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Asbest-Alarm in Reinbek: Glasalplatten waren die Ursache

Bürgermeister Björn Warmer (li.) und Bauamtsleiter Sven Noetzel stellen die Ergebnisse des Asbest-Gutachtens vor und zeigen einen Teil einer Glasalplatte aus dem Schulzentrum Reinbek.

Bürgermeister Björn Warmer (li.) und Bauamtsleiter Sven Noetzel stellen die Ergebnisse des Asbest-Gutachtens vor und zeigen einen Teil einer Glasalplatte aus dem Schulzentrum Reinbek.

Foto: Susanne Tamm

Verwaltung gibt Ergebnisse der Untersuchung aus Schulzentrum bekannt. Ministerium rät zu Prüfungen anderer Schulen gleicher Baujahre.

Reinbek. Sogenannte Glasalplatten der Firma Eternit waren die Quelle der hohen Asbestbelastung im Reinbeker Schulzentrum. Das gaben Bürgermeister Björn Warmer und Bauamtsleiter Sven Noetzel am Donnerstag bekannt. Der Asbest-Alarm war bei den Vorbereitungen für eine energetische Sanierung der Schule Ende 2018 ausgelöst worden.

Seit 1993 ist der als krebserregend eingestufte Baustoff verboten. Gebundener Asbest gilt eigentlich als ungefährlich, in Reinbek fehlte aber bei einem Teil der Paneele eine Beschichtung, zudem waren sie in der Rahmenkonstruktion nicht versiegelt, so dass sie bei starkem Wind aneinander und am Metallrahmen rieben. Diese Umstände führten in Reinbek dazu, dass Fasern in die Raumluft gelangten.

Innenministerium empfiehlt anderen Schulen die Kontrolle

Das Kieler Innenministerium hat nun die Schulträger des Landes über das Risiko bei Schulbauten des sogenannten Kasseler Modells aus dieser Zeit informiert. Die Oberste Bauaufsicht empfiehlt den Trägern vergleichbarer Schulen, die Fassadenplatten zu kontrollieren, um Gefährdungen ausschließen zu können. In den Räumen des Schulzentrum wurde eine Asbestkonzentration von bis zu 13.000 Fasern pro Kubikmeter in der Spitze gemessen.

Wie konnte eine solch gefährlich hohe Konzentration aus den Fassadenplatten in die Raumluft gelangen? Bauamtsleiter Sven Noetzel sagte: „Auffällig war, dass diese Faserzementplatten im gesamten Gebäude verbaut waren, während die Asbestbelastung nur in einer Hälfte des Objekts aufgetreten war.“

Gutachter nahmen sämtliche Baustoffe unter die Lupe

Noetzel berichtete, dass Gutachter die Räume regelrecht auseinandergenommen hätten. Sie hätten die Raumluft 130 Mal gemessen. 43 Staubproben wurden analysiert, alle Baustoffe einzeln untersucht: Spachtelmasse, Estrich, Fensterversiegelung, schließlich die Fassadenplatten. Nachdem sie die Glasalplatten von Eternit entnommen und den übrigen Raum gereinigt hatten, waren in der Luft keine Fasern mehr zu finden.

„Die Quelle der Belastung war eindeutig“, sagt Noetzel. Die Paneele bestehen aus einem Styroporkern, auf den von beiden Seiten Faserzementplatten geklebt wurden. Diese Glasalplatten wurden von denselben Aluminiumrahmen gehalten wie die Fensterscheiben darüber. Allerdings waren sie nicht versiegelt. Laut Noetzel war dies zur Bauzeit in den Jahren 1974 bis 1976 nicht unbedingt üblich.

Wann die Belastung begann, lässt sich nicht mehr rekonstruieren

Während die Paneele des zweiten Bauabschnitts doppelseitig beschichtet waren, fehlte bei den Platten, die gleich nach 1974 verbaut worden waren, eine Beschichtung. Der Staub rieselte unter bestimmten Umständen heraus und gelangte mit der Zeit so auch nach innen in die Luft, sagte Noetzel. Wann die ersten Fasern in die Innenräume drangen und die Belastung der Lehrer, Schüler und Mitarbeiter begann, lasse sich nicht mehr rekonstruieren. Vorherigen stichprobenartigen Messungen hätten keine Belastung ergeben. Zufällig sei aber immer in Räumen des zweiten Bauabschnitts gemessen worden – oder in denen ohne Glasalplatten.

Noch am Donnerstagnachmittag informierte die Stadtverwaltung die Schule über die Quelle der Belastung. Auch mit dem Elternbeirat will sie sich noch treffen. Sie bittet aber auch ehemalige Mitarbeiter, Lehrer und Schüler, sich im Rathaus zu melden. Ob die Paneele aus dem ersten Bauabschnitt ein Fehlprodukt oder die des zweiten Abschnitts eine Weiterentwicklung des Produkts waren, ist nicht bekannt. „Eine Veränderung des Produkts ist beim Hersteller nicht dokumentiert worden“, sagt Reinbeks Bürgermeister Warmer. Von einem Baufehler mag Sven Noetzel nicht sprechen: „Das war damals so genehmigt.“

Reinbek lässt künftig Kataster für alle Gebäude erstellen

In den anderen Reinbeker Schulen konnte keine Belastung festgestellt werden. Bürgermeister Warmer kündigte an, dass Reinbek von nun an alle fünf Jahre ein Schadstoffkataster für zunächst alle Schulen, später für alle öffentlichen Gebäude neu erstellen lassen will.

Derzeit werden die Schüler in Containern nördlich vom alten Standort unterrichtet. Die Schule wird bis auf den Rohbau entkernt und bis zum Jahr 2022 komplett saniert – allerdings aus energetischen Gründen, wie Noetzel unterstrich. 27 Millionen Euro hat die Politik dafür bereit gestellt, hinzu kommen die Ausstattung und die Außenanlagen.