Stormarn
Prozess

Kinderpornos: Reinbeker hortete 1200 Bilder und Videos

Der Prozess wurde vor dem Amtsgericht in Reinbek verhandelt

Der Prozess wurde vor dem Amtsgericht in Reinbek verhandelt

Foto: HA

41-Jähriger verbreitete Dateien in Chats. Er wehrt sich gegen Strafbefehl, weil er die Geldauflage nicht bezahlen kann.

Reinbek. Weil er fünfmal kinderpornografische Bilder und Videos mit seinem Smartphone in einen Gruppenchat gestellt hatte, war die Kripo dem heute 41 Jahre alten Reinbeker Siegfried Z. (Name geändert) auf die Spur gekommen. Bei einer Durchsuchung fanden die Ermittler im Juli 2017 mehr als 1200 Bild- und Videodateien, die unter anderem auf CDs gebrannt waren.

Die Folge war im Mai dieses Jahres ein Strafbefehl wegen Verbreitung, Erwerbs und Besitzes kinderpornografischer Schriften mit einer Bewährungsstrafe von neun Monaten. Weil die Verteidigung gegen die zusätzliche Auflage, 800 Euro in monatlichen Raten von 50 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund zu zahlen, Einspruch einlegte, beschäftigte sich das Amtsgericht Reinbek jetzt erneut mit dem Fall.

Angeklagter gibt an, sich aus der Szene gelöst zu haben

Verteidiger Arne Timmermann begründete den Vorstoß so: „Wegen der Zahlungsauflage droht mein Mandant früher oder später im Knast zu landen, weil er sie nicht erfüllen kann.“ Nach langer Drogensucht lebt und arbeitet Siegfried Z. seit einigen Jahren in einer Betreuungseinrichtung. Dort erhalte er monatlich lediglich ein Taschengeld von 112 Euro. „Fast die Hälfte des Geldes wäre für die Bewährungsauflage weg“, sagte der Rechtsanwalt.

Der Angeklagte betonte, dass er nach ständigem Cannabis-Konsum jetzt clean sei und nichts mehr mit Pädophilenkreisen zu tun habe. „Ich habe mich von den Leuten komplett ausgeklinkt“, sagte Siegfried Z., „und auch eine neue Handynummer, die denen nicht bekannt ist.“ Außerdem wünsche er, eine Therapie zu machen.

Jahrelanger Cannabis-Konsum hat Spuren hinterlassen

An diesem Punkt hakte die Staatsanwältin ein: „Das haben Sie schon 2017 während der Vernehmung gesagt.“ Doch passiert sei seitdem nichts. Er habe keinen passenden Platz gefunden, entgegnete Z. Familiäre Rückschläge seien hinzugekommen. Jetzt sei er aber bereit. Sein Verteidiger ergänzte, dass der langjährige Cannabiskonsum zu einer „schwerwiegenden Antriebsschwäche“ geführt habe. „Ohne die Hilfe des gesetzlichen Betreuers und des Bezugsbetreuers in der Einrichtung geht nichts“, so Arne Timmermann.

Strafrichterin Nele Rades-Walther erkundigte sich beim Angeklagten noch nach dessen Verhältnis zu seinen eigenen drei Kindern. Ebenso wie die Staatsanwältin ging sie schließlich auf den Wunsch ein, die Bewährungsauflage zu ändern. „Der Angeklagte sollte sich in Absprache mit seinen Betreuern einen Therapieplatz suchen, antreten und nicht eigenmächtig gegen ärztlichen Rat abbrechen“, so die Staatsanwältin.

Das Gericht verlange Nachweise, dass er seine pädophilen Neigungen ernsthaft aufarbeite, bekräftigte die Richterin. „Nutzen Sie diese Chance“, gab sie dem 41-Jährigen mit auf den Weg. „Wenn von Ihnen nichts passiert, sehen wir uns hier bald wieder.“