind das Ausbildungszentrum und die Frauenprojekte. Allein für das Ausbildungszentrum gibt Misereor 480.000 Euro für die drei Jahre. Weitere 80.000 Euro an Spenden steuert der Verein bei. „Ohne Eigenbeteiligung erhalten wir keine öffentlichen Mittel“, erklärt die engagierte Oststeinbekerin.

Für die Ehrenamtlichen bedeutet all das auch viel Verwaltungsarbeit. Projektbegleitung, Buchhaltung und das Ausstellen von Spendenbescheinigungen sind hier nur einige Stichworte. „Wir brauchen mehr Leute für die Öffentlichkeitsarbeit“, so Flader. Aktive könnten zum Beispiel Aktionen starten und durch Fundraising neue Spenden werben. Auch das Thema soziale Medien spielt zunehmend eine Rolle. Um auf diesem Weg Spenden eintreiben zu können, benötigt der Verein jüngere Mitglieder, die sich auf diesem Gebiet auskennen.

Wer sich für die Arbeit des Vereins interessiert, ist eingeladen, entweder zu einem der Arbeitskreis-Treffen zu kommen oder kontaktiert Marga Flader unter Telefon 040/712 24 67 oder 0160/581 34 73. Gelegenheit, Einblicke in das Leben in Afghanistan und die Projekte des Vereins zu halten, gibt es am Freitag, 8. November, im Kulturhof Dulsberg (Alter Teichweg 200). Dort wird ab 18.30 Uhr ein Afghanistan-Abend gefeiert, den der Verein ausrichtet. Bei diesem Treff wird auch ein Film gezeigt, den Marga Flader im Frühjahr in Mazar-e-Sharif gedreht hat. Alle Infos zum Verein unter www.afghanistan-schulen.de.

Der Verein hat 110 Fördermitglieder

Der Verein Afghanistan-Schulen wurde im Jahr 1984 von Ursula Nölle (1925-2019) gegründet. Unter dem Motto „Lernen für eine bessere Zukunft“ sorgt die Organisation für den Bau von Schulen, Frauen- und Ausbildungszentren in Afghanistan in der Region um die Städte Andkhoi und Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans. Das Landesbüro befindet sich in Kabul. Der Verein hat derzeit je 110 aktive und Fördermitglieder. Er ist als gemeinnützig anerkannt. Kontakt zum Verein gibt es über die Vorsitzende Marga Flader unter Telefon 040/712 24 67 oder 0160/581 34 73. Oder per Mail an flader@afghanistan-schulen.de, www.afghanistan-schulen.de.