Stormarn
Projekt Stadtmarketing

Stadtmarketing soll Ahrensburg attraktiver machen

Der Rathausplatz in Ahrensburg wird bislang als Stellfläche für Autos genutzt. Diese Funktion könnte auf Sicht wegfallen, um den Verkehr in der Innenstadt zu reduzieren.

Der Rathausplatz in Ahrensburg wird bislang als Stellfläche für Autos genutzt. Diese Funktion könnte auf Sicht wegfallen, um den Verkehr in der Innenstadt zu reduzieren.

Foto: Ralph Klingel-Domdey / HA

Weniger Autos im Zentrum, dadurch mehr Aufenthaltsqualität. Lob vom Bürgermeister für neue Stadtmarketing-Ideen.

Ahrensburg. Zustimmung und Gesprächsbereitschaft, aber auch die Mahnung, noch mehr zu tun: das sind die Reaktionen aus Ahrensburgs Politik und Verwaltung auf die Vorschläge der Fraktionen von CDU, Grünen und WAB für ein Stadtmarketing . „Ich begrüße sehr, dass das Projekt neu belebt wird und unterstütze die Ideen“, sagt Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach, dem die drei Fraktionen ihr Konzept für die Schlossstadt nun vorgestellt haben.

Wie das Abendblatt berichtete, wollen CDU, Grüne und WAB die Innenstadt unter anderem dadurch attraktiver machen , dass künftig weniger Autos im Zentrum unterwegs sind. Dafür sollen Parkplätze wegfallen. Denkbar sind etwa die Stellflächen rund um das Rondeel an Hamburger Straße, Manhagener und Hagener Allee sowie die Parkflächen auf dem Rathausplatz.

Sarach auch offen für Posten eines Citymanagers

Stattdessen soll es auf den frei werdenden Flächen Konzerte, Ausstellungen und Sitzmöglichkeiten geben, um Einheimische und Auswärtige zum Verweilen und Einkaufen zu bewegen. Diese soll ein Citymanager organisieren, der sich auch um Leerstände bei Handelsflächen kümmern soll. „Wir wollen den Verkehr aus dem Zentrum rausnehmen, die gewonnene Flächen neu gestalten und dort mit besonderen emotionalen Erlebnissen die Lebensqualität für die Menschen erhöhen“, sagt Nadine Levenhagen, Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Die Menschen sollen dann als Botschafter ihr positives Bild der Stadt weitertragen.“ Auch ein Lieferservice für Einkäufe und eine Ahrensburg Card für Rabatte bei Einkäufen und Parkgebühren schlagen die Fraktionen vor.

„Diese Ideen sind schön und ein Baustein für ein Stadtmarketing“, sagt Bürgermeister Sarach. Er sei auch offen für den Posten eines Citymanagers. „Wichtig ist, seine Qualifikation und die Kosten dafür zu klären. Und er darf nicht in Konkurrenz treten zu anderen Akteuren die Events organisieren, etwa das Stadtfest.“ Michael Sarach mahnt aber auch: „Ein Stadtmarketing ist mehr als das, was die Fraktionen nun präsentiert haben. Dies sind eher Ideen für die Entwicklung der Innenstadt. Wir brauchen aber ein ganzheitliches Konzept, das über die Innenstadt hinaus auch die Wirtschaft mit einbezieht, die Entwicklung der Gewerbegebiete, die Förderung von Kultur und Vereinen.“

Ahrensburger Kaufleute reagieren zunächst verhalten

In eine ähnliche Richtung geht auch die Kritik von Thomas Bellizzi, Fraktionsvorsitzender der FDP, an den Ideen von CDU, Grünen und Grünen. „Sie sind nicht der große Wurf und haben mit Stadtmarketing nur anteilig zu tun als eine Innenstadtförderung“, sagt der Stadtverordnete. „Wir brauchen eine große Lösung. Ein Stadtmarketing muss Ahrensburg als Marke definieren und die ganze Stadt sehen. Sie muss etwa auch die Gewerbegebiete berücksichtigen.

