Stormarn
Herausforderung

Großhansdorfer Schüler überqueren zu Fuß die Alpen

Ein Bild von der Alpenüberquerung 2017: Bei der Tour müssen die Schüler auch mit wetterbedingten Widrigkeiten zurecht kommen.

Ein Bild von der Alpenüberquerung 2017: Bei der Tour müssen die Schüler auch mit wetterbedingten Widrigkeiten zurecht kommen.

Foto: HA

In zwölf Tagen wollen die Achtklässler der Friedrich-Junge-Schule 180 Kilometer zurücklegen und einen Dreitausender bezwingen.

Grosshansdorf.. 180 Kilometer, 13.500 Höhenmeter und zwölf Tage Zeit: 13 Mädchen und Jungen der Friedrich-Junge-Schule in Großhansdorf stehen vor der wohl größten sportlichen Herausforderung ihres bisherigen Lebens. Die 12- bis 14-Jährigen wollen zu Fuß die Alpen überqueren. Am heutigen Dienstag fahren sie mit der Bahn zu ihrem Startpunkt: dem Wintersportort Oberstdorf im Südwesten Bayerns. Ziel ihrer Tour ist die Stadt Bozen in Norditalien.

„Ich bin noch nie an meine körperlichen Grenzen gekommen“, sagt Saskia Borstell. „Das möchte ich mal erleben.“ Die 13-Jährige sitzt mit den anderen Teilnehmern im Kunstraum der Schule. Einen Tag vor der Abfahrt steht eine letzte Kontrolle der Rucksäcke auf dem Programm. Haben die Schüler an alles gedacht? Ist das Gepäck leicht genug? „Mehr als acht Kilo sollten die Rucksäcke ohne Getränke nicht wiegen“, sagt Lehrerin Elisabeth Hilgenböker. Die 32-Jährige begleitet die Extremwanderung mit einer Kollegin und einer Studentin.

Die Eltern haben im Vorfeld eine Liste erhalten, was ins Reisegepäck gehört – zum Beispiel Wanderstöcke, Regenjacke, fünf T-Shirts, ein Schlafsack, lange Unterwäsche, Wandersocken und eine Trinkblase, die sich mit zwei Litern Wasser befüllen lässt. „Außerdem habe ich zwei Trekking-Hosen dabei“, sagt Niklas Becker (13). „Die kann ich bei gutem Wetter über den Knien kürzen, das spart Gewicht.“ Alles ist wasserdicht in Plastiktüten verpackt.

Die Alpenüberquerung ist Teil eines Schulprojekts. Seit 2013 muss sich jeder achte Jahrgang der Friedrich-Junge-Schule nach den Sommerferien einer Challenge stellen. „Wir wollen, dass die Schüler an der außerschulischen Herausforderung wachsen“, sagt Hilgenböker. „Sie sollen erkennen, dass sie mit einem starken Willen Dinge schaffen können, die ihnen vorher vielleicht unmöglich erschienen. Von dem Erfolg können sie lange profitieren, auch im Schulalltag.“ Es stehen verschiedene Challenges zur Auswahl, auf die sich die Schüler bewerben müssen. In diesem Jahr zum Beispiel auch eine Rettungsschwimmer-Ausbildung und der Versuch, mit 3,50 Euro pro Tag in Berlin „zu überleben“.

Die Jugendlichen dürfen keine Handys mitnehmen

So kurz vor dem Start ist bei den Schülern eine Mischung aus Nervosität und Vorfreude zu spüren. Ein halbes Jahr lang haben sie sich auf die Reise vorbereitet. Sie haben zwei Probewanderungen durch Schleswig-Holstein gemacht und sich im Unterricht theoretisch mit der Tour beschäftigt. Dafür haben sie sich in Referaten mit den einzelnen Etappen und deren Schwierigkeiten auseinandergesetzt. „Wenn sich auf einem Kiesweg größere Steine befinden, müssen wir zum Beispiel aufpassen, keine Lawine loszutreten“, sagt Niklas.

Zudem haben die Jugendlichen mit Aushilfsjobs, Kuchenverkauf und Sponsorenakquise Geld für das Abenteuer gesammelt, insgesamt rund 5000 Euro. Etwa 15 bis 20 Kilometer werden sie in den Alpen pro Tag wandern und bis zu zehn Stunden unterwegs sein. Übernachtet wird in Hütten mit Schlafsälen. „Jeden Abend gibt es ein warmes Essen“, sagt Lehrerin Elisabeth Hilgenböker. Da nicht alle Herbergen eine Versorgung anbieten, müssen die Schüler auch mal selbst kochen. Den höchsten Punkt ihrer Tour erreichen sie nach einer Woche. Dann geht’s in Österreich zum Pitztaler Jöchl auf 2996 Meter hinauf. Dort könnte die Wanderer Schnee erwarten.

Schüler wollen ihre Eltern per Hütten-Webcam grüßen

„Ich freue mich auf die Berge und die Tiere, die es im Flachland nicht zu sehen gibt“, sagt Fynn Schaafberg. „Etwa Murmeltiere.“ Beim Erzählen strahlen seine Augen vor Vorfreude. „So etwas werde ich vielleicht nur einmal in meinem Leben machen“, sagt der 13-Jährige. Ihm gehe es auch darum, sich selbst etwas zu beweisen. „Ich habe nicht die beste Ausdauer, will es aber trotzdem schaffen.“

Sechs Mal hat die Schule die Alpenchallenge bereits angeboten, nur ein Schüler musste die Tour vorzeitig abbrechen. Er hatte sich verletzt – allerdings nicht beim Wandern. „Er ist am Ruhetag beim Fußballspielen umgeknickt“, sagt Hilgenböker, die zum dritten Mal dabei ist. Mit einigen Widrigkeiten werden die Teilnehmer allerdings klarkommen müssen. „Es treten häufig Magen-Darm-Erkrankungen auf, vielleicht wegen der Anstrengung“, sagt Hilgenböker. Aber das sei in der Regel kein Problem. Wenn jemand einen Tag ausfalle, könne er per Bus zur nächsten Hütte fahren und dann weitermachen. Im ersten Jahr habe sogar mal die ganze Gruppe flachgelegen. Ihnen war das Wasser in den Hütten nicht bekommen. „Seitdem haben wir als Vorbeugung immer Chlortabletten mit, die wir ins Leitungswasser geben.“

Nicht nur das Sportliche dürfte für die Jugendlichen eine Herausforderung werden, sondern auch die Tatsache, dass sie kein Handy in die Alpen mitnehmen dürfen. „Normalerweise schreibe ich jeden Tag mit meinen Freunden“, sagt Pia Kraschewski (13). „Ohne Handy wird es schon komisch werden.“ Auch Kontakt zu den Eltern ist dadurch nicht möglich. Nur einmal werden sich diese davon überzeugen können, dass es ihren Kindern bei der Wanderung gut geht. In einer Skihütte in Österreich, in der die Gruppe am Sonnabend einen Ruhetag verbringen will, gibt es eine Webcam. „Um 14 Uhr werden wir uns alle vor die Kamera stellen, die Bilder live ins Internet überträgt“, sagt Hilgenböker. „Das ist mit den Eltern so verabredet.“