Stormarn
Vorsitzende im Interview

Jubiläum: 30 Jahre Museumsverein Reinbek

Gisela Manzel zeigt einen Löffelbohrer aus der Stellmacherei von Johannes Märker aus Schönningstedt. Er gehört zu den ersten Objekten des Vereins.

Gisela Manzel zeigt einen Löffelbohrer aus der Stellmacherei von Johannes Märker aus Schönningstedt. Er gehört zu den ersten Objekten des Vereins.

Foto: Susanne Tamm

Der Museumsverein Reinbek blickt nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft: Dafür braucht der Verein jüngere Mitstreiter.

Reinbek. Was Gisela Manzel, Vorsitzende des Museumsvereins Reinbek, zum 30. Geburtstag ihres Vereins erklärt, ist nur scheinbar ein Widerspruch: „Unser Thema ist eigentlich die Zukunft. Denn es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit“, sagt sie und erläutert, warum sie das Thema Geschichte fasziniert: „Innerhalb der eigenen Familie ist die Vergangenheit sowieso wichtig, aber auch das Leben um uns herum hat immereinen Ursprung. Alle bringen etwas mit, was zur Geschichte beiträgt, sie prägt. Das Wissen darum und das Verständnis dafür geben Geborgenheit und Sicherheit.“ Seit mehr als 30 Jahren schon setzt sich die 80-Jährige mit Reinbeks Stadtgeschichte auseinander.

Ob Baumspaziergänge, die beliebten „Weißt-Du-noch?-Treffen“ oder die Mitmachausstellungen für Kinder im Museum Rade: Für viele Besucher sind diese Begegnungen mit der Geschichte, die der Museumsverein organisiert hat und während derer die Vergangenheit erlebbar wurde, unvergessen. „Weit über 10.000 Grundschulkindern haben wir das Leben unserer Großeltern und ihrer Vorfahren nähergebracht“, erzählt Gisela Manzel. „Das war eine erfüllte Zeit und hat viel Spaß gemacht. Aber es war immer ein Riesenaufwand.“ 20 der Mitmachausstellungen im Museum Rade haben die Ehrenamtlichen bis 2012 auf die Beine gestellt, in den umliegenden Grundschulen beworben und während der Besuche betreut.

Gesucht: Jüngere, die sich ehrlich für Geschichte interessieren

Gisela Manzel bedauert, dass einige der Angebote aus Altersgründen der Mitglieder eingestellt werden mussten. „Leider können wir auch keine Rundgänge mehr anbieten“, sagt sie. „Da gibt es noch so viel zu erzählen, und wir könnten so viele Fragen beantworten. Wir haben das Wissen, die Dokumente und die Kontakte.“ Doch die Beine machten nicht mehr mit. „Deshalb braucht der Verein jüngere Menschen, die sich ehrlich für die Geschichte ihrer Stadt interessieren“, stellt sie fest.

Gisela Manzel kam selbst wie die Jungfrau zum Kinde zum Vereinsvorstand. Zu Beginn wollte sie nur beim Arbeitskreis Stadtgeschichte mitmachen, den der Volkshochschulleiter Jörg Talanow 1983 ins Leben rief. Gemeinsam mit einer ABM-Kraft recherchierte der Kreis aus Otto Hartwig Harders, Eckart Bünning, Hans-Peter Bünger und Gisela Manzel Reinbeks Vergangenheit.

Wo sind die kleinen Besucher der Mitmachausstellungen heute?

„Zuerst war ich enttäuscht, denn außer dem Schloss und dem Kloster gab es ja nichts – nur ein paar Häuser“, erzählt die Reinbekerin. Das änderte sich aber bald, als die Hobby-Historiker sich auf die Zeit vor gut 100 Jahren konzentrierten. Zur 750-Jahr-Feier der Stadt organisierte das Team eine erste Ausstellung. Plötzlich hatten sie jede Menge Sammlungsobjekte: Aus der alten Stellmacherwerkstatt von Johannes Märker in Schönning­stedt, aus dem Haushalt von Else Scharnberg und dem von Magda Kohlisch. „Irgendwann sagte jemand, wenn ihr das aufnehmen und verwalten sollt, müsst ihr einen Verein gründen“, erinnert sich Gisela Manzel.

Nach der Gründungssitzung ging sie erst einmal in die Buchhandlung Erdmann und kaufte das Heft: „Wie führe ich einen Verein?“ Sie ist heute noch Vorsitzende, Hans-Peter Bünger ihr Vize. Zweiter Stellvertretender ist ihr Sohn Frank. Der unterstützt vor allem in Sachen Homepage ( www.museumsverein-reinbek.de ), arbeitet aktuell an der jüngsten Vereins-Publikation „Wege, Straßen, Brücken und Plätze in Reinbek“, die aus einer der 17 Ausstellungen hervorgegangen ist („Asphalt, Sand und Kopfsteinpflaster“, 2004). Auf diese und vieles mehr können die Gäste des Geburtstagstreffens am 7. November ab 18 Uhr im Jürgen-Rickertsen-Haus, Schulstraße 7, zurückblicken. Auch interessierte Gäste sind dazu eingeladen. Besonders würde sich Gisela Manzel auch über ehemalige Grundschüler freuen, die bei den Mitmachausstellungen dabei waren (E-Mail: kontakt@museumsverein-reinbek.de ). Denn wie immer gilt der Blick der Ehrenamtlichen auch der Zukunft.