Wirtschaft

Ferien in Stormarn – der Tourismus boomt

| Lesedauer: 5 Minuten
Sebastian Knorr und Laura Treskatis
Marion Oehnbüttel entspannt sich auf der Terrasse ihres Apartments in Ammersbek, das sie an Feriengäste vermietet.

Marion Oehnbüttel entspannt sich auf der Terrasse ihres Apartments in Ammersbek, das sie an Feriengäste vermietet.

Foto: Sebastian Knorr

Zahl der Übernachtungen in Stormarn steigt. Vermieter von Ferienwohnungen erzählen auch, wo die Gäste herkommen und warum.

Ammersbek/Grönwohld.  Auf die aufgeschüttelten Kissen hat Marion Oehnbüttel Schokoladentäfelchen drapiert. Frische Handtücher liegen bereit, im Kühlschrank stehen Wein und Wasser. 2013 bauten sie und ihr Mann eine rund 50 Quadratmeter große Unterkunft an ihr gemeinsames Haus in Ammersbek an. Eine offene Küche mit Wohnzimmer, Bad und Schlafzimmer sind entstanden – ebenerdig und rollstuhlgerecht, dazu ein kleines Stück Garten.

Eigentlich war die Wohnung für Marion Oehnbüttels Eltern gedacht. Die fühlten sich aber noch zu fit für einen Umzug in das altengerechte Apartment. Also vermietet die Familie den Anbau vorerst als Ferienwohnung. Gäste, sagt Marion Oehnbüttel, würden die Ruhe und die gute Anbindung an Hamburg schätzen. Viele von ihnen haben aber auch ein konkretes Ziel in der Region: Väter, die getrennt von ihren Familien leben, besuchen ihre Kinder. Verwandte mieten sich ein, um ihre Angehörigen nicht zur Last zu fallen. Auch einen Scheich, der Patient in der renommierten LungenClinic in Großhansdorf war, durften die Oehnbüttels bereits begrüßen. Gerade erst hat ein Pädagogen-Paar zwei Wochen Urlaub in Ammersbek gemacht.

Auf www.tourismus-stormarn.de gibt es Ferienwohnungen sowie -häuser und Hotels

Tourismus in Stormarn befindet sich im Aufwärtstrend, wie Zahlen des Statistischen Landesamtes Nord bestätigen. Übernachteten 2008 noch knapp 311.000 Menschen innerhalb des Kreisgebiets, waren es im vergangenen Jahr bereits rund 397.000. Zwölf Prozent der Buchungen wurden dabei von ausländischen Gästen getätigt. Der Großteil von ihnen stammt aus Dänemark (9261 Übernachtungen) und Schweden (5432). In der ersten Hälfte dieses Jahres zählt der jüngst vorgestellte Tourismusbericht des Kreises bereits 191.630 Übernachtungen – eine Steigerung von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Gleichzeitig werden in der Statistik nur gewerbliche Betriebe mit mindestens zehn Betten berücksichtigt. „Der sogenannte graue Markt der Ferienwohnungen spiegelt sich in der Statistik jedoch nicht wider“, sagt Stormarns Tourismusmanagerin Rabea Stahl. Auch gebe es keine Zahlen darüber, wie viele Ferienwohnungen- und -häuser in Stormarn gemeldet seien. Einen Überblick will die Internetseite www.tourismus-stormarn.de schaffen. Hier sind bislang 25 Ferienwohnungen und zwei Ferienhäuser neben Hotels, Jugendherbergen, Gasthöfen und Campingplätzen als Übernachtungsmöglichkeiten verzeichnet. „Wenn weitere Eigentümer Interesse haben, auf der Seite dargestellt zu werden, können diese sich gern bei uns melden“, sagt Stahl. Die Tourismusmanagerin ist zufrieden mit dem hiesigen Angebot. Sie sagt: „Insgesamt ist Stormarn gut aufgestellt.“

65 Euro pro Tag für 85-Quadratmeter-Wohnung in Grönwohld

Die Ferienwohnung von Regine Stankowitz findet man über Airbnb. Neben Unterkünften in New York, Sydney und Rio de Janeiro wird in dem internationalen Online-Portal auch das „Haus am Hang“ in Grönwohld aufgeführt. Dort bewohnt die 68-Jährige die Räume im Erdgeschoss. Durch die großzügige Fensterfront blickt man runter aufs Dorf und die umliegenden Nachbarhäuser. Ein Stockwerk höher befindet sich eine rund 85 Quadratmeter große Wohnung, die zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer sowie Bad und Küche bereithält. „Als meine drei Kinder ausgezogen waren, dienten die Räume fast nur noch als Abstellraum“, sagt Stankowitz. 2015 meldete sie ihre Unterkunft bei Airbnb an. Heute ist das „Haus am Hang“ die meiste Zeit ausgebucht. Von April bis Ende September empfängt die Grönwohlderin fast nur Feriengäste, die restlichen Monate mieten sich auch häufiger Monteure ein.

Solange noch Sommerferien in Bayern und Baden-Württemberg sind, haben sich zahlreiche Gäste von dort einquartiert. Ebenso nahm Regine Stankowitz Besucher aus Ägypten, Frankreich, Belgien, Tschechien und Polen bei sich auf. Auch die NDR-Kultserie „Neues aus Büttenwarder“ brachte den einen oder anderen Feriengast in den Ort. „Ich hatte schon Besucher, die nur wegen der Dreharbeiten gekommen sind“, sagt Stankowitz. 65 Euro pro Nacht kostet die Unterkunft, wenn vier Leute darin schlafen. Hinzu kommt eine Service-Gebühr, die an Airbnb verrichtet werden muss.

Regine Stankowitz ist ein sogenannter Superhost. Diesen Status verleiht die Online-Plattform, wenn innerhalb eines Jahres mindestens zehn Buchungen getätigt wurden, die Stornierungsrate höchstens ein Prozent beträgt und die Gastgeber besonders gut bewertet wurden. Jeweils fünf Sterne vergaben ihre Gäste für Sauberkeit, die Lage und das Preis-Leistungs-Verhältnis der Unterkunft. Ebenso gut wurde die 68-Jährige für den Check-in, die Genauigkeit ihrer Angaben im Online-Portal und die Kommunikation mit ihren Gästen bewertet.

Alle zwei Tage neue Mieterin diesem Monat

Häufig führe sie mit ihren Besuchern angeregte Gespräche, könne sich in ihren privaten Räumen aber vollständig zurückziehen und ungestört sein, so Stankowitz, deren Gäste sich selbst versorgen. Nur die Waschmaschine laufe häufig im Dauertakt. „Dadurch, dass jeden zweiten Tag ein Wechsel stattfand, war dieser Monat ganz schön anstrengend“, sagt die Vermieterin.

Trotzdem überwiegt für die pensionierte Grundschullehrerin weiterhin der Spaß an der Arbeit. Kein Wunder also, dass Gäste schon häufig in das Grönwohlder „Haus am Hang“ zurückgekehrt sind.

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