Stormarn
Politik

„Fraktionszwang“: Ahrensburger Grüner wirft hin

Jan Furken (54) lehnt eine Tiefgarage auf dem Stormarnplatz ab, findet den Parkhaus-Vorschlag von SPD und FDP besser.

Jan Furken (54) lehnt eine Tiefgarage auf dem Stormarnplatz ab, findet den Parkhaus-Vorschlag von SPD und FDP besser.

Foto: Janina Dietrich

Bauausschuss-Mitglied Jan Furken legt sein Mandat nieder, tritt aus der Partei aus. Auch an der Fraktionsspitze gibt es Veränderungen.

Ahrensburg. Ärger bei den Ahrensburger Grünen: Jan Furken, der für die Fraktion seit der Kommunalwahl 2018 als bürgerliches Mitglied im Bau- und Planungsausschuss gesessen hatte, hat sein Mandat niedergelegt und ist aus der Partei ausgetreten. Als Grund nennt er auf Abendblatt-Anfrage unter anderem, dass ihm der „Fraktionszwang“ missfallen habe. „Der ist ein ganz großes Problem“, sagt der Bauingenieur. Er habe bei internen Sitzungen gern seine Meinung gesagt und sei damit zu einer „unbequemen Person“ geworden.

Grüne wollten Bauausschuss umbesetzen

Zudem sei es ihm bei einigen Themen nicht schnell genug gegangen, zum Beispiel bei der Positionierung zum geplanten Neubau der Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld und der S 4. Mit seinem Schritt sei er „einem Rauswurf aus der Fraktion zuvorgekommen“, so Furken weiter. Nadine Levenhagen, Fraktionschefin der Grünen, bestätigt, dass eine Umbesetzung des Bauausschusses in der Diskussion gewesen sei, weil die Stadtverordnete Susanna Hansen Interesse an einer Mitarbeit geäußert habe. „In so einem Fall muss natürlich darüber abgestimmt werden, welches bisherige Mitglied dafür weichen muss.“ Einen Fraktionszwang gebe es bei den Grünen nicht, sagt sie. „Bei uns darf jeder in Ausschüssen und der Stadtverordnetenversammlung auch gegen die Mehrheitsmeinung stimmen. Wichtig ist nur, das vorher fraktionsintern anzukündigen. Ich frage immer, ob jemand mit einer Entscheidung Bauchschmerzen hat.“

Wunsch nach besserer parteiübergreifender Zusammenarbeit

Innerhalb der Grünen gebe es zum Teil heftige Diskussionen über Themen, sagt Horst Marzi, Stadtverordneter und Ortsverbandsvorsitzender. Denn die Mitglieder hätten sehr unterschiedliche Gründe, warum sie sich bei den Grünen engagierten. Einigen sei der Umweltschutz am wichtigsten, anderen die Energiewende oder der Öffentliche Personennahverkehr. „Da passiert es öfter, dass ein oder zwei Personen mit einer Entscheidung nicht zufrieden sind. Das ist auch kein Problem. Problematisch wird es erst, wenn jemand ständig anderer Meinung ist.“ Generell funktioniere die Zusammenarbeit bei den Grünen derzeit aber sehr gut. Dieser Meinung ist auch der Stadtverordnete Christian Schmidt. Er sagt: „Jeder hat die Möglichkeit, seine Meinung einzubringen.“

Jan Furken wünscht sich zudem eine bessere parteiübergreifende Zusammenarbeit, „um das Beste für Ahrensburg zu erreichen“, zum Beispiel beim Thema Verkehr. So sei seiner Ansicht nach zum Beispiel der Vorschlag der SPD, auf dem Stormarnplatz statt der Tiefgarage ein Parkhaus zu bauen, von den Grünen zu schnell abgelehnt worden.

Nadine Levenhagen führt die Fraktion künftig allein

Der Weggang von Jan Furken ist nicht die einzige Personaländerung bei den Grünen. Die Fraktion gibt ihre Doppelspitze auf. Nadine Levenhagen wird künftig alleinige Chefin, neue Stellvertreterin ist Cordelia Koenig. Susanna Hansen ist zurückgetreten, hauptsächlich aus zeitlichen Gründen, wie sie sagt. „Ich bin beruflich sehr stark eingespannt.“ Hansen arbeitet als Assistentin der Geschäftsführung für eine Firma in Düsseldorf. Hauptsächlich im Home-Office, einmal im Monat müsse sie aber nach Nordrhein-Westfalen reisen.