Stormarn
Wohnungsbau

Bargteheider planen Öko-Quartier gemeinsam

Monika und Daniel Kränz sitzen mit ihren Kindern Nela (6) und Jonna (2) beim Sommerfest an der Stelle, wo ihr Reihenhaus gebaut werden soll. 

Monika und Daniel Kränz sitzen mit ihren Kindern Nela (6) und Jonna (2) beim Sommerfest an der Stelle, wo ihr Reihenhaus gebaut werden soll. 

Foto: Melissa Jahn

„Wir sind die Neuen!“ In unserer Sommerserie stellen wir Menschen aus Stormarner Neubaugebieten vor. Heute: das Wohnprojekt Am Krögen.

Bargteheide.. Wer sich das Öko-Quartier Am Krögen in Bargteheide vorstellen möchte, braucht Fantasie. Denn noch ist auf der 9000 Quadratmeter großen Fläche ein Feld. Spätestens im Frühjahr soll das Bauprojekt sichtbar werden – eine Mischung aus Mehrfamilien- und Reihenhäusern mit einem autofreien Innenhof und einem Blockheizkraftwerk. Jetzt feierten die zukünftigen Bewohner ein Sommerfest, um sich den Nachbarn vorzustellen.

„Wir wollen zeigen, dass wir ganz normale Leute sind“, sagt Tanja Christoff, Geschäftsführerin der Projektgruppe Conplan. Sie begleitet die Planung in Bargteheide. „Zunächst gibt es erfahrungsgemäß Fragezeichen, denn mit einer Baugemeinschaft zu bauen, ist etwas Besonderes.“ Ungewöhnlich ist auch die Doppelfunktion der 58-Jährigen: Christoff plant nicht nur das neue Wohnquartier, sondern zieht dort auch ein. „Wie alle anderen freue ich mich auf eine supernette Nachbarschaft und ökologisches Wohnen, das auf neueste Standards setzt“, sagt sie.

Gemeinschaftsgarten und Aufenthaltsraum für alle

Von dem Projekt überzeugt ist auch der Bargteheider SPD-Stadtvertreter Andreas Bäuerle. Er hat im Haus Nummer zwei eine 75 Quadratmeter große Dachgeschosswohnung reserviert. Begeistert hat den 54-Jährigen vor allem das autofreie Außengelände – und die Tiefgarage, die mit dem Fahrstuhl bequem zu erreichen ist. „Interessant finde ich auch den Gemeinschaftsgarten und den großen Aufenthaltsraum. Und dass wir uns schon alle während der Gründungsphase kennenlernen konnten.“

Dies sei ein großer Vorteil, sagt auch Monika Kränz, die mit ihrem Mann Daniel und den Kindern Nela (6) und Jonna (2) ins Quartier ziehen wird. „Uns hat die positive und fröhliche Ausstrahlung unserer zukünftigen Nachbarn sofort überzeugt“, sagt die 38 Jahre alte Designerin aus Hamburg. „Wir haben jetzt in der Stadt auch eine nette Hausgemeinschaft mit Gemeinschaftsgarten. Diesen Teil unseres Lebens wollten wir uns erhalten.“ Das Ehepaar schaute sich auch das Wohnprojekt „Wilde Rosen“ in Ahrensburg an. Doch in Bargteheide sei die Innenstadt besser zu erreichen. Auch die Kinder könnten sich von einem gewissen Alter an allein mit dem Rad bewegen. „Schon jetzt haben sie hier Anschluss gefunden“, sagt Daniel Kränz. „Das ist eine richtig große Clique.“

Ein 103 Quadratmeter großes Reihenhaus mit Garten – das sind die Maße ihres Wohnglücks. Das sei zwar nicht riesig, aber biete jedem Kind ein eigenes Zimmer. „Dafür ist das Haus später genau ausreichend, wenn die Kinder ausgezogen sind“, sagt Daniel Kränz. „Und wir haben unser verlängertes Wohnzimmer.“ Er meint damit zum einen den Gemeinschaftsraum, der auch für Feiern genutzt werden kann, und zum anderen den Gemeinschaftsgarten, in dem auch Gemüse angebaut werden soll.

Bandbreite reicht vom Kleinkind bis zu Großeltern

„Wir wollen abseits von hohen Hecken und Zäunen Zeit miteinander verbringen und uns im Alltag helfen“, sagt Monika Kränz. „Durch die generationsübergreifende Belegung gibt es unterschiedliche Bedürfnisse, aber auch mehr Möglichkeiten, voneinander zu profitieren.“

Diesen Vorteil sieht auch Beate Domke (59), die noch in Ahrensburg wohnt. Bald möchte sie mit ihrem Lebensgefährten in eine 90-Quadratmeter-Wohnung im Erdgeschoss ziehen. Es sei ihr Plan, nicht anonym alt zu werden, sondern mit gleichgesinnten Menschen Veranstaltungen wie Vorträge oder Kinoabende zu planen. „Wir haben keine Enkel in der näheren Umgebung und wollen das Projekt in unserer Funktion als Oma und Opa bereichern“, sagt die Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Kompromissbereitschaft ist wichtig

Das Paar weiß, dass es auch Disharmonien geben kann. Durch die gemeinsame Planungsphase hätten sie Erfahrung, mit Konflikten umzugehen. „Ernsthaften Streit gab es nicht, weil in unserer Gruppe ein starker Grundkonsens herrscht“, sagt ihr Lebensgefährte Peter Winkler. „Wir alle wollten einen Weg finden, besser als bisher zu leben. Und wir alle haben den Willen, Kompromisse auszuhandeln und mit gegenseitigen Bedürfnissen umzugehen.“

13 Reihen- und vier Mehrfamilienhäuser

Das 20.000 Quadratmeter große Areal im Norden von Bargteheide wird von der Raiffeisenbank und einer Baugemeinschaft bebaut. Mit Schwerpunkt auf Ökologie und Gemeinschaft begleitet das Planungsbüro Conplan die Entwicklung eines 9000 Quadratmeter großen Teils. Dort sind 42 Wohneinheiten geplant: 13 Reihenhäuser und vier Mehrfamilienhäuser mit zwei bis drei Geschossen. Weitere Merkmale sind Gründächer, Fotovoltaikanlagen, Solarthermie und Elektromobilität. Die Baugemeinschaft will das Grundstück im Herbst kaufen. 60 Prozent der Wohnfläche sind bisher belegt.