Stormarn
Einwand

Witzhaver protestieren gegen geplante Bauarbeiten

Die Brücke über die Corbek in Witzhave soll erneuert, die L 94 deshalb monatelang gesperrt werden. Andreas Johnsen (v. l.), Birgit Wangrau, Wehrführer Jörg Reinhardt, Stellvertreter Oliver Rund, Marita Rund, Friedrich Rund und Walter Sandig warnen vor den Auswirkungen für die Gemeinde. Sie sind verärgert und der Meinung, dass der LBV ihre Sorgen nicht Ernst nehme.

Die Brücke über die Corbek in Witzhave soll erneuert, die L 94 deshalb monatelang gesperrt werden. Andreas Johnsen (v. l.), Birgit Wangrau, Wehrführer Jörg Reinhardt, Stellvertreter Oliver Rund, Marita Rund, Friedrich Rund und Walter Sandig warnen vor den Auswirkungen für die Gemeinde. Sie sind verärgert und der Meinung, dass der LBV ihre Sorgen nicht Ernst nehme.

Foto: Janina Dietrich

Einzige Verbindungsbrücke zwischen den Ortsteilen wird erneuert, der Verkehr weiträumig umgeleitet. Feuerwehr befürchtet große Probleme.

Witzhave. Die Feuerwehr in Witzhave schlägt Alarm: Die Retter befürchten, monatelang Schwierigkeiten zu haben, im Notfall rechtzeitig am Einsatzort zu sein. „Hier geht es um Menschenleben“, sagt Gemeindewehrführer Jörg Reinhardt, spricht von einer „riesigen Gefahr“. Der Grund sind Bauarbeiten an der Möllner Landstraße (L 94), der einzigen Verbindung zwischen dem westlichen und östlichen Ortsteil der 1543 Einwohner zählenden Gemeinde.

Retter können die A 24 nur über Umwege erreichen

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) will die Brücke über den Bach Corbek im kommenden Jahr abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Das alte Bauwerk stammt aus dem Jahr 1943, die viel befahrene Fahrbahnplatte aus Stahlbeton wurde laut LBV zuletzt vor 65 Jahren verbreitert und verstärkt.

Die Auswirkungen des Bauvorhabens sind immens: So wird die Möllner Landstraße nach Angaben des LBV voraussichtlich vom 14. April bis 16. November 2020 in beide Richtungen für den Verkehr gesperrt – und das Dorf damit in zwei Hälften geteilt. Denn es gibt in Witzhave keine andere Möglichkeit, den Bach mit dem Auto zu überqueren.

„Wir sind in großer Sorge, dass wir die vorgeschriebene Hilfsfrist dann nicht mehr einhalten können“, sagt Reinhardt. Die Feuerwache steht im östlichen Ortsteil, am Rausdorfer Weg. „Drei Viertel unser rund 40 Einsätze pro Jahr haben wir aber auf der anderen Seite des Baches“, sagt der Feuerwehrchef. Dort befindet sich zum Beispiel die Anschlussstelle zur Autobahn 24. Immer wieder müssen die Kameraden zu schweren Verkehrsunfällen ausrücken. „Zudem gibt es in der Ortshälfte Gewerbebetriebe, eine Tankstelle, eine Kinderkrippe, ein Altenheim und viele Wohnhäuser“, sagt der Oberbrandmeister. „Rund 40 Prozent der Bürger leben dort.“

Retter denken über zusätzlichen Einsatzwagen nach

Die offizielle Umleitung führt von Neuschönningstedt über die L 222 durch Stemwarde, dann weiter über die L 160 durch Brunsbek und Rausdorf bis nach Granderheide. Von dort sollen Autofahrer über die K 99 nach Grande und zurück auf die L 94 fahren. Die Feuerwehr und die Rettungsleitstelle seien frühzeitig über das Bauvorhaben informiert worden, sagt eine LBV-Sprecherin auf Abendblatt-Anfrage. „Sie haben einen ausreichenden Vorlauf, um ein Einsatzkonzept zu entwickeln, das an die geänderte Verkehrssituation angepasst ist.“

