Stormarn
Ausgefallene Werke

Kunstwerk – Werkkunst: 140 Künstler stellen in Reinbek aus

Künstlerin Lee Ling Sun-Lorenz verarbeitet ihre Reiseerfahrungen in farbstarken Momentaufnahmen.

Künstlerin Lee Ling Sun-Lorenz verarbeitet ihre Reiseerfahrungen in farbstarken Momentaufnahmen.

Foto: Sun-Lorenz

Im Reinbeker Schloss und dessen Außengelände gibt es an diesem Wochenende die größte Schau bildender und angewandter Kunst zu sehen.

Reinbek..  Die größte Schau bildender und angewandter Kunst im Kreis Stormarn geht in ihr 25. Jahr: „Kunstwerk – Werkkunst“ bietet auf den Außenanlagen und im Schloss Reinbek Platz für 140 Aussteller. Künstler und Kunsthandwerker aus Deutschland, der Schweiz und Dänemark präsentieren in diesem exquisiten Ambiente ihre Arbeiten am Sonnabend, 17. August (15 bis 19 Uhr), und am Sonntag, 18. August (11 bis 18 Uhr).

In Park und Innenhof des Renaissance-Schlosses können Besucher die Werke von Bildhauern, Objekt- und Werkkünstlern entdecken und sich darüber mit deren Urhebern austauschen. Ungewöhnliche Gusstechniken in Beton und Kunststoff sind ebenso vertreten wie ausgefallene Materialverbindungen. Neu im Park sind Bilder, die für draußen geeignet sind, wie die Bilder auf Metalluntergrund von Tina Brauckmann. Eine Premiere gibt es auch: Besucher können filigrane Papierkunst bestaunen.

Empfindlichere Arbeiten wie beispielsweise Malerei, Grafik und Fotografie sind im Innenbereich des Gebäudes untergebracht. Zu dieser Kategorie zählen die Ölbilder von Lee Ling Sun-Lorenz. Die aus China stammende Künstlerin stellt erstmals bei „Kunstwerk – Werkkunst“ aus. Nach einem Designstudium zog es sie nach Singapur. Dort spezialisierte sie sich auf eine Technik mit Wasserfarben und breitem Pinselstrich, den sogenannten Lingnam-Stil. Doch der Stil setzte ihren Ausdrucksmöglichkeiten Grenzen. „Ich hatte keine Lust, immer nur Fische, Bambus und Vögelchen zu malen“, sagt die 65-Jährige, die inzwischen in Ostholstein zu Hause ist. Sie wandte sich der Ölmalerei zu und entwickelte ihren eigenen, unverkennbaren Stil. Eine Vorliebe für dunklere, starke Farben, die ein wesentliches Merkmal ihrer Werke sind, ist von der Lingnam-Technik geblieben.

Gemalt wird direkt nach dem Frühstück

Die Inspiration zu ihren Motiven findet Sun-Lorenz auf ihren Reisen nach Südostasien. Menschen, deren Leben sich in Linien auf ihrem Gesicht eingegraben hat, finden ebenso ihr Interesse wie die jungen Tempeltänzerinnen auf Bali, die mit Gesängen und Tänzen auf den Aufgang des Vollmonds warten. Auf ihrem Bild mit dem Titel „Whisper“ (Geflüster) hat sie einen der unbefangenen Momente der kleinen Gemeinschaft eingefangen.

Für Lee Ling Sun-Lorenz ist Malen ein Lebenselixier. Ihr Mann Werner Lorenz sagt: „Wenn meine Frau mal nicht malen kann, führt das zu schlechter Laune.“ Kunst bedeute für sie Erfüllung, sei fest in den Tagesablauf integriert. „Nach dem Frühstück geht sie in ihr Atelier und malt ein paar Stunden“, so Lorenz. Neben den Utensilien braucht die Künstlerin Musik, die ihrer Stimmung entspricht – das beflügelt Kreativität.

Etwa zehn bis 15 großformatige Werke entstehen so jedes Jahr. Für die Reinbeker Schau hat Lee Ling Sun-Lorenz aktuelle Arbeiten im Gepäck. Sie ist Mitglied der Singapore Art Society, hat sich durch Ausstellungen in Japan, China, Singapur und Indonesien einen Namen gemacht und ihre Werke in Katalogen und Büchern veröffentlicht. Wer die Bilder der Künstlerin persönlich in Augenschein nehmen will, hat dazu an diesem Wochenende in Reinbek Gelegenheit.

Wer das ganze Spektrum der ausgestellten Arbeiten bei „Kunstwerk – Werkkunst“ ergründen will, sollte ausreichend Zeit einplanen. Reinbeks Kulturmanagerin Elke Güldenstein erwartet einen „vollen Genuss an Kunst“. Besonders gefällt ihr die Gleichwertigkeit, die Gebrauchs- und freier Kunst durch diese Ausstellung verliehen wird. „Das ist das Credo der Organisatoren Bärbel und Normann Müller-Rousseau“, so Güldenstein. Das Paar plant auch das musikalische Programm.

Am Sonnabend (15 Uhr) spielt der Reinbeker Posaunenchor Musik aus Renaissance und Barock. Am Sonntag (11 Uhr) bringt das Duo Nordic Spielmannsweisen der traditionellen nordischen Folkmusik zu Gehör. Das Schloss-Restaurant ist an beiden Tagen geöffnet.

Ausstellung Sa 17.8., 15.00–19.00, So 18.8., 11.00–18.00, Schloss (Schlossstr. 5), Eintritt 3,–