Stormarn
Personalnot

Wann öffnet der Jugendtreff in Glinde?

Das neue Jugendzentrum am Oher Weg ist fertig eingerichtet. Doch die Jugendlichen müssen noch darauf warten.

Das neue Jugendzentrum am Oher Weg ist fertig eingerichtet. Doch die Jugendlichen müssen noch darauf warten.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Das neue Jugendzentrum hat 1,2 Millionen Euro gekostet. Doch noch ist der Treffpunkt geschlossen. Glindes Personal reicht nicht aus.

Glinde.  Rund 1,2 Millionen Euro hat die Stadt Glinde in das neue Jugendzentrum gesteckt. Dafür wurde die einstige Gaststätte Jever Deel grundlegend umgebaut. Im Keller könnten jetzt Musikbands nach Herzenslust proben. Wo früher die Kegelbahn war, könnten sie ihre Instrumente und Geräte lagern und auch der Hausmeister würde noch ausreichend Lagerplatz finden. Eine neue Küche im Erdgeschoss, dazu Kiosk und Bar – alles ganz in Weiß – warten darauf, dass die Jugendlichen sich hier treffen, ausgiebige Koch-Sessions feiern.

Doch sie müssen weiter auf den neuen Treffpunkt warten. Denn anstatt wie geplant im August zu öffnen, gibt es noch nicht einmal einen neuen Eröffnungstermin: Glindes Personal reichte nicht mehr aus, um das neue Jugendzentrum zu betreiben. „Wir müssen den Termin auf unbestimmte Zeit verschieben“, bedauerte Bürgermeister Rainhard Zug. und zog schon vor den Sommerferien die Notbremse.

Unendliche Geschichte: Die Jugend muss warten

Zu der Personalmisere kam es, als Carsten Helms, zuständig für alle Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Glinde, zum Vorsitzenden des Personalrates gewählt und damit freigestellt worden ist. Zusätzlich verabschiedete sich noch eine Mitarbeiterin in die Elternzeit.

Die unendliche Geschichte begann aber schon vorher: Verzögert hatten sich die Arbeiten, die eingebunden waren in die Sanierung der Sporthallen rechts und links neben dem Eingang des künftigen Jugendzentrums, weil die Flüchtlingswelle auch Glinde erreichte. Das war 2015, als die Stadt entschied, die Räume als Notunterkunft zu nutzen. Anfang 2019 sprangen auch noch die Fliesenleger ab und die Arbeiten mussten neu ausgeschrieben werden. Dann kam die Hiobsbotschaft, dass erst neue Mitarbeiter gefunden werden müssten.

Vier Bewerbungen sind eingegangen

Seit 2013 ist die Kinder- und Jugendarbeit der Stadt zentralisiert und ein Team mit fünf Mitarbeitern kümmert sich um alle Standorte: die Begegnungsstätte Spinosa am Schlehenweg, den Kindertreff Gutshaus an der Möllner Landstraße, das Spielmobil – und auch um das neue Jugendzentrum am Oher Weg. Die Leitung des Teams übernahm Carsten Helms’ Stellvertreterin Charlotte Ridinger.

Für Helms wurde bereits eine neue Mitarbeiterin eingestellt. Auf die Ausschreibung der stellvertretenden Leitung seien nun vier Bewerbungen eingegangen, berichtet Marianne Gothe, Personalleiterin der Stadtverwaltung. „Da werden wir jetzt zu Gesprächen einladen.“ Außerdem soll demnächst noch eine zusätzliche Teilzeitstelle ausgeschrieben werden.

Der Markt an Sozialarbeitern: leer gefegt

„Der Markt an Sozialarbeitern ist leider leer gefegt“, bedauert Amtsleiter Bernd Mahns. Die Sozialpädagogen könnten sich ihre Stellen heute aussuchen. Das bestätigt Marianne Gothe zwar, doch sie berichtet, dass Glinde als Arbeitgeber durchaus attraktiv sei: „Wir sind im öffentlichen Dienst natürlich tarifgebunden. Aber wir bieten auch leistungsorientierte Bezahlung.“ Dafür werde vorab zwischen dem Mitarbeiter und dem Vorgesetzten ein Ziel vereinbart. „Und wird dies beispielsweise nach einem Jahr erreicht, wird es extra vergütet.“ Außerdem habe die Stadtverwaltung ein sehr gutes Gesundheitsmanagement und biete eine betriebliche Zusatzrente. Bernd Mahns habe aber insofern Recht, dass sich Glinde selbstverständlich erst mit einem Bewerber einigen müsste. Daher kann auch sie nicht sagen, wann das Team wieder vollständig sein wird.

Also müssen die Jugendlichen noch warten. Sie müssen sich mit der Spinosa und mit ihren inoffiziellen Treffpunkten in der Tiefgarage des Mühlencenters oder an der Ecke zwischen Marktplatz und Engelspark begnügen. Vorab, während der Sommerferien, durften sie aber schon einmal ihr neues Jugendzentrums mitgestalten. Sie bauten Lounge-Möbel und eine Bar aus Paletten für die Terrasse, besprühten Wände und Bilder mit Graffiti für die Dekoration ihres Treffpunktes. Außerdem schraubten sie Pflanzkästen zusammen, die sie bunt bemalt haben. In einem ersten Schritt zum „Urban Gardening“ sollen die Kinder dafür Blumen und Pflanzen aussuchen. Auch Obst und Gemüse sollkünftig im Juz-Garten geerntet werden.

Auch die Jugendlichen dürfen mitbestimmen

Seit 2017 ist der Jugendbeirat in die Planungen einbezogen gewesen. 120 junge Glinder hatten schon zuvor in einem Workshop ihre Wünsche und Ideen gesammelt. Jetzt warten sie darauf, sie endlich umsetzen zu können.