Stormarn
Streitschlichtung

Reinbek hat zwei neue Friedensrichterinnen

Die einen gehen, die anderen kommen (v. l.): Katrin Schnack (62) und Birgit Lebedicker (62) sind heute morgen am Amtsgericht Reinbek vereidigt worden. Vorgängerinnen Traudl Bentz (74) und Andrea Bachstein-Unglaube (61) geben das Buch über Nachbarschaftsrecht und die Büroschlüssel weiter.

Die einen gehen, die anderen kommen (v. l.): Katrin Schnack (62) und Birgit Lebedicker (62) sind heute morgen am Amtsgericht Reinbek vereidigt worden. Vorgängerinnen Traudl Bentz (74) und Andrea Bachstein-Unglaube (61) geben das Buch über Nachbarschaftsrecht und die Büroschlüssel weiter.

Foto: dörte hoffmann

Die Schiedsfrauen Katrin Schnack und Birgit Lebedicker sorgen in der Stadt im Süden Stormarns ab sofort für Kompromisse unter Nachbarn.

Reinbek. Zum Streit unter Nachbarn wurden Reinbeks ehemalige Schiedsfrauen Andrea Bachstein-Unglaube und Irmtraud Bentz am häufigsten gerufen. Die Schlichterinnen vermittelten häufig im Zwist um wuchernde Hecken oder störenden Zigarettenrauch, bevor das Gericht eingeschaltet werden musste. Nun haben die beiden ehrenamtlichen Friedensrichterinnen ihre Ämter an Nachfolgerinnen übergeben. Die Stadtverordnetenversammlung hat Birgit Lebedicker und Katrin Schnack im August für fünf Jahre gewählt, am Montag wurden sie im Reinbeker Amtsgericht vereidigt.

Neue Aufgabe als Vorbereitung für die Rente

„Als ich in meinem Beruf anfing, habe ich lange im Bereich des Zivilrechts gearbeitet. Die sinnlosen Streitereien zwischen Nachbarn fand ich gruselig“, sagt die 62-jährige Rechtspflegerin Lebedicker. Zudem gelte in Schleswig-Holstein: Bei einem Streitwert unter 700 Euro sollen sich die Parteien untereinander einigen, um Gerichte zu entlasten. Dabei will Birgit Lebedicker die Streithähne künftig unterstützen: „Ich habe ein großes Gerechtigkeitsempfinden und rechtliches Wissen, welches ich zwar nicht anwenden darf, das aber als Hintergrund von nutzen sein könnte.“ Für die Reinbekerin ist die neue Aufgabe bereits die Vorbereitung auf die Rente. „Meine Familie findet es großartig, dass ich diese Herausforderung annehme, mein Mann engagiert sich politisch“, erzählt Lebedicker. Gemeinsam mit Katrin Schnack (62) wird sie jetzt in Seminaren und Schulungen zu Mediation, Nachbarschaftsrecht oder Strafrecht auf ihre neue Rolle vorbereitet. Schiedsleute stiften Rechtsfrieden zwischen streitenden Nachbarn, können auch bei kleineren Delikten wie Beleidigung, Bedrohung und Hausfriedensbruch schlichten und sind die kostensparenden Helfer der Justiz. Recht sprechen dürfen sie jedoch nicht. Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten ist die Vermittlung sogar zwingend dem Gericht vorgeschaltet. Die Leistung kostet 20 bis 75 Euro nach Paragraf 45 der schleswig-holsteinischen Schiedsordnung. Die Schiedsleute erhalten davon nur einen kleinen Teil. Ein Vergleich ist ein rechtlich bindender Vertrag, auf den sich beide Parteien auch 30 Jahre später noch berufen können.

Ehemalige Schiedsfrau steht ihren Nachfolgerinnen zur Seite

„Das Wichtigste ist mir, Eskalationen zu vermeiden, die Menschen an einen Tisch zu bringen und in gegenseitigem Einverständnis auseinanderzugehen“, sagt Reinbeks zweite neue Schiedsfrau Katrin Schnack (62). Bis Ende vergangenen Jahres hat die ehemalige Redaktionsassistentin als Bindeglied zwischen Chefredaktion und Redaktion vermittelt. „Und ich bringe 30-jährige Erfahrung als Schiedsrichterin der Familie mit“, fügt die Mutter von drei Söhnen, darunter Zwillinge, hinzu.

Bei den ersten Fällen wird die ehemalige Schiedsfrau für den Bezirk Alt-Reinbek, Irmtraud Bentz, ihren Nachfolgerinnen noch zur Seite stehen. Dann wird die 75-jährige gelernte Industriekauffrau nach 16 Jahren Schlichten mit ihrem Mann reisen, die neun Enkelkinder reihum besuchen und Golf spielen. Während der Amtszeit von Irmtraud Bentz wurde nicht nur die Dokumentation von der Papierakte auf die elektronische Dokumentation am PC umgestellt, auch liefern die wachsenden Neubaugebiete heute andere Streitfälle als früher. „Immer mehr Leute kommen und sagen, sie wollten ihr Recht. Aber das eigene Recht endet dort, wo die Grenze des Nachbarn beginnt“, erzählt Bentz gegenüber dem Abendblatt. Und die Grundstücke in den Neubaugebieten seien sehr viel kleiner als die in gewachsenen Wohnvierteln mit Einzelbebauung.

Jeder Reinbeker kann einen Antrag stellen

„Bei dem Einzug pflanzt jeder sein Grundstück zu. Bald haben die Nachbarn dann kein Licht mehr in ihrem Wohnzimmer“, sagt die erfahrene Schlichterin. Sie wünscht sich, dass die Menschen mehr miteinander reden. „Etwas anderes machen wir hier auch erst einmal nicht. Und je enger es räumlich ist, desto mehr Verständnis und klare Absprachen brauchen Nachbarn untereinander“, so Bentz. Nicht alles sei im Nachbarschaftsrecht geregelt. „Auf Luft, Licht und Sonne haben Sie kein Anrecht“, habe laut Bentz mal ein Richter gesagt.

Jeder Reinbeker kann bei den Schiedsfrauen einen Antrag stellen. Für Reinbeks Außenbezirke erreichen Sie Katrin Schnack unter der Telefonnummer 0170/523 52 87 und für Reinbek-Stadt Birgit Lebedicker unter der Telefonnummer 040/722 87 55.

Mehr Informationen zum Verfahren erhalten Sie beim Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen (BDS), www.schiedsamt.de.