Stormarn
Prozess beginnt

Giftmord mit E 605: Anklage gegen drei junge Lütjenseer

Dem Hauptangeklagten wird vorgeworfen, seinen Vermieter mit Gift ermordet zu haben (Symbolbild)

Dem Hauptangeklagten wird vorgeworfen, seinen Vermieter mit Gift ermordet zu haben (Symbolbild)

Foto: dpa / picture alliance / dpa

Zwei Männer (23 und 19) sowie eine 19 Jahre alte Frau ab Freitag vor Gericht. Es geht um den heimtückischen Mord an ihrem Vermieter.

Lütjensee/Lübeck.  Es geht um heimtückischen Mord: Vor dem Landgericht in Lübeck beginnt am Freitag, 13. September, der Prozess gegen drei junge Lütjenseer. Angeklagt sind zwei Männer im Alter von 23 und 19 Jahren sowie eine 19 Jahre alte Frau. Dem Ältesten wird vorgeworfen, im Februar 2019 seinen 56 Jahre alten Vermieter vergiftet zu haben. Die beiden anderen sollen laut Anklage vom Plan ihres Mitbewohners gewusst, aber weder das spätere Opfer noch die Polizei informiert haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben alle drei Angeklagten zur Tatzeit mit im Haus des Opfers in Lütjensee gewohnt. Am Abend des 18. Februars, so die Anklage, soll der 23 Jahre alte Hauptangeklagte eine aus dem Haushalt des späteren Opfers stammende Flasche, deren Inhalt als Gift gekennzeichnet war, genommen und Teile des Inhalts in eine andere Flasche mit Alkohol gefüllt haben. Diese Flasche hatte er zuvor aus dem Wohnzimmer des Opfers entwendet und dann wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückgestellt.

Das Opfer konnte noch selbst einen Notruf absetzen

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten nun vor, dass sie davon ausgegangen seien, dass ihr Vermieter in den folgenden Tagen aus der Alkoholflasche trinken würde. Tatsächlich soll das Opfer bereits am Morgen des nächsten Tages, also am 19. Februar 2019, aus der Flasche getrunken haben. Nach dem, Ergebnis der Ermittlungen hat er dabei offenbar bemerkt, dass dem Inhalt etwas zugesetzt worden war.

Er konnte noch einen Notruf absetzen. Doch die wenig später eintreffenden Rettungskräfte konnten dem Mann nicht mehr helfen: Er starb noch im Rettungswagen. Die spätere Untersuchung der Rechtsmedizin ergab, dass das Gift E 605 für den Tod ursächlich war.

Das Gift ist seit 2001 in der EU verboten

Das Synonym E 605 steht für das Pflanzenschutzmittel Parathion, das hochtoxisch gegen Insekten und Warmblüter wirkt, aber nicht gegen Pflanzen. Die Flüssigkeit ist im reinen Zustand farblos und fast geruchlos. Allerdings wurde die im Handel erhältliche Mischung aus Sicherheitsgründen gelbbraun gefärbt und mit einem stechenden Geruch aromatisiert. 2001 hat die Europäische Union die Abgabe, Einfuhr, Anwendung und Zulassung von Parathion enthaltenden Pflanzenschutzmitteln verboten. Weiterhin gestattet blieb allerdings die Abgabe zur Lagerung und anschließenden Ausfuhr aus dem Gebiet der EU.

Über ein mögliches Motiv für die Tat ist noch nichts bekannt. Das soll nun die Hauptverhandlung vor dem Landgericht Lübeck klären. Für den Prozess sind zunächst fünf Termine anberaumt. Das Gericht hat bislang neun Zeugen und drei Sachverständige geladen.