Stormarn
Öffentlicher Nahverkehr

Schwarzfahrer-Quote im Kreis Stormarn steigt deutlich

Busse des Hamburger Verkehrsverbundes (Symbolbild)

Busse des Hamburger Verkehrsverbundes (Symbolbild)

Foto: dpa

Vor allem im Schulbusverkehr und auf den Disco-Linien sind viele Fahrgäste ohne gültigen Fahrschein unterwegs.

Bad Oldesloe. Die Schwarzfahrer-Quote im Kreis Stormarn ist wieder deutlich gestiegen. Das ergaben Schwerpunktkontrollen des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) im ersten Halbjahr 2019. „Wir müssen konstatieren, dass es vor allem im Schulbusverkehr eine signifikante Erhöhung der Quote gegeben hat, aber auch auf der Nachtlinie von und nach Trittau“, so Björn Schönefeld, ÖPNV-Experte der Kreisverwaltung.

Hohe Quote auch in Bargteheide

Bei einer Kontrolle am Schulzentrum in Glinde am 24. April waren 5,3 Prozent aller Fahrgäste ohne gültigen Fahrschein. Fast doppelt so hoch war die Quote in Bargteheide. „An Schulzentren liegt die Schwarzfahrer-Quote wieder regelmäßig zwischen 5 und 10 Prozent. Und damit deutlich über jener Quote von 2 bis 3 Prozent nach Einführung des Vorneeinstiegs“, so Schönefeld. Um dieser Tendenz zu begegnen, werde es künftig wieder mehr Schwerpunktkontrollen an Schulzentren geben.

Die Quote sei wohl auch deshalb so hoch, weil Ober- und Berufsschüler ihre Tickets nach wie vor selbst zahlen müssen. Jüngst hatte die SPD-Kreistagsfraktion erst wieder einen Fahrtkosten-Zuschuss für alle Schüler der gymnasialen Oberstufe sowie Vollzeitschüler an Beruflichen Gymnasien gefordert, die ihren Wohnsitz in Stormarn haben. Ab dem Schuljahr 2020/2021 soll sich der Kreis zu zwei Dritteln an den Kosten der jeweiligen Schüler-Fahrkarte beteiligen.

Auch Fahrkarten für Tarifzone AB werden teurer

Noch viel dramatischer stellt sich die Situation auf den Buslinien von und zur Großraumdisco Fun-Parc in Trittau dar. Hier war im Schnitt fast jeder zweite Fahrgast ohne gültigen Fahrschein. Bei einer Kontrolle betrug der Anteil der Schwarzfahrer gar 70 Prozent.

Dem Hamburger Verkehrsverbund entstehen durch Schwarzfahrten laut eigenen Hochrechnungen pro Jahr Einnahmeverluste von bis zu 20 Millionen Euro.

Unterdessen hat der HVV gerade seinen ersten Vorschlag für die nächste Tarifanpassung zum 15. Dezember 2019 modifiziert. Nach Intervention des Ersten Hamburger Bürgermeisters, Peter Tschentscher (SPD), war die Erhöhung Ende Juli von ursprünglich 2,2 auf jetzt 1,8 Prozent abgesenkt worden. Zeitkarten für Senioren, Schüler, Studenten und Azubis sollen von der Preiserhöhung ausgenommen werden. Jüngst brachte er sogar ein kostenloses Schülerticket ins Gespräch, erntete dafür aber auch Kritik.

Fraktionen protestieren gegen Preiserhöhung

Für die Einzelfahrkarte AB soll der Preis von Mitte Dezember an um zehn Cent auf 3,40 Euro steigen, die Jahreskarte kostet statt 89,50 künftig 91,40 Euro pro Monat, das ProfiTicket statt 68,20 dann 69,80 Euro.

Diese Verteuerungen sind auch für viele Stormarner Pendler relevant, weil dieser Tarifbereich Teile des Kreises einschließt. Daher haben zuletzt auch die Fraktionen von CDU, FDP und Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag gegen die geplante Erhöhung protestiert und die Landesregierung aufgefordert, gegen die Preiserhöhung zu stimmen. Der Glinder CDU-Landtagsabgeordnete Lukas Kilian sprach von einer „unfreundlichen Art“ der Hansestadt, weil die Erhöhung für die Menschen im Umland tatsächlich 2,3 Prozent betrage. „Hamburg hält 85,5 Prozent der Anteile am HVV und kann alles allein entscheiden“, beklagte Kilian.