Stormarn
Porträt

Der Mann mit der 70-Stunden-Woche im Ehrenamt

Bankgespräch mit Pastor in der katholischen Gemeinde Zu den Heiligen Engeln in Glinde

Bankgespräch mit Pastor in der katholischen Gemeinde Zu den Heiligen Engeln in Glinde

Foto: Pia Rabener

In der Serie „Bank-Geheimnisse“ treffen wir Stormarner auf ihrer Lieblingsbank und stellen sie vor. Heute: Matthias Sacher aus Glinde.

Glinde.  Zwei Wochen im Jahr macht er sogar unentgeltlich den Hausmeister. Dann zupft Matthias Sacher zum Beispiel Unkraut oder mäht den Rasen auf dem Grundstück der katholischen Kirche „Zu den heiligen Engeln“ in Glinde. Der 52-Jährige ist Mitglied einer 20-köpfigen Arbeitsgruppe in der Gemeinde, die sich die Aufgaben teilt. Dadurch werden pro Jahr mehr als 5000 Euro eingespart. Geld, das lieber für die Seelsorge verwendet oder mit dem eine Sitzecke für den Jugendraum angeschafft wird. Diese Tätigkeit ist aber nur ein Bruchstück seines ehrenamtlichen Engagements, das in Höchstzeiten bis zu 70 Stunden Einsatz in der Woche fordert. „Obwohl ich das nie zusammenzähle. Ehrenamt ist die schönste Art, den Geist weiterzuentwickeln. Ich hätte sonst die Menschen um mich herum nie kennengelernt“, sagt Sacher.

Er ist Kirchenvorstand der Pfarrei Heilige Elisabeth, zweiter Vorsitzender des Kirchenfördervereins, Vorsitzender des Vereins „Leuchtendes Glinde“, Leiter eines katholischen Studentenwohnheimvereins in Hamburg, Vorstandsmitglied der Musikschule und vertritt Glinde im Zweckverband. Zudem engagiert sich Sacher in der CDU, deren Fraktionschef er früher gewesen ist. Sein Wirken hat sich bis nach Berlin herumgesprochen. Im vergangenen Jahr war er auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) Gast bei dessen Sommerfest für Menschen, die sich ohne Bezahlung besonders engagiert für das Gemeinwohl einsetzen.

2017 hat er seinen Baustoffhandel verkauft

Die Reise dorthin hat er übrigens aus eigener Tasche bezahlt, erzählt Sacher. Er sitzt dabei auf seiner Lieblingsbank vor der Glinder Kirche und berichtet von „drei ganz tollen Tagen in der Bundeshauptstadt“. Auch, weil seine Frau, eine Ärztin mit Praxis in Reinbek, und die drei Söhne im Alter von jetzt 14, 13 und acht Jahren dabei sein durften.

Die Familie ist ihm wichtig. Und vor allem ausreichend Zeit für sie zu haben. Das ist inzwischen der Fall, weil er es sich leisten kann. 2017 verkaufte Sacher seinen Baustoffhandel. Ein Familienunternehmen, 1951 vom Großvater gegründet, das er seit 2002 erfolgreich leitete. Jeden Morgen war er um 5.30 Uhr im Büro, der Arbeitstag endete selten vor 19 Uhr. „Das tut mit Kindern schon ein bisschen weh.“ Kaufangebote hatte es immer wieder mal gegeben. Den Entschluss, von der Firma loszulassen, forcierte ein Prokurist, der 2015 eine sechsstellige Summe veruntreute.

Schon als Jugendlicher hat er sich engagiert

Als Privatier bezeichnet sich der Glinder jedoch nicht, für die Praxis seiner Frau erledigt er schriftliche Angelegenheiten und verwaltet die Immobilie, die er an den neuen Firmeneigner vermietet hat. Den jüngsten Sohn begleitet Sacher morgens zur Schule, kümmert sich um den Haushalt und kocht auch für die Kinder: „Allerdings mit unterschiedlichem Erfolg.“

Matthias Sacher ist ein Macher, der gestalten will. Am besten zusammen mit anderen. So war es auch schon in seiner Jugendzeit – als Schülervertreter am Glinder Schulzentrum oder in der Jungen Union. Nach der mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker und schloss danach ein Ingenieurstudium ab, um dann im Familienbetrieb einzusteigen. Das Ehrenamt ließ ihn aber nicht los.

