Stormarn
Konzert

Gut Basthorst: Liebesgrüße aus St. Petersburg

Das russische Quartet spielte mühelos und leicht (v. l.):  Alexey Barshchev, Vladimir Kudryavtcev, Andrey Smirnov und Andrey Konstantinov.

Das russische Quartet spielte mühelos und leicht (v. l.): Alexey Barshchev, Vladimir Kudryavtcev, Andrey Smirnov und Andrey Konstantinov.

Foto: Elvira Nickmann

Kritik der Woche: Das Terem Quartet begeistert beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Die Künstler provozieren Missverständnisse.

Basthorst.. Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) steht für hochkarätige Künstler, ausgefeilte Technik und innovative oder ungewöhnliche Formate. Das Konzert vom russischen Terem Quartet auf Gut Basthorst mit dem Titel „From St. Petersburg With Love“ vereinte alle drei Aspekte.

Die Musiker nahmen sich bei ihrem Gastspiel die künstlerische Freiheit, sich nicht zuvor auf eine Abfolge von Stücken festzulegen. Als die vier mit den traditionellen russischen Instrumenten Alt- und Sopran-Domra und Bajan sowie einem Bass auf die Bühne kamen, spielten sie keine Volksweise, sondern eine Eigenkomposition, die Themen aus Tschaikowskis Kalenderzyklus „Die Jahreszeiten“ aufgriff. Ein abwechslungsreiches Stück mit szenischen Pausen, die von einigen Zuschauern als Ende interpretiert wurden, was zu ebenso schnell begonnenem wie beendetem Applaus führte.

Musiker greifen humorvoll Klischees der Volksmusik auf

Das von den Musikern provozierte Missverständnis, das sich im Verlauf des Abends wiederholen sollte, sorgte beim Publikum für Erheiterung. Das Quartett spielte geradezu auf humorvolle Weise mit den Erwartungen der Gäste. Ein Beitrag dazu, dass die Spannungskurve keinen Moment abfiel.

Die Tarantella aus dem Ballett „Anyuta“ von Valery Gavrilin war wie gemacht, um die temperamentvolle Seite des Ensembles perfekt in Szene zu setzen. Den Musikern war trotz hohen Tempos keinerlei Anstrengung anzusehen. Ganz im Gegenteil wirkte der Auftritt so mühelos und leicht, wie ihn nur sehr fokussierte, technisch versierte und virtuose Künstler erscheinen lassen können.

Neben russischen und deutschen Komponisten wie Bach und Beethoven spielten auch Filmmelodien – insbesondere aus Klassikern von Federico Fellini – eine Rolle. Ob Entrée zu Fellinis „8 1/2“, Titelmelodie aus „Mission Impossible“ oder Film-Kompositionen von Yann Tiersen: Das Quartett begeisterte mit einer Vielfalt an überraschenden Sequenzen, mitreißenden Rhythmen und ungewöhnlichen Arrangements.

Das Publikum ist von dem Konzert begeistert

Dabei griffen die Musiker fast scherzhaft Klischees russischer Volksmusik auf, um diese in der Folge wiederum effektvoll zu durchbrechen. Wie bei der sibirischen Version von Gershwins „Summertime“, die das Terem Quartet kurzerhand in die Winterzeit verlegte. Darin keimte immer wieder ein wehmütiges Sehnen auf, das sich dann aber in ein fröhlich-spannungsreiches Spiel mit Jazzanklängen auflöste.

Mit „Valseuse“ von Grappelli folgte ein anmutiges Stück mit bezaubernden Harmonien. Bei der Ankündigung des Medleys „Eternal Love“ wünschte Bajan-Virtuose Andrey Smirnov den Zuhörern „ganz viel Liebe“. Sollte sich deren Maß nach der Liebe des Terem Quartets zu seiner Musik bemessen, hat das Publikum ausgesorgt. Der Abend endete mit Ovationen im Stehen als Lohn für einen gelungenen musikalischen Crossover.