Der Idee eines Citymanagers stimmt Bellizzi zu. Ebenso dem Vorschlag, die Aufenthaltsqualität im Zentrum zu verbessern. Diese und andere Punkte seien aber schon in dem früheren Stadtmarketingkonzept enthalten gewesen. Der Hintergrund: Eine Steuerungsgruppe aus Politikern, Wirtschafts- und Verwaltungsvertretern hatte über zwei Jahre lang ein Konzept mit der Beratungsfirma Cima aus Lübeck entwickelt. Dieses war im Frühjahr von CDU, Grünen und WAB – sie alle waren in der Gruppe vertreten – sowie den Linken gestoppt worden, unter anderem wegen zu hoher Kosten.

SPD ist offen und gesprächsbereit gegenüber neuem Konzept

„Die Vorschläge der anderen Fraktionen sind insofern nichts Neues, sie hätten schon viel früher beschlossen werden können“, sagt Thomas Bellizzi. „Und vor allem darf es bei ihnen nicht bleiben.“ Die FDP bevorzuge weiterhin das bereits mit der Cima entwickelte vorliegende und umfassende Konzept der Steuerungsgruppe

Für die Ahrensburger SPD wiederum sagt deren Fraktionsvorsitzender Jochen Proske: „Es ist gut, dass es bei dem Thema endlich vorwärts geht und die drei Fraktionen neue Vorschläge machen, nachdem sie den Wagen erst an die Wand gefahren haben.“ Die SPD sei offen und gesprächsbereit gegenüber dem Konzept von CDU, Grünen und WAB.

„Auch wir sind dafür, das Zentrum zum Einkaufen und Verweilen attraktiver zu machen und mehr Menschen dorthin zu locken“, sagt Proske. Allerdings müsse man sich immer auch Gedanken über die Alternativen machen, etwa beim Straßenverkehr. „Es reicht nicht, möglichst wenig Autos in der Innenstadt zu wollen, es muss dann auch Parkmöglichkeiten rund um das Zentrum geben.“ CDU, Grüne und WAB hatten dafür einmal mehr die geplante Tiefgarage unter dem Stormarnplatz genannt. Jochen Proske sagt dazu: „Diese Tiefgarage soll schon die wegfallenden Parkplätze von Lindenhof und Reitbahn ersetzen. Irgendwann hat sie ihre Kapazitätsgrenze erreicht.“

Bedarf an Parkplätzen wird derzeit ermittelt

Der SPD-Stadtverordnete verweist auf eine Untersuchung über den Bedarf an Parkplätzen in Ahrensburg und die Gründe, sie zu nutzen. Diese Untersuchung sei von allen Fraktionen bei der Verwaltung in Auftrag gegeben worden. „Die Ergebnisse kommen hoffentlich bald, damit die Politik detaillierte Informationen für Entscheidungen hat.

Jochen Proske kann sich vorstellen, dass die SPD zustimmt, einen Citymanager einzustellen. Auch ihm ist dabei wichtig, dessen Verhältnis zu den anderen Akteuren in der Stadt zu klären. Und er gibt zu bedenken: „Im Kampf gegen den Leerstand von Geschäften wird sein Einfluss begrenzt sein, hier ist vor allem die private Wirtschaft gefragt.“

Die Ahrensburger Kaufleutevereinigung Stadtforum will sich derzeit auf Abendblatt-Anfrage nicht zum Konzept der drei Fraktionen äußern, sondern zunächst abwarten. „Wir sind gespannt, was demnächst konkret schwarz auf weiß in die politischen Gremien eingebracht wird“, sagt Götz Westphal, Vorsitzender des Stadtforums.

CDU, Grüne und WAB planen, ihr Konzept zur Sitzung am 18. November in den Hauptausschuss einzubringen und dort zu beraten. Vorher wollen sie noch Anregungen aus Wirtschaft und Stadtverwaltung einarbeiten.