Über Feldwege könnte die Feuerwehr den westlichen Ortsteil laut Reinhardt mit einem etwa fünf Kilometer langen Umweg erreichen. Die Retter denken nun darüber nach, während der Bauarbeiten dauerhaft einen Einsatzwagen auf der anderen Seite zu stationieren. Das Problem: „Wir verfügen über kein Fahrzeug, das sowohl für Hilfs-, als auch für Löscheinsätze ausgestattet ist“, sagt der Feuerwehrchef. Die Gemeinde müsste dafür ein Auto ausleihen oder kaufen. Damit sei aber noch nicht das Problem gelöst, wie die Einsatzkräfte im Alarmierungsfall schnell zur Wache kommen. Denn auch sie stammen aus beiden Ortsteilen.

Bürger fühlen sich nicht Ernst genommen

Beim Rettungsdienst wiederum sei das Problem genau umgekehrt. „Der Notarzt kommt aus Reinbek“, sagt Gemeindevertreter Andreas Johnsen (Wählergemeinschaft Witzhave). Er könne folglich den westlichen Ortsteil während der Bauarbeiten problemlos erreichen. „Doch in den Osten wird er durch die Umleitung bestimmt sieben bis zehn Minuten länger brauchen.“ Auswirkungen habe die Sperrung auch auf den Busverkehr. „Die Busse werden den westlichen Ortsteil während der Bauarbeiten nicht ansteuern“, sagt Reinhardt.

Bürger und Politiker aus Witzhave kritisieren, dass der LBV ihre Sorgen nicht Ernst nehme. „Beim Land interessiert niemanden, was mit uns passiert. Das einzige Zugeständnis des LBV war bislang, dass es eine Behelfsbrücke für Fußgänger geben wird“, sagt Johnsen. „Vor unserem Protest hatte niemand an die Schulkinder gedacht, die dort täglich vorbeigehen müssen.“ Für eine Ersatzbrücke für Autos stehe nicht genügend Platz zur Verfügung, heißt es vom LBV.

Die Sperrung habe auch erhebliche Auswirkungen auf das Dorfleben, sagt Johnsen. Fast alle öffentlichen Veranstaltungen sind entweder im Gemeindezentrum oder bei der Feuerwehr, die sich beide im östlichen Ortsteil befinden. „Menschen, die in der Westhälfte wohnen und nicht gut zu Fuß sind, werden in der Zeit völlig abgekapselt“, sagt Johnsen. „Dass die Brücke erneuert werden muss, können wir ja nachvollziehen“, sagt Anwohner Walter Sandig. „Aber unverständlich ist für uns die extrem lange Bauzeit von neun Monaten.“ Die Witzhaverin Marita Rund nickt bestätigend. „Wir wollen das nicht hinnehmen“, sagt sie. „In der Gemeinde brodelt es.“

Bauarbeiten rund um die Brücke dauern neun Monate

Genervt sind auch Pendler wie Birgit Wangrau. Sie arbeitet als Schulleiterin in Barmbek, fährt wie viele andere Witzhaver jeden Tag mit dem Auto nach Hamburg. „Ich werde monatelang nach Grande oder Stapelfeld ausweichen müssen, um auf die Autobahn zu kommen“, sagt die Lehrerin.

Die Sperrung betrifft aber auch viele Auswärtige. Der Durchgangsverkehr auf der Strecke ist vor allem im Berufsverkehr enorm. Nach Angaben des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr rollen rund 9000 Fahrzeuge pro Tag über die Möllner Landstraße in Witzhave.

Insgesamt sollen die Bauarbeiten an der Brücke neun Monate dauern. Beginn soll bereits am 23. März sein. In der Anfangszeit sind vorbereitende Arbeiten geplant, der Verkehr wird dann einspurig per Ampel an der Baustelle vorbeigeleitet. Gleiches gilt nach dem 16. November. Der LBV geht zurzeit davon aus, dass alle Arbeiten am 2. Dezember 2020 abgeschlossen sind.