Stormarn
Nachverdichtung

Reinbeker Politik stoppt Bauvorhaben nach Bürgerprotesten

Michael Koch (v. l.), Hans Jürgen Heitmann, Georg Przewloka, Peter Lukiewki und Hans-Jörg Carstensen hatten gegen die Baupläne protestiert: Sie wollen das dörfliche Idyll in ihrem Ort bewahren.

Michael Koch (v. l.), Hans Jürgen Heitmann, Georg Przewloka, Peter Lukiewki und Hans-Jörg Carstensen hatten gegen die Baupläne protestiert: Sie wollen das dörfliche Idyll in ihrem Ort bewahren.

Foto: dörte hoffmann / Dörte Hoffmann

Die Mitglieder des Reinbeker Bauauschusses sorgen jetzt einstimmig für den Erhalt von Grünflächen und des Baumbestandes.

Reinbek. Historisches Kopfsteinpflaster, vier Eichen, die vermutlich schon zu Napoleons Zeiten dort standen und heute Naturdenkmäler sind, vereinzelt Häuser mit Fachwerk und ein freier Blick auf die Felder des Lohbrügger Hofes, bewirtschaftet von Landwirt Hans-Jörg Carstensen: Die Lohbrügger Straße gleich rechts hinter der Ortseinfahrt ist ein wahres Idyll, das viele Anwohner in Gefahr sehen (wir berichteten). Neon-orangefarbene Pflöcke hatten sie darauf aufmerksam gemacht, dass dort gebaut werden sollte.

40 Anwohner machten ihrem Ärger bei der Sitzung Luft

Nun kamen etwa 40 Zuhörer zur jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses. Eindringlich baten die Anwohner die Politiker, die Grünfläche zwischen Lohbrügger Straße und Kreisstraße 80, im Osten begrenzt durch die Hamburger Straße, zu erhalten – vor allem die vier alten Eichen. „Die beim Stadtcheck am häufigsten genannten Gedanken waren der Erhalt der Grünflächen und der Gewässer“, mahnte einer der Bürger.

Die FDP stellte den Antrag, dort einen Bebauungsplan samt Veränderungssperre aufzustellen. Denn bisher gilt das Areal als Außenbereich und daher dort der Paragraf 34 des Baugesetzbuches: Es darf nachverdichtet werden. Der Neubau sollte sich in die Bebauung einfügen und das Ortsbild nicht beeinträchtigen, heißt es dort.

Nachverdichtung soll nun auf anderen Flächen erfolgen

„Bei einer Beurteilung nach Paragraf 34 gucken wir nicht nur bis zur nächsten Ecke“, sagte Stadtplanerin Sabine Voss. „Das Ortsbild kann ganze Straßenzüge umfassen.“ Sie bestätigte, dass die Bauvoranfrage positiv beschieden worden sei. Und berichtete auf Nachfrage, dass dort zwei Einzelhäuser geplant seien. Ebenso wie Lars Fleckenstein (Forum 21) und Christian Bode (FDP) kritisierte Marc Beckmann (Grüne), dass das Bauamt derartige Voranfragen nicht der Politik vorlege, so der Politik das Mitbestimmungsrecht entzogen werde. „An dieser Stelle ist der Paragraf 34 kein adäquates Mittel, um Lücken zu schließen“, sagte Volker Dahms (FDP), Vorsitzender des Bauausschusses. Alle Fraktionen sprachen sich für Nachverdichtung aus, jedoch nicht an dieser Stelle.

Untere Naturschutzbehörde hatte keine Einwände gehabt

Volker Müller (SPD) erkundigte sich nach dem Abstand des geplanten Gebäudes zu den alten Eichen: „Gelten hier die 30 Meter Mindestabstand zum Wald?“, fragte er. Sabine Voss entgegnete darauf mit den Worten: „Dieser Abschnitt ist nicht als Wald eingestuft. Deshalb war die Untere Naturschutzbehörde als Fachbehörde eingeschaltet, die nichts gegen das Vorhaben einzuwenden hatte.“ Daher sei die Bauvoranfrage auch positiv beschieden worden.

Mit einem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan und einer Veränderungssperre sorgte die Politik einstimmig dafür, dass das Projekt gestoppt wird. Die Grünfläche bleibt erhalten.