„Ich habe schon ein Verhältnis zum lieben Gott“, sagt er und nennt zugleich einen Beweggrund, sich in der Kirche zu engagieren. 1993 zog sich Sacher bei einem Sturz von der Leiter einen Schädelbruch zu. „Das war richtig eng.“ Danach macht er sich umso mehr Gedanken, was für ihm im Leben zählt und wie er seine Zeit verbringen will. Mit der Konsequenz, den Fernseher am Abend kaum noch zu nutzen. Stattdessen verbringt er viel Zeit in politischen Gremien, schiebt mit dem damaligen Bürgermeister Uwe Rehder den Marktplatzumbau und das Projekt Mühlencenter an. „Darüber wurde 20 Jahre diskutiert und mit der Neuwahl jeder Stadtvertretung alles wieder auf Null gestellt. Es war ein kleines Zeitfenster, wo wir was gemacht haben“, sagt er heute.

Seinen Oldtimer fährt er nur einmal pro Jahr

Um der Innenstadt in der Weihnachtszeit ein entsprechendes Ambiente zu verleihen, gründete Sacher den Verein „Leuchtendes Glinde“. Dieser organisiert die Weihnachtsbeleuchtung rund um den Marktplatz und generiert Spenden. Das Projekt kostet zwischen 3000 bis 6000 Euro pro Jahr. „Schon allein wegen der Geschäfte mussten wir handeln“, so Matthias Sacher, der bei der Definition des Wortes Glück andere in den Mittelpunkt stellt: „Ich freue mich, wenn die Menschen um mich herum friedlich miteinander umgehen.“

Wenn er über sein ehrenamtliches Engagement spricht, klingt die Begeisterung in Sachers Worten mit. Oft lächelt er dabei. Keine Frage, diese Art von Arbeit macht ihm Spaß. „Die Ruhe habe ich einfach nicht weg. Wenn Probleme genannt werden und niemand den Anschein erweckt, diese lösen zu können, laufe ich zu Höchsttouren auf.“ Mit dem Kirchenförderverein steuerte er Geld für die Kirchensanierungen in Glinde und Reinbek bei. „Das hat auch nur wegen der tollen Mitstreiter geklappt“, sagt Sacher. Am arbeitsintensivsten sei jedoch die Arbeit im Kirchenvorstand. So hat er zum Beispiel in dieser Funktion den Gründungsprozess der Pfarrei über fünf Jahre eng begleitet.

Jetzt möchte er noch Orgel spielen können

Der frühere Firmenchef ist keiner, der auf Luxus Wert legt. Mit einer Ausnahme: Sein Oldtimer, ein Triumph TR6 (Baujahr 1972), den er in den 90er-Jahren für 20.000 Mark gekauft hat, wird nur einmal im Jahr gefahren. „Das ist für mich Komfort, weil das Fahrzeug eigentlich nur steht.“ Er versuche seinen Kindern vorzuleben, dass man im Leben hart arbeiten müsse und das Geld nicht auf der Straße liege.

Matthias Sacher hat schon in den 70er-Jahren als Kind mit Dieter Teske, dem heutigen Leiter der Glinder Musikschule, im Jugendchor gesungen. Beide arbeiteten später im Pop-Chor und bei den Vocals zusammen, hatten unter anderem bei einer Konzertreise Auftritte in Litauen. Der Ehrenamtler schwärmt von dieser Zeit. Nach der Geburt der Kinder trat er in Sachen Musik aber kürzer. Die Frage nach seinen Zielen beantwortet Sacher mit wenig Spektakulärem: „Ich möchte gerne noch einmal eine Ausbildung auf der Kirchenorgel machen.“